Lade Inhalte...

AfD Offenbach AfD will mit Juden den Islam bekämpfen

Jüdische AfD-Mitglieder begleiten in Offenbach die Gründung einer parteiinternen Vereinigung vor. Verbände gehen auf Distanz.

Davidstern bei Pegida-Kundgebung
Hauptsache, man hat einen gemeinsamen Feind: Rechte „Solidarität“ mit Israel, hier bei einer Pegida-Demonstration. Foto: dpa

„Gmar Chatima towa!“ wünschen sich Juden noch bis zum 30. September, dem Ende des einwöchigen Sukkot, auch Laubhüttenfest genannt. Der Wunsch heißt übersetzt „Möge deine Einschreibung (in das Buch des Lebens) gut abgeschlossen werden“.

Genau eine Woche später wollen in Offenbach jüdische AfD-Mitglieder zusammenkommen, um sich in ein anderes Buch einschreiben zu lassen: Für den 7. Oktober ist dort die Gründungsversammlung der Vereinigung „Juden in der Alternative für Deutschland“ angesetzt. 
Über die möglichen Mitglieder ist bislang wenig bekannt. Der Vorsitzende der AfD Hessen teilte der Frankfurter Rundschau nun jedoch mit, Wolfgang Fuhl und Dimitri Schulz seien für die Öffentlichkeitsarbeit der noch zu gründenden Vereinigung zuständig.

Fuhl hat bei der vergangenen Bundestagswahl im baden-württembergischen Wahlkreis Lörrach-Müllheim für die AfD kandidiert und ist ehemaliges Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland. Schulz tritt bei der hessischen Landtagswahl Ende Oktober sowohl als Direktkandidat als auch auf einem aussichtsreichen Listenplatz an. Das Vorhaben hat schon vor seinem Abschluss hitzige Debatten ausgelöst.

 AfD verwendet vermeintliche Israelfreundschaft gegen Muslime

In der „Bild“ drückten mehrere jüdische Verbände und Prominente Empörung aus. „Wie jüdische Menschen ihre Mitgliedschaft in einer solchen Partei vor sich selbst rechtfertigen können, ist völlig unverständlich“, sagt Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Die AfD ist und bleibt eine Partei, in der Antisemiten sich pudelwohl fühlen können.“

Michel Friedman, Publizist und ehemaliger stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats, bezeichnete die AfD als „die Partei, die geistige Brandstiftung wieder salonfähig macht. Niemand sollte in die AfD eintreten, ein Jude erst recht nicht.“ Und Stephan J. Kramer, ehemaliger Generalsekretär des Zentralrats und heutiger Chef des Thüringer Verfassungsschutzes, sagte der FR: „Ich bin bekanntermaßen Jude. Unabhängig von der Religion: Als Bürger und Demokrat kann ich nur sagen, ich bin kein AfD-Mitglied und werde es im Traum nicht werden. Michel Friedman hat dazu alles Nötige gesagt.“

Scharfe Worte auch vom jüdisch-deutschen Verein „Werteinitiative“: „Juden dienen nicht als Feigenblatt für plumpe AfD-Hassbotschaften!“, schreibt der Verein auf seiner Webseite. Die Partei verwende ihre vermeintliche Juden- bzw. Israelfreundschaft vor allem als Legitimation, um gegen Muslime zu agitieren. „Ihr Muster wird dabei sein: ,Heute die, morgen ihr’.“ Die Rhetorik mancher Parteifiguren und ihr Schweigen gegenüber dem äußersten rechten Rand ihrer Anhänger machten deutlich, woher der Wind wehe.

 AfD-Mitglieder immer wieder offen antisemitisch

Das Verhältnis zwischen AfD und Juden ist seit Jahren kontrovers, weil einzelne Mitglieder und Anhänger der Partei sich immer wieder offen antisemitisch äußern. Aufsehen erregte auch die Rede von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, der sagte: „Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Parteichef Alexander Gauland bezeichnete den Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ im Vergleich zur gesamten deutschen Geschichte.

Andererseits gibt es in der AfD immer wieder Versuche, sich bei jüdischen Wählern beliebt zu machen, und zwar wegen eines vermuteten gemeinsamen Feindes: des Islam. Dimitri Schulz teilte am Dienstag schriftlich mit: „Die AfD ist die einzige Partei der Bundesrepublik, die muslimischen Judenhass thematisiert, ohne diesen zu verharmlosen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen