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AfD AfD-Jugend will HIV-Kampagne verbieten lassen

Die AFD-Jugend Niedersachen hat Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der HIV-Kampagne „Liebesleben“ gestellt - wegen Verbreitung pornografischer Schriften. 

Die AfD-Jugend verklagt die Bundeszentrale für politische Aufklärung. Foto: dpa

Sie hängen seit etwa zwei Wochen in U-Bahnschächten, an Häuserwänden oder Bushaltestellen: 65.000 großflächige, bunte Plakate mit Cartoons, die über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen aufklären sollen. „Erstaunlich einfach. Benutzt Kondome“, heißt es da zum Beispiel neben einer Comiczeichnung, die ein Paar zeigt, das einen durchaus akrobatischen Liebesakt auf einem Schrank vollzieht. Daneben: „Gib Aids keine Chance.“ Auf anderen Cartoons  sieht man etwa ein engumschlungenes Paar im Fahrstuhl, das von einem anderen erwischt wird, eine weitere Szene zeigt ein sich küssendes Paar im Kinosessel: „Wenn der Film zur Nebensache wird“, titelt das Plakat.

„Liebesleben“heißt diese neue Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die es seit Mitte Mai bundesweit zu sehen gibt. Sie ist Teil der aktuellen Strategie der Bundesregierung zur Eindämmung von HIV, Hepatitis und anderen sexuell übertragbaren Infektionen, die das Bundeskabinett am 6. April 2016 verabschiedet hat.

Eine gute Sache, möchte man meinen. Doch das sieht die AfD-Jugend in Niedersachsen ganz anders. 

Nach eigenen Aussagen hat diese nämlich nun Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Kampagne gestellt - wegen Verbreitung pornografischer Schriften an Minderjährige. Begründung: Die Kampagne fördere die Hypersexualisierung von  Kindern.

Keinesfalls sei es nötig, „tausende von nackten Cartoon-Figuren beim Geschlechtsakt im öffentlichen Raum zu plakatieren“, um eine erfolgreiche Aufklärungsarbeit gegen Geschlechtskrankheiten zu leisten, schreibt Sören Hauptstein, Landesvorsitzender der Jungen Alternative (JA) Niedersachen, in einer Pressemitteilung. „Wieder einmal werden die Eltern großflächig ihres grundgesetzlich garantierten Erziehungsrechts beraubt, wenn ihre Kinder tagtäglich auf dem Schulweg an Bus- und Bahnhaltestellen mit den staatlich verordneten Sex-Plakaten konfrontiert werden“, erklärt Hauptstein. Der Verdacht liege nahe, dass „Gender-Ideologen die Aufklärungsarbeit nur als Deckmantel benutzen, um ihren Traum von einer frühsexualisierten, multisexuellen ‚Gesellschaft der Vielfalt‘ zu verwirklichen“. Das Plakatieren der „obszönen Sex-Zeichnungen“ trete  den Jugendschutz mit Füßen, so der JA-Landesvorsitzende.

Die Niedersächsische AfD-Jugend ist in der Vergangenheit immer mal wieder in Erscheinung getreten. Vor rund einem Jahr produzierte die Jugendorganisation zusammen mit der AfD in Niedersachsen ein rund 45-minütiges Video mit dem Titel „Der Gender-Plan – Revolution durchs Klassenzimmer“, um sich gegen „Gender-Mainstreaming“ und den grün-roten Bildungsplan 2015 zur Förderung der Akzeptanz sexueller Vielfalt zu positionieren.

Schon 1987 erhielt die BZgA vom Bundesministerium für Gesundheit den Auftrag, eine nationale Kampagne zur Aidsprävention zu konzipieren und umzusetzen. Dies war die Geburtsstunde der Kampagne „Gib AIDS keine Chance“.

In Deutschland leben rund 83.400 Menschen mit HIV oder AIDS. Etwa 480 HIV-In­fi­zierte sind 2014 gestorben. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen im Jahr 2014 wird auf 3200 geschätzt und blieb damit gegenüber 2013 unverändert.

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