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Adoptionsrecht für Homo-Paare Nicht von schlechteren Eltern

Gleiches Recht für alle: Bundesjustizministerin Zypries will homosexuellen Paaren das Adoptieren erleichtern. Von Steffen Hebestreit

Auch schwule und lesbische Paare sollten das volle Adoptionsrecht erhalten, findet Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Foto: dpa

Berlin. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) will gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption erleichtern. Die SPD-Politikerin fühlt sich dabei durch eine neue Studie bestärkt, die feststellt, dass nicht die sexuelle Orientierung der Eltern entscheidend ist für das Kindswohl, sondern wie gut die Beziehung zwischen Eltern und Kind ist.

Sollen nach diesen Plänen alle homo- sexuellen Paare das Recht erhalten, ein Kind zu adoptieren?

Alle Paare, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, sollen nach den Wünschen der Bundesjustizministerin die Möglichkeit erhalten, ein Kind zu adoptieren. Zypries folgt damit ihrer grundsätzlichen Linie, die sie, sehr zum Ärger von Familienpolitikern der Union, seit Jahren vertritt: "Familie ist dort, wo Kinder sind."

Dürfen Schwule und Lesben bisher denn keine Kinder adoptieren?

Nach geltendem Recht darf bei gleichgeschlechtlichen Paaren stets nur ein Partner ein Kind adoptieren. Der andere Partner erhält bislang lediglich das "kleine Sorgerecht", das ihm den täglichen Umgang mit dem Kind erleichtert und es ihm erlaubt, das Kind vom Kindergarten abzuholen oder es zum Arzt oder ins Krankenhaus zu begleiten.

Wie viele Kinder in Deutschland leben in gleichgeschlechtlichen Familien?

Eine neue Studie der Universität Bamberg geht von etwa 16-000 Kindern aus, die "in Regenbogenfamilien" leben. 2200 von ihnen leben in eingetragenen Lebenspartnerschaften, die es seit 2001 in Deutschland gibt. Knapp die Hälfte der Kinder stammt aus früheren heterosexuellen Beziehungen. Gut 45 Prozent sind aus den "aktuellen Beziehungen hervorgegangen",wie es in der Studie heißt. worunter in der Regel zu verstehen ist, dass lesbische Paare durch künstliche Befruchtung ein Kind gezeugt haben. In Deutschland ist dies nicht möglich, weil die Standesregeln der Ärzte es verbieten. In den Nachbarländer sieht es anders aus. Die Partner haben aber die Möglichkeit, durch die "Stiefkindadoption" diese Kinder aus diesen Beziehungen zu adoptieren so lange der leibliche Vater, so bekannt, keine Einwände dagegen erhebt.

Was unterscheidet Regenbogen- familien von anderen?Das Gros der Regenbogenfamilien sind Ein-Kind-Familien (65 Prozent). Die Eltern haben häufig einen hohen Bildungsgrad, Schulabschluss und oft einen entsprechend gut bezahlten Job. Fast 95 Prozent aller Regenbogenfamilien sind eine lesbische Partnerschaften, was ein Ergebnis des restriktiven Adoptionsrechts ist.

Fehlt den Kindern in solchen Familien nicht ein Rollenvorbild?

Nach Erkenntnissen der Bamberger Studie zeigen die Kinder aus Regenbogenfamilien erstaunlicherweise ausgeprägtere Rollenmuster als die Sprösslinge aus heterosexuellen Ehen. Die Gründe für diesen überraschenden Befund sieht Marina Rupp, Leiterin der Studie, unter anderem darin, dass die "Eltern" sich des Problems des fehlenden Rollenvorbilds sehr bewusst seien und gegensteuerten. Zypries verweist darauf, dass "nach dem Krieg viele Kinder ohne ihren Vater aufwachsen müssen". Diese Kinder seien auch nicht alle in ihrem Rollenverhalten gestört gewesen.

Wie realistisch ist es, dass diese Pläne verwirklicht werden?

Natürlich hängt vieles vom Ausgang der Bundestagswahl an. Ungeachtet aller Forschungsergebnisse weigert sich die Union nicht nur bei diesem, sondern bei einer ganzen Reihe von anderen Fragen, etwa dem Steuerrecht, eingetragene Lebenspartnerschaften der Ehe wirklich gleichzusetzen. Zypries hingegen vertritt die Position, wer gleiche Pflichten hat, müsse auch gleiche Rechte erhalten. Aus heutiger Sicht müsste die Union massiv dazulernen oder es müsste am 27. September zu einem Bündnis ohne CDU/CSU reichen. Schwer zu sagen, welcher Fall wahrscheinlicher ist.

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