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AfD Die Schlammschlacht-Partei

Die AfD tut sich in Niedersachsen schwer, Wähler zu finden. Das hat vor allen Dingen mit der Partei selbst zu tun.

Landtagswahl Niedersachsen
Die AfD-Strategie hat bei den Niedersachsen nicht verfangen. Foto: Mohssen Assanimoghaddam (dpa)

Zwei Dinge standen schon fest, ehe am Sonntag die Wahllokale in Niedersachsen schlossen: Für die erfolgsverwöhnte Alternative für Deutschland ist das Flächenland im Norden kein einfaches Terrain. Nach wie vor können dort die großen Volksparteien CDU und SPD ein erhebliches Potenzial von Wählern an sich binden. Bei der Bundestagswahl am 24. September lag die AfD in Niedersachsen mit neun Prozent deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 12,6 Prozent.

Für die AfD war es in Niedersachsen schwerer als andernorts in Deutschland, unzufriedene Wähler der Volksparteien abzuwerben. Bis zuletzt konnte sie nicht sicher sein, ob sie den Einzug in den 14. Landtag überhaupt schaffen würde. Sie blieb unter ihren Erwartungen, es gelang nur knapp.

Ein desatröses Bild

Die Partei gibt in Niedersachsen ein desaströses Bild ab. Der Landesverband ist so zerstritten wie kaum ein zweiter, und das will etwas heißen in der Partei, die in diverse Flügel aufgespalten ist, die sich oft erbittert bekämpfen und der gerade eine ihrer wichtigsten Führungspersönlichkeiten im Bund verlorengegangen ist. Seit Frauke Petry erst die Fraktionen im sächsischen Landtag und im Bundestag und dann auch die Partei verlassen hat, rumort es in der AfD.

Zwischen Nordsee und Harz allerdings brodelt es schon lange derart stark, dass manche glauben, dass die AfD dort komplett auseinanderbrechen könnte. Die Partei wird von Intrigen und Skandalen erschüttert. Zur Bundestagswahl hätte sie beinahe gar nicht antreten können, bis zuletzt gab es Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Kandidatenliste. Sogar gefälschte Briefe mit dem Briefkopf der Landeswahlleitung kursierten, um den Anschein zu erwecken, dass alles seine Ordnung hatte. Nur war zu dem Zeitpunkt die Landesliste noch gar nicht eingegangen.

Führung zerstritten

Was die Partei vor der Landtagswahl bot, lässt sich nur als Schlammschlacht bezeichnen. Landeschef Armin-Paul Hampel und Spitzenkandidatin Dana Guth schenken sich nichts und machen aus ihrer gegenseitigen Abneigung keinen Hehl. „Man muss ehrlich bleiben, das war nicht unsere Wunschkandidatin“, kommentierte Hampel die Nominierung seiner Konkurrentin. Kurz vor der Wahl wurde Guth sogar aus der Fraktion im Göttinger Kreistag ausgeschlossen, auch wenn sie dagegen erfolgreich gerichtlich vorging.

Hampel glaubt, dass Guth und ihre Vertrauten „in den vergangenen Jahren maßgeblich versucht haben, jedweden Erfolg des Landesverbandes zu verhindern und mit unzähligen Klagen zunichte zu machen“. Seine Kritiker allerdings werfen dem einstigen Fernsehjournalisten, der im Bundesvorstand der AfD sitzt und nun auch in den Bundestag einzieht, einen autoritären Führungsstil und sogar Mobbing vor. Der ehemalige Schatzmeister der Partei zeigte Hampel sogar wegen übler Nachrede an.

Zudem sorgte Hampel in den vergangenen Wochen für Aufmerksamkeit, weil gegen ihn zunächst wegen Untreue, später wegen Betrugs ermittelt wurde, sogar sein Haus und die Geschäftsstelle wurden wenige Tage vor der Wahl von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Dem 60-Jährigen wurde vorgeworfen, eine professionelle Kameraausrüstung an den Landesverband verkauft, aber nicht geliefert zu haben. Außerdem stand er unter Verdacht, einen Wahlwerbespot doppelt abgerechnet zu haben. Erst am Freitag vor der Wahl wurden die Ermittlungen komplett eingestellt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Landtagswahl Niedersachsen

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