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Afghanistan Jagd auf Drachen

Die Nato geht mit „harten Kämpfen“ gegen die Taliban im Süden Afghanistans vor. Die Operation, die den Titel „Dragon strike“ – Drachenschlag – trägt, gilt als wichtigster Prüfstein für die neue Strategie von US-Präsident Barack Obama.

Übersichtskarte von Afghanistan. Foto: FR

Seit Monaten war sie angekündigt, nun scheint die Schlacht um die Taliban-Hochburg Kandahar im Süden Afghanistans in die heiße Phase zu gehen. Wie die Nato nun bestätigte, haben die Kämpfe bereits vergangene Woche begonnen. Tausende US-amerikanische und afghanische Soldaten sollen in Distrikten im Westen und Norden der Stadt ausgerückt sein, um in Haschfeldern und Obstplantagen Jagd auf Taliban zu machen.

Die Operation, der die Militärs den filmreifen Titel „Dragon strike“ – Drachenschlag – verpassten, gilt als wichtigster Prüfstein für die neue Strategie von US-Präsident Barack Obama. Sie soll nach neun Jahren Krieg die Wende am Hindukusch bringen und den unruhigen Süden von den Taliban zurückerobern.

Unterdessen verübte die Nato offenbar drei Luftschläge auf pakistanischem Boden. Den Angaben zufolge überflogen Nato-Hubschrauber die Grenze, um Extremisten zu verfolgen, die zuvor afghanische Posten attackiert hatten. Die Nato will dabei 50 Aufständische getötet haben. Die USA schicken zwar regelmäßig unbemannte Drohnen nach Pakistan, um dort angebliche Taliban-Verstecke zu bombardieren. Aber bemannte Luftschläge auf Pakistans Boden sind selten und ungewöhnlich.

In Kandahar sollen derweil mindestens 8000 Soldaten im Einsatz sein. Ihr Ziel ist es laut Medienberichten zunächst, die Aufständischen in den Distrikten Arghan dab, Zhari and Panjwai „auszuräuchern“. Zhari ist der Geburtsort von Taliban-Führer Mullah Omar. „Wir erwarten harte Kämpfe“, sagte Josef Blotz, deutscher General und Sprecher der internationalen Schutztruppe Isaf, die von der Nato geführt wird. „Es ist eine bedeutsame Bodenoperation mit Luftunterstützung.“ Laut der Zeitung New York Times kamen bisher 16 US-Soldaten ums Leben.

Kandahar gilt als Schlüsselregion am Hindukusch. Die entscheidende Frage ist, ob es den Truppen gelingt, den paschtunischen Süden zu stabilisieren. Die Operation, die eigentlich im Juni beginnen sollte, wurde deshalb als „Entscheidungsschlacht“ gehandelt. Inzwischen schlagen die USA aber merklich kleinlautere Töne an. Nun wird nur noch von einer „gemeinsamen zivil-militärischen Anstrengung“ gesprochen. So gestaltete sich eine Testoffensive in der viel kleineren Region Marjah, die Mitte Februar begann, weit zäher als gedacht. Bis heute haben die Truppen dort Probleme, der Taliban Herr zu werden.

Seitdem wurde die Operation in Kandahar zumindest verbal eher in eine „Schlacht um die Herzen“ umgemünzt. Es gehe darum, durch Aufbau und gute Regierungsarbeit die Menschen zu gewinnen. Tatsächlich gibt es in der Bevölkerung heftige Bedenken gegen eine massive Militäroperation. Die Einheimischen fürchten, dass dabei viele Unschuldige ihr Leben verlieren. In den Vorwochen hatten sich die Militärs zunächst mit Dorfältesten zusammengesetzt, um die Lage zu sondieren. In der Provinz Kandahar leben etwa eine Million Menschen. Die paschtunische Region gilt als Geburtsstätte und Hochburg der Taliban-Bewegung.

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