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AfD meets Katholikentag „Christsein und AfD passen nicht zusammen“

Am Samstag findet auf dem Katholikentag eine Diskussion mit einem AfD-Vertreter statt. Die religionspolitischen Sprecher aller Parteien diskutieren mit. Die FR hat vorab gefragt, was die Diskutanten zu sagen haben.

Katholikentag
Das Motto des Katholikentags lautet „Suche Frieden“. Foto: dpa

„Nun sag, wie hast du's mit der Religion?“ Frei nach Goethes „Faust“ lässt das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) auf dem von ihm veranstalteten Katholikentag die religionspolitischen Sprecher aller im Bundestag vertretenen Parteien miteinander diskutieren. Auf dem Podium sitzt am Samstag auch der religionspolitische Sprecher der AfD, Volker Münz. Das hatte im Vorfeld zu heftigen Diskussionen geführt, allen voran unter Katholiken: In einer „Erklärung für eine mutige Kirche“ forderten etwa 47 Theologen, die Einladung an die AfD zurückzunehmen.

Das ZdK hielt aber an der Einladung fest. ZdK-Präsident Thomas Sternberg kommentierte die Erklärung in der FR so: „Die Unterzeichner haben insofern Recht, als die AfD mit ihren immer deutlicher werdenden fremdenfeindlichen und Ängste schürenden Äußerungen keine Gelegenheit bekommen soll, auf dem Katholikentag ihre Positionen zu verbreiten.“ Weil aber geplant gewesen sei, so Sternberg, „die Fraktionen des deutschen Bundestages zu ihren kirchenpolitischen Haltungen zu befragen, wird auch die rechtspopulistische Fraktion leider dabei sein.“

Die eingeladenen Diskutanten antworten vorab

Die FR hat die sechs religionspolitischen Sprecher, die am Samstag miteinander diskutieren, vorab gefragt, wie Sie es mit der Religion halten – und von der Einladung des AfD-Politikers. Es antworten Kerstin Griese (SPD), Bettina Jarasch (Grüne), Christine Buchholz (Linke), Christian Hirte (CDU), Karlheinz Busen (FDP) und Volker Münz (AfD).

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ – Was antworten Sie in Kürze darauf?
Griese (SPD): Die Evangelische Kirche ist für mich seit meiner Kindheit ein Zuhause. Ich engagiere mich gegen Rassismus und für Gerechtigkeit, das gehört für mich zum gelebten Glauben.

Jarasch (Grüne): Religionen können einen wertvollen Beitrag zum Zusammenhalt einer Gesellschaft leisten – wenn es Religionsfreiheit gibt und der Staat keine Religion einseitig bevorzugt oder benachteiligt. Deshalb muss endlich Schluss sein mit den sinnlosen Debatten darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht.

Buchholz (Linke): Jeder und jede sollte sich offen zu einer Religion bekennen können – oder auch zu keiner. Dafür stehe ich ein, auch wenn ich selbst nicht religiös bin. Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht. Es setzt zugleich eine Trennung von Staat und Religionsgemeinschaften voraus. Der Staat darf keine Religion bevorzugen, sondern muss allen gleichermaßen die Religionsausübung ermöglichen. Wenn in Bayern Kreuze in Amtsstuben aufgehängt werden und zugleich das Kopftuchverbot für muslimische Frauen ausgeweitet wird, werden beide Grundprinzipien zugleich infrage gestellt.

Hirte (CDU): Religion ist mir ganz persönlich wichtig, mein Glaube ist ein Ankerpunkt und auch ein Rückzugsort.

Busen (FDP): Ich bin katholisch getauft und christlich erzogen worden, war in meiner Jugend bei den Messdienern sehr aktiv. Die Vermittlung von Werten gehört zu den wichtigsten Dingen, die Eltern ihren Kindern mitgeben können.

 

Münz (AfD): Der Glaube an Gott gibt mir Kraft, Halt und Zuversicht. Jesus Christus ist für mich der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich möchte, dass der christliche Glaube lebendig und für unsere Gesellschaft prägend bleibt.

