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AfD Debatte über Waldorfschule

Eine Berliner Waldorfschule verweigert die Aufnahme des Kindes eines AfD-Abgeordneten im Landesparlament - und löst damit eine heftige Debatte über Toleranz, Kindeswohl und Diskriminierung aus.

Waldorfschule
Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat sich in den Streit um das Kind eines AfD-Abgeordneten eingeschaltet. Foto: Uwe Zucchi/Symbolbild

Eine Berliner Waldorfschule hat die Aufnahme des Kindes eines AfD-Landtagsabgeordneten verweigert und damit eine heftige Debatte über Toleranz, Kindeswohl und Diskriminierung ausgelöst. Man könne dem Kind nicht mit der nötigen Unvoreingenommenheit begegnen, hatte der Vorsitzende des Trägervereins gesagt. Vorausgegangen waren heftige schulinterne Diskussionen. 

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat die Schulaufsicht eingeschaltet. „Ich halte es für sehr problematisch, dass ein Kind für das politische Engagement seiner Eltern verantwortlich gemacht wird“, sagte Scheeres Medien zufolge. „Es geht im Schulsystem darum, dass sich Kinder zu eigenständigen Persönlichkeiten entwickeln können.“ 

Andere Schulleiter sind der Ansicht, die selbstverwaltete Waldorfschule habe den Fall unnötig politisiert. Tatsächlich sei auf einer Elternversammlung Mitte Oktober der Tagesordnungspunkt „Wie gehen wir damit um, wenn das Kind eines AfD-Politikers für die Schule angemeldet wird?“ angenommen und besprochen worden. Erst durch diese ausdrückliche Erwähnung habe der Fall weite Kreise gezogen. 

Privatschulen dürfen auswählen

Die rein rechtliche Bewertung ist nicht einfach. Weltanschauliche oder konfessionelle Schulen können ihre Schüler durchaus danach auswählen, ob sie bevorzugt einer bestimmten Religion angehören oder ob die Familie sich an der Waldorfpädagogik orientiert, erläutert Andreas Wegener vom Privatschulverband. Auch sonst dürften Privatschulen nach Eignung und Leistung der Schüler auswählen. Allerdings widerspreche die konkrete Entscheidung womöglich dem Antidiskriminierungsgesetz, heißt es in der Bildungsverwaltung.

Der Politikwissenschaftler Carsten Koschmieder von der Freien Universität Berlin meint, es sei prinzipiell besser, wenn ein AfD-Anhänger in einem Sportverein oder bei einem Elternabend auch auf andere Lebensentwürfe stoße. „Wenn da auch mal ein paar Andersdenkende dabei sind, dann verschafft das womöglich neue Einsichten.“ Bei führenden Funktionären könne aber ein Ausgrenzen sinnvoller sein, sagte Koschmieder. „Weil neue Einsichten da schwerer durchdringen.“ Der Sprecher des Bundes der Freien Waldorfschulen, Henning Kullak-Ublick, sagte: „Generell gilt, dass unsere Schule für alle Kinder offen sind.“ Allerdings agierten die Schulen eigenständig. „Wir wünschen uns aber, dass die Entscheidung noch mal reflektiert wird.“  (mit dpa)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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