Lade Inhalte...

AfD Gauland hetzt gegen Özoguz

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland will Integrationsbeauftragte Özoguz „in Anatolien entsorgen“. Die Politikerin reagiert klug - und schweigt.

Alexander Gauland
AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland will Jerome Boateng nicht als Nachbarn haben - und Aydan Özoguz „in Anatolien entsorgen“. Foto: imago

Sie will das gar nicht kommentieren. Wie sollte sie auch reagieren auf diese Worte der Hetze und Unwahrheit, mit denen sie jetzt angegriffen wurde? Gar nicht erst ignorieren, hätte Karl Valentin ihr geraten – und Aydan Özoguz hat das schließlich auch gemacht. Sie hat nicht öffentlich reagiert auf das, was der AfD-Spitzenmann Alexander Gauland von sich gegeben hat. Das war eine kluge Entscheidung der Integrationsbeauftragten im Kanzleramt.

Es geschah am Wochenende im Eichsfeld in Thüringen. AfD-Mann Gauland, der schon Fußball-Spieler wie Jerome Boateng nicht als Nachbarn haben wollte, hielt eine Wahlkampfrede und kommentierte dabei eine Interview-Aussage von Özoguz. Die 50 Jahre alte SPD-Politikerin hatte vor Monaten schon gesagt, eine spezifisch deutsche Kultur sei, jenseits der Sprache, nicht zu identifizieren. Das bringt Gauland offenbar immer noch in heftige Wallung, und so sagte: „Das sagt eine Deutsch-Türkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie nie wieder hier her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“

Entsorgen, das ist ein Wort, bei dem man gleich an Müll denkt. Und offenbar war es auch Gaulands Ziel, genau diese Assoziation zu wecken – Politikerin mit türkischen Wurzeln gleich Müll, muss also weg. Außenminister Sigmar Gabriel ließ seinen Sprecher sagen, es handle sich um „schlimme verbale Entgleisungen“: „Sie lassen jeden Anstand und Respekt gegenüber Andersdenkenden vermissen und wecken überall auf der Welt die schlimmsten Erinnerungen an unser Land.“ Und damit blieb Gabriel noch nachgerade diplomatisch. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann wurde deutlicher: „Gauland redet wie ein Nazi. Die AfD ist eine Schande für Deutschland.“

Aydan Özoguz dürfte schockiert gewesen sein, als ihr zu Ohren kam, dass sie in Anatolien „entsorgt“ werden solle, wenn es nach Gauland geht. Wer wäre das nicht? Überrascht aber wird sie nicht gewesen sein. Denn die gebürtige Hamburgerin, Tochter türkischer Einwanderer mit hamburgischem Akzent und seit bald 30 Jahren deutsche Staatsbürgerin, kennt Attacken dieser Art seit langer Zeit. Sie versuche, hat sie in der Vergangenheit in solchen Fällen gesagt, die Sache nicht an sich heranzulassen.

Als Özoguz im Dezember 2013 ins Kanzleramt einzieht, ist sie die erste türkisch-stämmige Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration. Union und SPD schreiben, wenn man so will, Geschichte. Und es gibt aus dieser Zeit Fernsehaufnahmen einer lächelnden Frau, die sagt, es sei eine „tolle Herausforderung, die erste zu sein, die mit einer Zuwanderungsgeschichte am Kabinettstisch sitzt“. Das werde, hoffte Özoguz damals, auch dazu führen, „dass Deutschland noch normaler wird und sich als Einwanderungsgesellschaft versteht“.

Das war sehr optimistisch gedacht. Nach Gaulands Ausbruch wird man eher sagen müssen: Normal geht anders.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum