22. Februar 201711°C Frankfurt a. M.
Lade Inhalte...

AFD Luckes peinlicher Goldpatzer

Die AfD verkauft im parteieigenen Onlineshop Gold. Doch dürfen die das überhaupt? Bis der Bundestag eine Entscheidung getroffen hat, muss sich die AFD noch gedulden.

Die goldene AfD-Mark für 490 Euro ist ausverkauft. Foto: dpa

Der Bundestag prüft. Wie lange noch, kann Sprecher Ernst Hebeker auf Anfrage dieser Zeitung nicht sagen. Damit hängt die eurokritische Partei Alternative für Deutschland noch in der Luft mit ihrem Plan, die eigenen Finanzen gleich doppelt aufzubessern – durch eigene Einnahmen und durch staatliche Zuschüsse. Die neue Partei, die bekanntlich dem Euro misstraut, ist dazu in den Goldhandel eingestiegen. Der Vorsitzende Bernd Lucke hat sich wegen der Geschäftsidee dieser Tage allerdings ordentlich in die Nesseln gesetzt.

Dass Ralf Stegner, der sozialdemokratische Wadenbeißer vom Dienst, spottete: „Morgen geht er hin und verkauft Rheumadecken“ – damit kann er leben. Unangenehmer ist, was andere mit seiner Behauptung aus dem ARD-Talk „Hart aber fair“ gemacht haben. Dort sagte er: „Wir verkaufen viel günstiger als die Banken.“

Die Frankfurter Allgemeine verglich am Tag nach der Sendung den AfD-Preis von 3303,90 Euro für den 100-Gramm-Barren mit denen großer Geldinstitute. Ergebnis: Die Deutsche Bank nahm tagesaktuell 3163 Euro, die Commerzbank 3167. Das Finanz-Informationsportal „Feingold-Research“ wies der Partei obendrein höhere Gebühren für den Versand von Münzen nach, als einschlägige Profi-Goldhändler üblicherweise verlangen.

AfD-Pressesprecher Christian Lüth musste sich daraufhin eine typische Pressesprecher-Formulierung ausdenken: „Unser Durchschnittsangebot im Gesamtportfolio ist im Vergleich zu einzelnen Banken günstiger.“ Um den Satz zu widerlegen, müsste man ihn erst einmal verstehen. Nötig wäre Luckes goldene Bredouille nicht gewesen. Der flinkzüngige Parteichef hat sich in der Hitze des Talkshowgefechts schlicht vergaloppiert. Denn im Werbetext des „Goldshops“ auf der AfD-Website wird bloß als Ziel formuliert, „tendenziell ein gutes Stück unter dem Preis zu liegen“, den Banken verlangen. Haarklein wird jedoch erklärt, warum die AfD-Preise „möglicherweise leicht (zwischen ein bis maximal fünf Prozent)über dem Preisniveau der führenden deutschen Mitbewerber“ liegen. Das sei aber dennoch attraktiv, zumal, „wenn man den Mehrwert für die politische Arbeit der AfD“ einkalkuliere, heißt es.

Linke üben Kritik

Auf die Gold-Idee hat die AfD das Parteiengesetz gebracht. Danach müssen Parteien mindestens die Hälfte ihrer Einnahmen selbst erzielen – durch Beiträge oder andere Einnahmen. Da die Partei noch nicht so viele Mitglieder hat, fürchtet sie um staatliche Zuschüsse, die ihr aufgrund ihrer Wahlergebnisse zustünden. Deshalb versucht sie mit dem Goldverkauf, der auch zu ihrer Anti-Euro-Propaganda passt, zusätzlich Einnahmen zu erzielen.

Die Linke kritisierte das Vorgehen der AfD als „ein raffiniertes Abzocker-Modell“. Damit würden „effektiv die Spenden von Vermögenden an die AfD gratis gestellt“, schimpft Parteichef Bernd Riexinger im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Die AfD bekomme „das Geld, die Spender das Gold, und der Staat ist der Dumme, weil er alles bezahlt“.

Anders als SPD-Vize Stegner will er es aber nicht mit Worten bewenden lassen. Falls die juristische Prüfung ergebe, dass dies legal sei, müsse das Parteiengesetz geändert werden. „Das muss verboten werden“, fordert er. Indessen läuft es ganz gut im Online-Shop der AfD: Einzelne Münzen sind bereits ausverkauft. Trotz des überhöhten Preises.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Kontakt
  • Wir über uns
  • Impressum