Inwieweit sind Ihre persönlichen politischen Überzeugung religiös „inspiriert“?
Griese (SPD): Mein Glaube ist kein Navigationssystem, das mich ohne großes Nachdenken leitet. Sondern er ist ein Kompass, den ich immer wieder selbst neu orten muss, auf den ich mich einlassen muss und der eine Orientierung ist.

Jarasch (Grüne): Religionen können einen wertvollen Beitrag zum Zusammenhalt einer Gesellschaft leisten, wenn es Religionsfreiheit gibt und der Staat keine Religion einseitig bevorzugt oder benachteiligt. Deshalb muss endlich Schluss sein mit den sinnlosen Debatten darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht.

Buchholz (Linke): Meine politischen Überzeugungen sind vor allem durch ein starkes Gerechtigkeitsempfinden geprägt. Ich bin der Überzeugung, dass gesellschaftliche Verhältnisse von Menschen gemacht werden und daher auch veränderbar sind. In der Praxis merke ich sehr oft, dass Menschen aus religiösen Gründen zu ähnlichen oder gleichen Ansichten und Überzeugungen wie ich kommen. Was zählt, ist die gemeinsame Praxis für Gerechtigkeit, gegen Armut und Ausgrenzung.

Hirte (CDU): Als Politiker sind wir keine Missionare. Das christliche Menschenbild ist aber nicht ohne Grund das Leitmotiv meiner Partei bei vielen Dingen. Freiheit, Individualität, Solidarität, Nächstenliebe – Vieles, was ich politisch für richtig halte, kann ich aus meiner religiösen Haltung ableiten.

Busen (FDP): Christliche Werte wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Glaube und Hoffnung spiegeln eine positive Haltung zum Leben wieder. Wir Freien Demokraten teilen diese optimistische Sicht. Dieser Optimismus hilft mir, politische Herausforderungen kreativ zu meistern statt zu sagen „das haben wir immer so gemacht“.

 

 

Münz (AfD): Der Glaube an Gott gibt mir Kraft, Halt und Zuversicht. Jesus Christus ist für mich der Weg, die Jeder Einzelne wird einmal vor Gott Rechenschaft ablegen müssen für sein Handeln. Ein Politiker muss verantwortungsethisch handeln und die langfristigen Folgen seiner Entscheidungen berücksichtigen. Nur gut Gemeintes ist zu wenig. Mein Denken und Handeln orientiert sich an christlichen Werten und biblischen Geboten. So setze ich mich zum Beispiel ein für das Lebensrecht Ungeborener, für die Ehe aus Mann und Frau, für die Familie, für Hilfe in der Not und Unterstützung zur Selbsthilfe und das Leben. Ich möchte, dass der christliche Glaube lebendig und für unsere Gesellschaft prägend bleibt.

 

Im Vorfeld der Veranstaltung wurde viel darüber diskutiert, ob ein Vertreter der AfD zu einer Veranstaltung des Katholikentages gehört. Was denken Sie darüber?
Griese (SPD): An jedem Plenartag des Bundestages sitze ich den AfD-Abgeordneten gegenüber und muss mir ihre Demokratieverachtung, Verblendung, Hetze und auch ihren Rassismus anhören. Das ist überhaupt nicht erfreulich, ich muss es aber ertragen und weiß mich zu wehren. Ich bin mir sicher, die AfD wird mit ihren Parolen beim Publikum des Katholikentages ins Leere laufen.

 

Jarasch (Grüne): Ich finde es richtig, sich mit der AfD offensiv auseinanderzusetzen. Wegducken geht nicht. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass das ZdK und die Kirche das selber tun, anstatt die Auseinandersetzung an die Parteienvertreter zu delegieren, wie es jetzt mit dem Podium zur Religionspolitik geschieht.

 

Buchholz (Linke): Ich bedaure es, dass die Leitung des Katholikentages einen Vertreter der AfD eingeladen hat. Das war vor zwei Jahren noch anders. Die Gründe, aus denen die AfD damals zu Recht ausgeladen wurde, haben sich aber nicht geändert. Im Gegenteil: Die AfD hat sich weiter nach rechts radikalisiert, hetzt gegen Muslime und Geflüchtete. Innerhalb der AfD gewinnen der Flügel um Leute wie Höcke, Poggenburg und Gauland an Boden. Sie stellen immer wieder Bezüge zur nationalsozialistischen Vergangenheit her. Ich spreche inzwischen von einer faschistischen Partei im Werden. Ich unterstütze die Position der katholischen Jugend BDKJ, von 47 Theologinnen und Theologen, sowie des Münsteraner Bündnisses, die die Einladung kritisieren und unter dem Motto „Keine Bühne der AfD“ zum Protest dagegen aufrufen.

