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Abschuss von SU-24 Putin droht der Türkei

Nach dem Abschuss eines russischen Jagdbombers über türkischem Gebiet beschuldigt Putin die Türkei, den IS finanziell zu unterstützen. Jetzt droht Russland mit wirtschaftlichen Folgen für die Türkei.

Wladimir Putin spricht von einem „Stoß in den Rücken, den die Komplizen der Terroristen uns zugefügt haben.“ Foto: AFP

Es dauerte eine Weile, bis sich Wladimir Putin zu Wort meldete. Nach dem Abschuss des russischen Jagdbombers in der Türkei vergingen fünf Stunden, in denen Präsidenten-Sprecher Dmitri Peskow Journalisten vertröstete und auch das kreml-gelenkte Fernsehen nicht wusste, in welchem Tonfall es den Zwischenfall präsentieren sollte. Dann aber, beim Empfang des jordanischen Königs in Sotschi, wurde Putin deutlich – und härter hätte er kaum formulieren können. Von einem „Verbrechen“ sprach er und von einem „Stoß in den Rücken, den die Komplizen der Terroristen uns zugefügt haben.“

Das Flugzeug sei einen Kilometer entfernt von der türkischen Grenze abgeschossen worden. „Auf keinen Fall“ habe es eine Gefahr für die Türkei dargestellt. Vielmehr hätten die russischen Flieger den IS in den Bergen von Nord-Latakia bekämpft – „wo Kämpfer hauptsächlich aus Russland konzentriert sind. Insofern haben sie unmittelbar die Aufgabe erfüllt, Präventivschläge zu führen gegen Terroristen, die jeden Moment nach Russland zurückkehren können.“

Putin beschuldigte die Türkei, den IS finanziell zu stützen. Seit langen flössen Öl und Ölprodukte von dort in die Türkei. „Wenn der IS Dutzende oder Hunderte Millionen, ja Milliarden Dollar mit dem Ölhandel einnimmt, und wenn sie dazu auch noch die Unterstützung der Armee eines ganzen Staates haben – kein Wunder, dass sie dann so unverschämt und frech auftreten“, sagte er.

Schließlich kritisierte Putin, dass die Türkei sich am Dienstag sogleich an die Nato gewandt habe, anstatt den Fall mit Russland zu klären – „als hätten wir ihr Flugzeug abgeschossen, und nicht sie unseres. Wollen die jetzt die Nato in den Dienst des IS stellen?“ Der Vorfall werde „ernsthafte Folgen“ für das Verhältnis zur Türkei haben, die man bisher nicht nur als Nachbarn, sondern als Freund behandelt habe.

Schwierige Gasgeschäfte

Welche Folgen das sein werden, ließ Putin offen. Bisher hatte das russisch-türkische Verhältnis erstaunlich wenig gelitten, obwohl man in Syrien entgegengesetzte Interessen verfolgt, und obwohl die Türkei bereits im Oktober über das Eindringen russischer Flugzeuge in türkischen Luftraum klagte. Damals gab das russische Verteidigungsministerium einen Flugfehler zu und entschuldigte sich für ein Verletzung des Luftraums „über einige Sekunden“.

Sogar auf Russlands Annexion der Krim 2014 hatte die Türkei mild reagiert, obwohl sie sich als Schwarzmeeranrainer wie auch als historischer Schutzherr der Krimtataren hätte herausgefordert fühlen können. Ein Grund für die Milde war die wirtschaftliche Verflechtung durch Gashandel und Touristenströme. Die Türkei deckt 60 Prozent ihres Gasbedarfs aus Russland. Bei seinem Besuch in Ankara im Dezember 2014 offerierte Putin vorteilhafte Konditionen für die geplante Gaspipeline „Turkish Stream“. Es handelte sich dabei um den Versuch, die an EU-Auflagen gescheiterte „South-Stream“-Pipeline in die Türkei umzulenken.

Nikolaj Lewitschew, Vizesprecher der Duma, schlug am Dienstag sogleich einen Abbruch der Flugverbindungen in die Türkei vor, so wie dies nach dem Absturz eines Verkehrsfliegers über dem Sinai mit Ägypten gemacht wurde. Das würde die türkische Ferienindustrie treffen. Auch der Fernsehmoderator Dmitri Kisseljow forderte seine Landsleute auf, ihre Urlaube in der Türkei abzubrechen.

Außenminister Sergej Lawrow sagte seinen für Mittwoch geplanten Besuch in Istanbul ab; er hatte dort über das „Turkish Stream“-Projekt sprechen wollen, das bislang nicht recht vorankommt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

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