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AfD-Parteitag Der Coup der Rechten

In der AfD setzt sich der Björn-Höcke-Flügel durch und macht den bisherigen Vize Alexander Gauland zum Co-Vorsitzenden. Eine Frau gibt es nicht mehr in der Parteispitze.

Alexander Gauland und Jörg Meuthen
Das neue Führungsduo: Alexander Gauland (links) und Jörg Meuthen. Foto: afp

Der Vorsitzende beschwört die Einheit, da müssen auch große Gefühle sein. Jörg Meuthen erinnert sich an den „hochemotionalen Moment“ Ende Oktober, als er oben auf der Besuchertribüne im Reichstag stand und beobachten durfte, wie die 92 Abgeordneten der „Alternative für Deutschland“ in den Bundestag einzogen. „In solchen Momenten weiß man, wofür man das alles auf sich nimmt“, ruft Meuthen den Delegierten zu. Dabei stand er anfangs recht einsam da oben auf der Tribüne und herrschte die Saaldiener an, weil sie nicht wussten, wer er ist. Das beschreibt seine Situation recht gut. Er wird künftig im Europaparlament sitzen, also weit weg von der Bundespartei.

Die AfD ist an diesem Wochenende nach Hannover gekommen, um zwei Tage lang zu beraten und einen neuen Vorstand zu wählen. Meuthen, der Wirtschaftsprofessor aus Baden-Württemberg, führt die Partei allein, seitdem Frauke Petry sie nach der Bundestagswahl mit großer Geste verlassen hat. Der zweite Platz an der Spitze, den die Statuten bisher vorschreiben, ist also frei, und es ist vor diesem Parteitag viel spekuliert worden, dass es zu einem erneuten erbitterten Flügel- und Machtkampf kommt, zwischen den eher Gemäßigten und dem rechtsnationalen „Flügel“ um Björn Höcke.

„Hallo Hannover“, ruft Höcke in den Saal

Meuthen, der erneut antreten will, mahnt die Delegierten zu Geschlossenheit und Disziplin, erinnert noch einmal an den Siegeszug der AfD, die nun in 14 Landtagen und eben auch im Bundestag sitzt. Es wird viel vom Erfolg der AfD die Rede sein in diesen zwei Tagen, damit lässt sich ja leicht Einigkeit herstellen. Und auch Kanzlerin Angela Merkel taugt immer als Angriffsziel. Meuthen wirft ihr „politisches Zentralversagen“ vor und fordert eine patriotische Politik. Der Beifall wirkt dann trotzdem ein wenig pflichtgemäß.

Bis zum späten Nachmittag gelingt es der Parteitagsregie, halbwegs ein Bild der Geschlossenheit zu inszenieren. Das Congress Centrum in der Nähe des Zoos liegt in einem bürgerlichen Wohnviertel, eine von der Polizei abgeriegelte Hochsicherheitszone. Es ist die immer gleiche Szenerie bei den Parteitagen der AfD. Drinnen dominieren ältere Männer, draußen versammeln sich junge Demonstranten. 

In der Partei gärt es schon seit Tagen. Der „Flügel“ will um jeden Preis verhindern, dass Georg Pazderski, der Berliner Landes- und Fraktionschef, den Platz neben Meuthen an der Spitze einnimmt. Pazderski, der 66-jährige einstige Offizier, möchte die AfD zur bürgerlich-konservativen Partei und koalitionsfähig machen. Für den „Flügel“ war seine Kandidatur eine offene Kampfansage. Pazderski hat Frauke Petry unterstützt, sich wie sie dafür ausgesprochen, gegen Höcke nach dessen Dresdener Rede ein Parteiausschlussverfahren anzustrengen. Schon vor dem Parteitag finden Krisensitzungen statt. Der „Flügel“ hat Alexander Gauland, die graue Eminenz der Partei, so lange bearbeitet, bis der mit dem Gedanken spielt, selbst anzutreten. Der 76-Jährige ist derjenige in der AfD, der am meisten politische Erfahrung hat, er war 40 Jahre in der CDU. Er gilt also ohnehin als heimlicher Parteichef, seit Oktober ist er auch Vorsitzender der neuen Bundestagsfraktion. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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