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AfD AfD-Gäste aus KZ-Gedenkstätte gewiesen

Von der AfD eingeladene Besucher stören in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen das pädagogische Programm und ziehen den Massenmord der Nazis teils in Zweifel. Die Einrichtung lässt sich das nicht bieten.

31.08.2018 15:38
KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen
Eine Besuchergruppe aus dem Wahlkreis von AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel soll mehrfach eine Führung durch die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen gestört haben. Foto: dpa

Die Störung einer Führung in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen durch eine AfD-Besuchergruppe hat scharfe Kritik und Empörung hervorgerufen. Der Vorfall, bei dem auch NS-Verbrechen verharmlost worden sein sollen, sei der zweite Zwischenfall im Zusammenhang mit AfD-Besuchergruppen in der Gedenkstätte in Oranienburg, sagte der Sprecher des brandenburgischen Kulturministeriums, Stephan Breiding, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag in Potsdam. Die Gedenkstätte habe die Führung nach den Störungen abgebrochen, hieß es. Das Kulturministerium ist für die Gedenkstätten in Brandenburg zuständig.

Die Gruppe aus dem Wahlkreis der AfD-Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel am Bodensee habe an einem vom Bundespresseamt finanzierten Besuchsprogramm teilgenommen, hieß es. Aus der Gruppe heraus sei bei dem Gedenkstättenbesuch am 10. Juli eine Führung massiv gestört und unter anderem die Existenz von Gaskammern in Zweifel gezogen worden. Zunächst hatte der Berliner „Tagesspiegel“ (Freitag) unter Berufung auf die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten darüber berichtet.

„Mit solchen Äußerungen sollen nicht nur reaktionäre und rechtsextreme Positionen gesellschaftsfähig gemacht werden“, kritisierte Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD): „Damit werden Millionen von Opfern des NS-Unrechtsregimes verhöhnt und verunglimpft.“

Der Leiter der Gedenkstättenstiftung, Axel Drecoll, sagte am Freitag im RBB-Inforadio, es gebe immer mehr Besucher, die NS-Verbrechen bei Führungen relativieren wollten. Solche revisionistischen Tendenzen seien eine ernste Bedrohung für „unsere Kultur und unsere Gesellschaft“, sagte Drecoll. Dagegen sei ein breiter Konsens nötig.

Auschwitz-Komitee wirft AfD Rechtsextremismus vor

Das Internationale Auschwitz Komitee warf der AfD einen zunehmend offenen Rechtsextremismus vor und forderte eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Der Vorfall in Sachsenhausen zeige, dass antisemitisches und den Holocaust leugnendes Gedankengut in der AfD weit verbreitet sei, erklärte Vizepräsident Christoph Heubner. Der Vorfall sei nicht überraschend, sagte der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, dem Berliner „Tagesspiegel“ (Online). Auch Politiker der AfD hätten bereits mehrfach die NS-Zeit relativiert und Opfer der Schoa verhöhnt.

Die stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung, Ulrike Demmer, sagte am Freitag in Berlin, das Bundespresseamt habe das Problem im Blick und stehe dazu mit den Gedenkstätten im Kontakt. Das Presseamt organisiert und finanziert Informationsfahrten von Abgeordneten. Demnach kann jeder Abgeordnete pro Jahr 50 Bürger zu solchen Fahrten einladen. Der Besuch in der KZ-Gedenkstätte sei von Weidel ausdrücklich gewünscht worden.

Die Polizei ermittle wegen Volksverhetzung gegen unbekannt, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Nord in Neuruppin dem epd. Die AfD versuche bereits seit längerer Zeit, mit gezielten Provokationen Öffentlichkeit zu bekommen, und nutze dazu auch bewusst NS-Gedenkstätten und deren Umgebung, sagte Ministeriumssprecher Breiding: „Es gibt hier eine gezielte Agitation gegen Gedenkstätten.“

AfD-Besuchergruppen sorgen für Zwischenfälle

Über das Programm des Bundespresseamts seien bislang zwei AfD-Besuchergruppen in die Gedenkstätte Sachsenhausen gekommen, sagte Breiding. In beiden Fällen sei es zu Zwischenfällen gekommen. Nach einem Besuch im Juni sei auf Facebook ein Foto aus der KZ-Gedenkstätte benutzt worden, um die Judenverfolgung im Nationalsozialismus zu verharmlosen und diese mit ablehnenden Haltungen gegenüber der AfD gleichzusetzen. Der zweite Fall sei die Störung der Gedenkstättenführung im Juli gewesen.

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende von ihnen wurden ermordet oder starben auf andere Weise. 1942 wurde dort eine Vernichtungsanlage mit Krematorium, Genickschussanlage und später eingebauter Gaskammer errichtet. (epd/dpa)

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