 

Hirte (CDU): Zunächst: Es ist Sache des Katholikentages, wem man alles Foren bieten möchte. Wir sollten nicht immer alle dabei belehren wollen. So wie auch in den Parlamenten sollten wir uns der Debatte stellen, das tue ich auch hier.

 

Busen (FDP): Populistische Parteien sind nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa auf dem Vormarsch. Das ist nicht gut! Daher sind wir als Demokraten insbesondere gefordert, dem entgegenzuwirken. Das heißt, die Wähler davon zu überzeugen, dass populistische Parteien für die Demokratie eine Gefahr sind!

 

Münz (AfD): Diejenigen, die der AfD ständig angebliche Ausgrenzung vorwerfen, grenzen selber aus. Das halte ich für feige und unchristlich. Demokraten und Christen sollten in der Lage sein, miteinander zu reden, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Ich wundere mich, wer zum Katholikentag eingeladen worden ist, ohne dass es Berührungsängste gibt. So beteiligt sich die DITIB-Moscheegemeinde Münster, obwohl die DITIB in einer Broschüre für Kinder Selbstmordattentate verherrlicht hat und zum Gebet für den Sieg der türkischen Armee im völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in Syrien aufruft. Ich hoffe, dass die Veranstaltung trotz angekündigter massiver Proteste friedlich bleibt.

Was werden Sie dem AfD-Vertreter auf dem Podium signalisieren?
Griese (SPD): Die Positionen der AfD stehen der Idee der Nächstenliebe, die sich im Mittelpunkt christlicher Überzeugung befindet, diametral entgegen. 

Jarasch (Grüne): Dass Christsein und AfD nicht zusammenpassen. Weil Christentum universell denkt, über nationale Grenzen hinweg, und das Wohl aller Menschen im Blick hat. Das Weltbild der AfD dagegen ist zutiefst partikularistisch und spielt Menschen gegeneinander aus. 

Buchholz (Linke): Ich werde ihm signalisieren, dass eine Partei, die den Islam für unvereinbar mit der Demokratie hält; die jede Gelegenheit nutzt, gegen Geflüchtete oder Muslime zu hetzen; eine Partei, die Antisemiten und Holocaust-Leugner in ihren Reihen duldet, kein Diskussionspartner für mich ist. Und ich werde darüber hinaus meine Vorstellungen darüber darlegen, wie wir zu einer Gleichberechtigung der Religionen und Weltanschauungen in Deutschland kommen können, wie man zugleich Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus gemeinsam entgegentreten kann.

Hirte (CDU): Nicht zuletzt meine christliche Haltung erfordert zunächst das gegenseitige Zuhören. Dialog heißt aber immer auch: Es gibt Grenzen, bei deren Überschreiten man zumindest von mir keine Toleranz mehr erwarten darf. Vertreter wie Björn Höcke oder Andre Poggenburg haben diese deutlich übertreten und all das wird von der AfD mindestens geduldet, wenn nicht gar bewusst gesteuert.

Busen (FDP): Ich werde dem AfD-Vertreter deutlich zu verstehen geben, dass diese Partei keine Alternative für Deutschland ist.

Herr Münz, mit welchen religionspolitischen Signale wollen Sie punkten?
Münz (AfD): Das Christentum ist ein wesentlicher Teil des geistig-kulturellen Fundamentes unserer Gesellschaft. Dieses müssen wir bewahren. Als Politiker müssen wir die unterschiedlichen Handlungsebenen unterscheiden. Die biblischen Gebote richten sich primär an den Einzelnen, während der Staat für Recht und Frieden zu sorgen hat. In einer Demokratie müssen wir gemeinsam um den richtigen politischen Weg ringen. Ich maße mir nicht an, im alleinigen Besitz der politischen Wahrheit zu sein  und andere sollten das auch nicht tun.

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