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Ägypten Schatten über dem Badeparadies

Nach dem Attentat im ägyptischen Badeort Hurghada gibt es Zweifel an den Angaben des Tourismusministers. Hinweise deuten auf eine terroristisch motivierte Tat hin. Zu dem Anschlag hat sich bisher allerdings keine Organisation bekannt.

Der Tatort: das Bella Vista Hotel in Hurghada. Foto: REUTERS

War es ein geplanter Terroranschlag – oder die Tat von zwei wirren Einzelgängern? Bisher hat sich keine Terrororganisation zu der Bluttat von Hurghada bekannt. Und so versuchte Ägyptens Tourismusminister Hisham Zaazou am Wochenende zu beruhigen. Die Attentäter, die am Freitagabend mit Messern und Schreckschusspistole bewaffnet in das Bella Vista Hotel von Hurghada stürmten und auf die Gäste einstachen, seien Amateure gewesen, sagte er bei einem Blitzbesuch am Roten Meer. Hinter ihnen stecke keine Terrororganisation.

Drei Touristen, ein älteres österreichisches Ehepaar und ein 27-jähriger Schwede, wurden durch Stichwunden verletzt. Sie sind inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen. Die Polizei erschoss einen der Attentäter, einen 21-jährigen Studenten aus Kairo, der andere wurde schwer verletzt. Der ganze Überfall habe lediglich vier Minuten gedauert, erklärte das Hotel-Management auf seiner Facebook-Seite.

An dieser offiziellen Version jedoch gibt es Zweifel. Ein norwegischer Gast des Vier-Sterne-Hotels will von seinem Zimmerbalkon aus beobachtet haben, dass die Täter auf der Straße eine IS-Flagge schwenkten. Ein Angestellter erklärte gegenüber der BBC, einer der Angreifer hätte „es gibt keinen Gott außer Allah“, gerufen und gedroht, „wir werden diesen Ort in die Luft jagen“. Der getötete Student habe einen Sprengstoffgürtel getragen, sagte ein pensionierter Armeeoffizier der Nachrichtenagentur AP, der nahe dem Hotel wohnt und sofort zum Attentatsort gerannt war. Ein Twitter-Foto zeigt angeblich die schwarz-weiße Fahne zusammen mit einem Gürtel, in dem drei miteinander verdrahtete runde Metalldosen stecken.

Rückschlag für Tourismus

Mit der Messerattacke am Freitagabend erlebte nun auch das dem Sinai gegenüberliegende Feriengebiet des Roten Meeres die erste schwere Gewalttat gegen Touristen. Dieser Teil der ägyptischen Badeküste mit seinen beliebten Stränden und malerischen Tauchriffen galt bisher als sicher und als letzter noch einigermaßen funktionierender Sektor der ägyptischen Ferienindustrie. In den vergangenen Wochen waren die Sicherheitsvorkehrungen für die Badeorte entlang der Küste verstärkt worden. Soldaten und Hubschrauber patrouillieren an den Stränden, Zivilpolizisten achten darauf, dass sich niemand von See her nähert.

Erst am vergangenen Donnerstag hatten in Kairo maskierte Männer vor dem Three Pyramids Hotel nahe den Pyramiden auf den Bus einer Reisegruppe aus Israel das Feuer eröffnet. Von den 46 arabischen Israelis wurde niemand verletzt, lediglich ein paar Scheiben gingen zu Bruch. In einer Internetbotschaft erklärte der ägyptische Ableger des „Islamischen Staates“ tags darauf, ihre Kämpfer hätten den Angriff auf den „Touristenbus mit Juden“ verübt als Antwort auf den Aufruf von IS-Chef Abu Bakr Al-Baghdadi, „Juden zu töten, wo immer ihr sie findet“.

Für Ägyptens notleidende Tourismus-Industrie sind beide Vorfälle weitere empfindliche Rückschläge, auch wenn die europäischen Reiseländer bisher noch nicht entschieden haben, ob sie ihre Reisewarnungen verschärfen. Das Auswärtige Amt jedoch mahnte auf seiner Internetseite zur Vorsicht: „Reisenden wird geraten, sich in Hurghada selbst umsichtig zu verhalten, auf Ausflüge vorläufig zu verzichten und sich über diese Reise- und Sicherheitshinweise sowie die Medien informiert zu halten.

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