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Afghanistan-Einsatz 28 pakistanische Soldaten bei Nato-Luftangriff getötet

Bei einem Nato-Luftangriff im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet sind offenbar bis zu 28 pakistanische Soldaten getötet worden. Das Land reagiert empört und kappt als erste Reaktion die Versorgungsroute der Nato nach Afghanistan.

26.11.2011 22:16
Pakistanisches Militär patrouilliert im Grenzgebiet zu Afghanistan. Im Stammesgebiet Mohamad sind mindestens zwei Dutzend pakistanische Soldaten von Nato-Truppen getötet worden. Foto: Afzal Shah

Nach dem folgenschweren Nato-Luftangriff auf einen pakistanischen Kontrollpunkt ist das ohnehin belastete Verhältnis der USA zur Regierung in Islamabad auf einen Tiefpunkt abgekühlt. Politik und Militär des afghanischen Nachbarlandes reagierten am Samstag wütend auf den Einsatz von Kampfjets und Hubschraubern, bei dem nach Angaben aus Armeekreisen bis zu 28 einheimische Soldaten getötet und elf verletzt wurden. In einer ersten Reaktion sperrte Pakistan die Nachschubrouten nach Afghanistan. Das westliche Bündnis bestätigte den Angriff, nannte aber keine Einzelheiten etwa über die Zahl der Toten.

Der Angriff auf einen Vorposten im unruhigen Nordwesten Pakistans ist der schwerste Zwischenfall seit die Regierungen in Washington und Islamabad Ende 2001 eine Anti-Terror-Allianz gebildet haben. Die Tötung von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden durch US-Spezialeinheiten in Pakistan hatte im Frühsommer das Verhältnis beider Länder vor eine Zerreißprobe gestellt.

Der Luftangriff an der Grenze wurde gut eine Woche vor einer in Bonn geplanten neuen Afghanistan-Konferenz geflogen. Dort soll über Perspektiven für die Region nach dem für Ende 2014 geplanten Abzug aller ausländischen Kampftruppen beraten werden. Außenminister Guido Westerwelle und Verteidigungsminister Thomas de Maiziere sagten in einem gemeinsamen Interview der „Bild am Sonntag“, denkbar sei, dass Bundeswehrsoldaten auch danach etwa als Ausbilder am Hindukusch im Einsatz sein könnten.

Pakistan: Anschlag auf unsere Souveränität

In Islamabad verurteilte Ministerpräsident Yusuf Raza Gilani den Nato-Angriff als „Anschlag auf die Souveränität Pakistans“. Armeechef General Ashfaq Pervez Kayani kündigte eine „spürbare Reaktion auf diese unverantwortliche Tat“ an. Pakistan habe in scharfer Form bei Nato und Internationaler Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) die Bestrafung der Verantwortlichen gefordert.

Die Nato bestätigte den Tod der Truppen. „Wir wissen, dass pakistanische Soldaten getötet wurden. Wir kennen aber nicht die Zahl, den Umfang“, sagte ein Sprecher der Allianz in Kabul. Nato-Kräfte hätten wegen eines Grenzzwischenfalls Unterstützung aus der Luft angefordert. Es handle sich um einen tragischen Vorfall. Die pakistanische Armee erklärte, die Soldaten hätten sich mit allen zur Verfügung stehenden Waffen gegen den Angriff zur Wehr gesetzt. In dem Vorposten waren demnach 40 Soldaten stationiert. Unter den bis zu 28 Toten sollen auch zwei Offiziere sein.

Einige Stunden nach dem Angriff wurde die Versorgungsroute der Nato nach Afghanistan in Pakistan unterbrochen. Etwa 40 Lastwagen und Tankfahrzeuge seien zurückgewiesen worden, erfuhr Reuters von einem Regierungsvertreter. Ein zweiter Beamter sagte, die Lieferungen seien aus Sicherheitsgründen unterbrochen worden. Nach Nato-Angaben laufen fast die Hälfte des Nachschubs für die Soldaten in Afghanistan über Pakistan.

Im September 2010 waren zwei pakistanische Soldaten bei einem Nato-Luftangriff getötet worden. Die Allianz entschuldigte sich für den Vorfall, Pakistan sperrte als Reaktion eine der Versorgungsrouten für zehn Tage. (afp)

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