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Afghanistan Drei Nato-Soldaten bei Selbstmordanschlag getötet

Kaum ein Tag vergeht in Afghanistan ohne größeren Anschlag. Erneut sind drei Nato-Soldaten im Osten des Landes bei einem Selbstmordanschlag getötet worden.

05.08.2018 10:20
Afghanistan
Schiiten begraben Dutzende Opfer eines Attentats in Paktia Foto: afp

Wir brauchen Frieden, dieser Krieg muss enden“, sagt Iqbal Khyber. Der 27-jährige Medizinstudent aus Helmand war mehr als einen Monat fast 700 Kilometer zu Fuß nach Kabul gelaufen. Er und eine Gruppe von anderen Aktivisten protestierten damit gegen die nicht enden wollende Gewalt und den Terror in ihrem Heimatland. In der Hauptstadt zogen Demonstranten von Botschaft zu Botschaft, um für ihre Mission zu werben. Ihr Slogan: „Es ist die Schuld des Krieges, dass unser Leben so hässlich ist.“ 

Für die Friedensaktivisten gab es einen kurzen Lichtblick; Mitte Juni, zum Ende des Fastenmonats Ramadan, willigten die radikal-islamischen Taliban in eine dreitägige Waffenpause mit der Regierung ein. Die Stimmung war euphorisch: Taliban-Kämpfer und Soldaten umarmten einander, aßen Eis, machten Selfies und beteten zusammen in der Moschee. Doch dann kehrte der Alltag am Hindukusch wieder ein. 

Kaum ein Tag vergeht nun ohne einen größeren Anschlag. Es sind nicht allein die Taliban, auch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), die sich in Afghanistan Daesh nennt, verübt regelmäßig Attentate. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden in Afghanistan in den ersten sechs Monaten des Jahres 1692 Zivilisten bei Kriegshandlungen getötet and 3430 verletzt. 

Am Sonntag kamen bei einem Attentat im Osten des Landes drei Nato-Soldaten ums Leben. Es handele sich um drei tschechische Soldaten, teilte die Armeeführung in Prag mit. Drei weitere Soldaten – ein US-Bürger und zwei Afghanen – seien verletzt worden, sagte die Nato. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Die Soldaten gehörten zur Nato-Mission „Resolute Support“, die sich um Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Streitkräfte bemüht. 

Der Sturz des Taliban-Regimes durch die US-Invasion 2001 beendete zwar die islamische Schreckensherrschaft, doch statt des Aufbaus eines sicheren Staates brachte die neue, demokratisch gewählte Regierung Kriegsherren, Milizen-Führer und korrupte Politiker an die Macht. 

USA schützen nur die Städte

Das Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 markierte den Rückzug der internationalen Gemeinschaft in dem fast 17-jährigen Konflikt. Zwar haben die USA immer noch rund 14 000 Soldaten in Afghanistan stationiert, und auch die Bundeswehr unterhält noch ein Kontingent von knapp 1300 Kräften, doch angesichts der erstarkenden Aufständischen ist damit kein Staat zu machen.

Entgegen der Drohung von US-Präsident Donald Trump, dass die Taliban und der IS in Afghanistan „wissen sollen, dass sie sich nirgendwo verstecken können“, hat die US-Regierung nun beschlossen, sich aus der Fläche zurückzuziehen und nur noch die Städte – wie Kabul, Kandahar, Dschalalabad, Kundus und Masar-i-Scharif – zu schützen. Damit werden praktisch 90 Prozent Afghanistans den Taliban und anderen Aufständischen überlassen. Weniger als ein Viertel aller Bürger wohnen in Städten. Die neue „Wagenburg-Strategie“ führt zu Angst und Resignation. „Die USA haben es geschafft, in 15 Tagen ein Regime zu stürzen, warum konnten sie in 17 Jahren keinen Frieden schaffen?“, fragt Iqbal. (epd/afp)

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