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11. September 2001 Saudis sollen 9/11 finanziert haben

Der US-Politiker Bob Graham hat Einblick in einen geheimen Bericht zu 9/11. Im Interview mit ARD-„Monitor“ deutet er an, was auf den geschwärzten Seiten steht.

02.06.2016 18:22
Felix Firme
A man takes a photo at the 9/11 Memorial and Museum near the Tribute in Light in Lower Manhattan, New York
A man takes a photo at the 9/11 Memorial and Museum near the Tribute in Light in Lower Manhattan, New York, September 9, 2015. The Tribute in Light is an installation lit annually for the anniversary of the 9/11 terrorist attacks. REUTERS/Andrew Kelly - RTSEDW n Foto: © Andrew Kelly / Reuters (X02844)

Es gibt nur wenige Weltereignisse der jüngeren Geschichte, um die sich so viele Legenden ranken wie um die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001. Unzählige Theorien über Ablauf, Planung und Hintermänner schwirren im Netz. Der Grund für die Spekulationen sind zahlreiche Ungereimtheiten, aber auch die Geheimniskrämerei rund um den Anschlag spielt dabei eine Rolle. Eines der Geheimnisse hat nun Bob Graham, Mitglied der US-Demokraten, in einem Interview mit dem WDR-Magazin „Monitor“ zumindest ansatzweise gelüftet.

Es geht um einen Untersuchungsbericht des US-Repräsentantenhauses und des US-Senats aus dem Jahr 2002. Graham war damals Vorsitzender des Geheimdienstausschusses und hatte einen uneingeschränkten Einblick in die Dokumente. Zwar wurde der Bericht später veröffentlicht, allerdings mit einem 28 Seiten langen komplett geschwärzten Abschnitt. Laut Graham birgt das vom damaligen Präsidenten George W. Bush als geheim eingestufte Kapitel aber brisante Informationen über die Unterstützer des Anschlages.

„Ich bin zur Geheimhaltung verpflichtet und darf nicht über Details sprechen“, stellte Graham gegenüber „Monitor“ klar, „aber ich kann sagen, dass sich die 28 Seiten vor allem um die Frage drehen, wer 9/11 finanzierte, und dass sie sehr stark in Richtung Saudi-Arabien verweisen.“

Nach der offiziellen Version der US-Regierung hätten die 19 Flugzeugentführer allein gehandelt. Doch das ist falsch, behauptet Graham: „Ich glaube, es gab eine systematische Unterstützung für die Leute. Sie sprachen nicht sehr gut Englisch, die meisten lebten nie zuvor in den USA, sie waren nicht sehr gebildet.“

In die systematische Unterstützung soll demnach auch die saudische Regierung, das saudische Ministerium für Islamfragen, sollen saudische Wohltätigkeitsorganisationen verstrickt gewesen sein. Darüber hinaus gehe es auch um „Diplomaten, sowohl im saudischen Konsulat in Los Angeles, als auch an der Botschaft in Washington, und weitere saudische Staatsbürger, die auf die eine oder andere Weise an der Finanzierung der 9/11-Attentäter beteiligt waren“, sagt Graham. „Die Geschichte von 9/11 muss neu geschrieben werden.“

Dies würde der 9/11-Kommission, einem Untersuchungsausschuss von Senat und Repräsentantenhaus, widersprechen, die in ihrem Abschlussbericht darauf hinwies, dass es keine Beweise dafür gebe, dass die saudische Regierung oder hochrangige saudische Beamte Al-Kaida finanziert hätten. Graham geht davon aus, dass die brisanten Informationen bis heute unter Verschluss gehalten werden, um keinen diplomatischen Eklat mit dem saudischen Königshaus zu provozieren, einem langjährigen Verbündeten. Auch das Ölgeschäft spielt laut Graham eine Rolle.

Trotz der Geheimhaltung hat sich der diplomatische Konflikt mit Saudi-Arabien erst vor kurzem verschärft. Der US-Senat brachte vor gut zwei Wochen ein Gesetz auf den Weg, dass es ermöglicht, ausländische Staaten und Institutionen sowie Diplomaten, Parlaments- und Regierungsmitglieder zu verklagen, sollten sie an einem Terroranschlag in den Vereinigten Staaten beteiligt gewesen sein. Zwar hat der Entwurf noch nicht das Repräsentantenhaus passiert und müsste am Ende auch von Präsident Barack Obama unterschrieben werden, trotzdem drohten die Saudis bereits  mit Konsequenzen. Sollte der Entwurf Gesetz werden, würde das Königshaus 750 Milliarden US-Dollar, die es derzeit an Wertpapieren und anderem Vermögen in den USA hält, abziehen.

Der Druck kommt anscheinend auch beim Präsidenten an. Obama hatte klar gemacht, dass er das Gesetz stoppen werde. Er warnt vor einem Bumerangeffekt. Wenn US-Bürger ausländische Staaten wegen Terrorismus verklagen könnten, würden dies andere Staaten ebenfalls erlauben. Am Ende könnte die USA selbst auf der Anklagebank in anderen Ländern sitzen.

Ob die 28 Seiten, wie von vielen Politikern gefordert wird, veröffentlicht werden, ist bisher noch offen. Allerdings hat die Obama-Administration bereits angedeutet, dass es bald soweit sein könnte. Bis dahin sind die Informationen weiter unter Verschluss.

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