Lade Inhalte...

AfD Die rechte Hochburg Ruhr

Die AfD hat im Ruhrgebiet durch die Bank stark abgeschnitten. Erstmal ziehen 16 Rechte in den Landtag ein: Sie inszenieren sich als Anwälte der Armen.

16.05.2017 07:23
Christian Parth
Frauke Petry und Guido Reil
Frauke Petry und Guido Reil feiern den Erfolg der AfD in Nordrhein-Westfalen. Foto: dpa

Nach dem Jubel über den Einzug in den Landtag beschäftigte viele AfD-Anhänger auf der Wahlparty in Düsseldorf vor allem eines: „Hat der Reil es auch geschafft?“ Guido Reil gehört zu den interessanten Personalien der Rechtspopulisten. Seine Biografie ließ sich im Wahlkampf gut verkaufen: Reil kommt aus Essen, war 26 Jahre Mitglied der SPD, Steiger unter Tage, Gewerkschafter, eben einer aus der Herzkammer der Sozialdemokratie.

Vor einem Jahr kam es zum Bruch. Reil übte scharfe Kritik an der Flüchtlingspolitik seiner Partei. Er verließ die SPD und lief zur AfD über. Den Volksparteien hat er in seinem Essener Wahlbezirk heftig zugesetzt. In Karnap fuhr Reil 20,3 Prozent der Zweitstimmen ein und landete damit noch vor der CDU mit 17,9. In Vogelheim holte Reil 22,1 Prozent, in Altenessen und Bergeborbeck kam er auf mehr als 15. Trotzdem wird Reil nicht im Landtag sitzen, er war auf dem aussichtslosen Listenplatz 26.

Die AfD hat im Ruhrgebiet durch die Bank stark abgeschnitten. In Gelsenkirchen, Duisburg und Mülheim punktete sie zweistellig. Nach Auswertung von Infratest dimap kreuzten 60.000 SPD-Wähler die AfD an. „Viele der alten Genossen sind mir gefolgt, weil sie die Schnauze voll haben von der SPD und den abgelutschten Reden der Standardpolitiker“, sagte Reil.
Parteienforscher Niko Switek von der Uni Duisburg-Essen widerspricht da nicht. Die SPD-Wähler hätten sich nicht ernst genommen gefühlt. „Das Ruhrgebiet ist von Arbeitslosigkeit und Armut stark betroffen. Da hat sich die AfD als Partei der kleinen Leute positionieren können.“

Spitzenkandidat Marcus Pretzell zeigte sich am Montag entsprechend selbstbewusst: „Ich erwarte immer noch ein Dankesschreiben von Armin Laschet“, weil seine Partei dazu beigetragen habe, dass die SPD ins Hintertreffen geriet. Nun will die AfD sich auf die CDU einschießen, denn Martin Schulz sei „kein Gegner mehr“, wie AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland befand.

Erstmal aber ziehen 16 Rechte in den Landtag ein: Neben dem künftigen Fraktionsführer Pretzell wird das Landesgeschäftsführer Andreas Keith aus Leverkusen sein, der zu jener WhatsApp-Gruppe gehörte, über die Tricksereien bei der Landeslistenwahl organisiert wurden. Der Erbmasse der wirr-rechten Hamburger Schill-Partei entstammen Markus Wagner aus Minden-Lübbecke und Frank Neppe aus Iserlohn. Der 41 Jahre alte Mathelehrer Christian Blex wird von der Höcke-nahen AfD-Rechtsaußen-Gruppe „Patriotische Plattform“ unterstützt. Thomas Röckemann wird Beatrix von Storch zugerechnet. Sven Tritschler ist derzeit Mitarbeiter der rechtspopulistischen ENF-Fraktion im EU-Parlament.

Dass er kein Mandat ergattern konnte, macht Guido Reil nichts aus. Er hat sich vier Monate unbezahlten Urlaub genommen, um seine „Steiger-Tour“ aus dem NRW-Wahlkampf bis zur Bundestagswahl fortzuführen. „Ich habe Anfragen aus allen Bundesländern bekommen.“ Seinen Erfolg erklärt er mit einer simplen Formel: „Im Gegensatz zu anderen Politkern glaub’ ich den Scheiß, den ich erzähle.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Landtagswahl Nordrhein-Westfalen
Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum