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Afghanistan Bombenopfer und Kriegsvertriebene

Einem Bericht der UN-Mission zufolge sind in Afghanistan so viele Zivilisten verletzt und getötet worden wie nie zuvor.

11.10.2018 09:07
Ermittlungen nach einer Taliban-Attacke in Sayeed Abad
Sicherheitskräfte untersuchen den Tatort eines Taliban-Anschlags in Sayeed Abad. Foto: rtr

Durch Bomben und Sprengsätze sind in Afghanistan so viele Zivilisten verletzt und getötet worden wie noch nie zuvor. Das geht aus einem von der UN-Mission Unama veröffentlichten Bericht hervor. 

Von Januar bis Ende September seien mindestens 1065 Zivilisten durch Selbstmordattentäter, Autobomben oder versteckte Sprengsätze getötet und weitere 2569 verletzt worden. Alle Arten von Bomben und Sprengsätzen zusammengefasst, ist dies ein Anstieg von 21 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die Zahl der Opfer durch bei Selbstmordattentaten ausgelöste Bomben allein stieg gar um 46 Prozent.

52 Prozent der zivilen Opfer sind laut Unama seit Januar der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zuzurechnen, weitere 40 Prozent radikalislamischen Talibankämpfern. Die allermeisten Zivilisten seien durch Bomben bei Selbstmordattentaten umgekommen, heißt es in dem UN-Bericht.

Rund die Hälfte der Opfer kam bei Anschlägen ums Leben, die gezielt gegen Zivilisten gerichtet gewesen seien. Unama listet Hebammenschülerinnen, Studenten, die sich auf das Universitätseintrittsexamen vorbereiteten, Cricketspieler, Wrestler oder Moscheebesucher als Opfer auf. Die meisten Opfer wurden in der Provinz Kabul verzeichnet. 433 Zivilisten wurden in der Hauptstadt und Umgebung seit Januar vor allem durch Selbstmordanschläge getötet und 969 verletzt, heißt es in dem Bericht. 

Radikalislamische Talibankämpfer wollen die mit mehr als dreijähriger Verspätung stattfindende Parlamentswahl am 20. Oktober behindern. In  einer der FR vorliegenden Mitteilung rufen die Talibanmilizen zum „totalen Boykott“ der Wahl auf. „Alle unsere Gotteskrieger haben den Befehl, diesen amerikanisch geführten Prozess zu behindern wo und wie immer möglich“, heißt es in der Erklärung. Die Extremisten kündigten an, jeden anzugreifen, der die Wahl unterstütze, vor allem die afghanischen Sicherheitskräfte. Die Abstimmung widerspreche nicht nur islamischem Recht, sondern stehe auch im Widerspruch zu den nationalen Interessen des Landes.

Die unabhängige Wahlkommission hatte zuvor angekündigt, am Wahltag mindestens 54 000 Truppen zur Sicherung der landesweit 5100 Wahllokale einsetzen zu wollen. Beobachter sind davon überzeugt, dass bei den   Parlamentswahlen nur in den Städten gewählt wird. 

Bei einem Anschlag auf eine Wahlveranstaltung in der südafghanischen Provinz Helmand sind am Dienstag mindestens acht Menschen getötet worden. Mindestens elf weitere Menschen seien verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Ein Selbstmordattentäter habe sich in der Provinzhauptstadt Laschkar Gah im Büro eines Kandidaten für die Parlamentswahl in die Luft gesprengt, als dieser gerade mit Wählern gesprochen habe. Auch der Kandidat starb bei dem Attentat. 

Der Beginn der Wählerregistrierung war schon von Gewalt überschattet. Im ersten Monat wurden mindestens 68 Zivilisten getötet. 

250 000 Menschen fliehen in Afghanistan vor Kämpfen

Mindestens acht Kandidaten für die Parlamentswahl wurden schon bei Anschlägen getötet. Eine Kandidatin verlor am vorigen Wochenende zudem bei einem Autounfall ihr Leben.

Fast 250 000 Menschen sind seit Jahresanfang in Afghanistan vor Kämpfen und Gefechten aus ihren Dörfern und Städten geflohen. Das geht aus einem Bericht der UN-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe hervor. Allein in der vergangenen Woche sind mehr als 28 400 Menschen heimatlos geworden – vor allem wegen schwerer Gefechte in drei Bezirken der nördlichen Provinz Tachar.

Seit Januar gab es Vertriebene aus 32 der insgesamt 34 afghanischen Provinzen. 57 Prozent davon sind dem Bericht zufolge Kinder unter 18 Jahren. 

Aufgrund der schweren Dürre in Westafghanistan sind laut dem Bericht neben den Flüchtlingen, die innerhalb des Landes vor Kämpfen flohen, aktuell zusätzlich rund 216 000 Afghanen als Binnenflüchtlinge registriert. Afghanistan hat geschätzte 30 Millionen Einwohner. 

Die Talibanmilizen beherrschen gegenwärtig rund die Hälfte des afghanischen Territoriums. Im Rest des Landes sind die radikalislamischen Gotteskrieger mit Ausnahme der Städte ebenfalls präsent. (dpa/wgm)

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