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Afghanistan Geiselnahme der Taliban endet blutig

Taliban greifen ein Hotel vor Kabul an, nehmen Geiseln, darunter auch Kinder. Sie liefern sich stundenlange Schussgefechte mit der Polizei. Die unternimmt eine Befreiungsaktion.

22.06.2012 08:02
Afghanische Sicherheitskräfte befreien 18 Geiseln aus dem Hotel, das die Taliban überfallen hatten. Foto: rtr

Taliban greifen ein Hotel vor Kabul an, nehmen Geiseln, darunter auch Kinder. Sie liefern sich stundenlange Schussgefechte mit der Polizei. Die unternimmt eine Befreiungsaktion.

Bei dem Angriff radikal-islamischer Taliban-Kämpfer auf ein Luxushotel nahe Kabul sind am Freitag mindestens 13 Menschen getötet worden. Die Extremisten stürmten nach Polizeiangaben gegen Mitternacht eine private Feier und erschossen mehrere Gäste in dem auch bei Ausländern beliebten Hotel. Anschließend brachten die schwerbewaffneten Angreifer dutzende Zivilisten in ihre Gewalt. Nach zwölf Stunden beendete die Polizei schließlich das Geiseldrama mit Hilfe von Nato-Kampfsoldaten. Der Kabuler Polizeichef Ajub Salangi sagte, es seien fünf Angreifer, vier Zivilisten, drei Wachmänner sowie ein Polizist getötet worden. Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind keine Deutschen betroffen.

Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff und der Geiselnahme, wie es sie in dem Umfang in den elf Kriegsjahren bislang kaum gegeben hat. Als Grund gaben sie an, in dem an einem See gelegenen Hotel feierten Ausländer und reiche Afghanen „wilde Partys“ - und das am Vorabend der traditionellen Freitagsgebete. Die Sicherheitskräfte verurteilten die Tat scharf. „Dies ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, denn sie haben Kinder, Frauen und Zivilisten bei einem Picknick am See attackiert“, sagte General Mohammed Sahir von der Sonderermittlungseinheit der Kabuler Polizei. „Es war kein einziger Soldat in der Nähe.“

Kurz nach dem Angriff brach unter den Hotelgästen Panik und Entsetzen aus, wie Augenzeugen berichteten. Viele seien in der Dunkelheit in den See geflohen, um den Taliban zu entkommen. Nach Polizeiangaben waren einige der Angreifer mit schweren Maschinengewehren und Granatwerfern bewaffnet. Die Extremisten hätten sich in der Dunkelheit stundenlang Schießereien mit Sicherheitskräften geliefert. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie mehrere Hotelgäste aus dem See wateten und sich über eine Mauer in Sicherheit retteten. Über dem Komplex kreisten mehrere Nato-Kampfhubschrauber.

Nach Angaben des Hotelbetreibers waren zum Zeitpunkt des Angriffs etwa 300 Gäste vor Ort. Das exklusive Hotel liegt rund zehn Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt entfernt am Kargha-See, einem der wenigen Erholungsgebiete in der Umgebung. Die Restaurants und Hotels am Ufer des See sind auch für viele Mitarbeiter der afghanischen Regierung und Geschäftsleute ein beliebtes Ziel - vor allem am Donnerstagabend.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte erst am Donnerstag bei einer Sondersitzung des Parlaments erklärt, es sei damit zu rechnen, dass die Taliban in den kommenden Wochen ihre Angriffe vor allem auf die einheimischen Sicherheitskräfte verstärken würden. Die ausländischen Truppen bereiten sich darauf vor, die meisten Kampfeinheiten bis Ende 2014 vom Hindukusch abzuziehen. (rtr)

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