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Affäre Wulff Diekmanns Klagen

Bild-Chefredakteur Kai Diekmann ist bei den Einflussreichen und Mächtigen geachtet und gefürchtet zugleich - zimperlich wird er nur, wenn es um seine eigene Person geht.

Gut verdrahtet: Bild-Chef Kai Diekmann. Foto: dapd/Axel Schmidt

Kai Diekmann pflegt enge Kontakte zur Macht. Das gehört zu seinem Job. Er war, vor 20 Jahren, Chefreporter des Klatschmagazins Bunte, später leitete er die Welt am Sonntag, seit Anfang 2001 ist er Chefredakteur der Bild-Zeitung. In solchen Positionen muss man nah dran sein an denen, die Einfluss haben. Man kann Diekmann seine guten Beziehungen also nicht zum Vorwurf machen.

Allerdings kam der 47-Jährige während seiner Laufbahn wiederholt jener Grenze nahe, an der professionelle Beziehungspflege und Kumpanei ineinander fließen; an der das Gebot journalistischer Unabhängigkeit und intellektueller Distanz mit persönlichen Freundschaften kollidiert. Die Nähe zur Regierung Helmut Kohls hätte gar Diekmanns bis 1997 ungebrochene Karriere ums Haar beendet.

Der damalige Vorstandsvorsitzende des Springer-Verlags, Jürgen Richter, hatte sich am vertraulichen Umgang des Bild-Politikchefs Diekmann mit dem Bundeskanzleramt sowie mit dem Kanzlerfreund und Springer-Aktionär Leo Kirch gestört. Diekmann wurde in den Springer-Auslandsdienst abgeschoben. Wenig später allerdings musste Richter wegen Differenzen mit der Verlegerfamilie gehen, während Diekmann seinen Aufstieg fortsetzen konnte.

Helmut Kohl war Trauzeuge

Dass Richters Vorbehalte gegen die allzu freundschaftlichen Bande mit Kohl nicht aus der Luft gegriffen waren, erwies sich im Januar 2002: Der Altkanzler war Trauzeuge, als Diekmann, bereits Bild-Chef, die Springer-Kolumnistin Katja Kessler ehelichte. Umgekehrt erwies Diekmann, mittlerweile vierfacher Vater, dem Altkanzler die Ehre bei dessen Hochzeit mit Maike Richter im Mai 2008. Zweiter Trauzeuge war übrigens Leo Kirch.

Gegen den Vorwurf der politisch-professionellen Kumpanei hat sich der gebürtige Ravensburger, der in Bielefeld aufwuchs und schon als Schüler eine Zeitung mit der erstaunlichen Auflage von 15.000 Exemplaren herausbrachte, gelegentlich zu wehren versucht. Als der NDR 2008 in einem Bericht über den Hamburger Wahlkampf die Unterstützung der Bild-Zeitung für den CDU-Kandidaten Ole von Beust aufgriff und dabei die These aufstellte, Diekmann habe als Chefredakteur des Blattes schon im Wahlkampf 2004 „dafür gesorgt, dass Bild für Ole von Beust trommelte“, zog Diekmann gegen diese Behauptung vor Gericht. Er unterlag in erster und zweiter Instanz.

Selbiges widerfuhr ihm in Prozessen gegen die Taz, die im Jahr 2002 auf ihrer Satireseite behauptet hatte, Diekmann habe sich operativ seinen Penis vergrößern lassen wollen. Gegen die geschmacklich fragwürdige Kabarettnummer klagte Diekmann erfolglos auf Schmerzensgeld. Die Begründung des Berliner Landgerichts: Als „Bild“-Chef suche er „bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsverletzung anderer“. Er müsse daher davon ausgehen, dass die Maßstäbe, die er anderen gegenüber anlegt, auch für ihn selbst gelten.

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