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Zugunglück in Meerbusch Trotz Signal nicht gebremst

Ermittlungen nach dem Zugunglück von Meerbusch: Dass der Unfall einen verhältnismäßig glimpflichen Ausgang nahm, ist zwei äußerst glücklichen Umständen zu verdanken.

Zugunglück in Meerbusch
Die Bergung der verunglückten Züge in Meerbusch. Foto: dpa

Vor dem schweren Zugunglück von Meerbusch hat der Lokführer des Regional-Express 7 auf dem Weg von Köln nach Krefeld einen Fahrauftrag erhalten, obwohl die Strecke nicht frei war. Das hat die Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen (BEU) in Bonn am Donnerstag bestätigt. „Dieser Fahrauftrag hebt ein Rotsignal auf“, sagte ein Sprecher der Behörde. Normalerweise wird jeder Zug, der ein Rotsignal missachtet, automatisch gebremst. Noch könne keine Aussage darüber getroffen werden, ob der Fahrdienstleiter auf dem Stellwerk einen Fehler gemacht habe.

Der Regional-Express hatte den Neusser Hauptbahnhof am Dienstagabend um 19.28 Uhr verlassen, musste nach wenigen Kilometern vor dem Rotsignal am Abzweig Weißenberg mitten auf der Strecke aber wieder anhalten. Die Freigabe zur Weiterfahrt wurde wenig später erteilt.

Dass der Unfall, bei dem 50 Menschen verletzt wurden, neun von ihnen schwer, einen relativ glimpflichen Ausgang nahm, ist zwei äußerst glücklichen Umständen zu verdanken. Zum einen war der Güterzug, auf den der Regional-Express prallte, nach einem Stopp vor dem Signal zur Einfahrt in den Haltepunkt Meerbusch-Osterath gerade wieder angefahren. Dadurch sei der Aufprall weniger heftig ausgefallen, sagte der BEU-Sprecher. Außerdem waren die Schüttgut-Waggons leer.

Signalstörungen gibt es seit Jahren auf der Strecke

Bahnkreise bestätigten am Donnerstag die Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“, wonach es auf der Strecke zwischen Neuss und Krefeld schon seit Jahren immer wieder zu Signalstörungen und Problemen an Bahnübergängen kommt. Eine offizielle Anfrage ließ die Bahn mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen allerdings unbeantwortet.

Technische Störungen dieser Art werden beim Eisenbahn-Bundesamt dokumentiert. Im Sicherheitsbericht für 2016 spricht der Eisenbahn-Tüv davon, dass die Bahn-Katastrophe von Bad Aibling „sowie einige weitere Ereignisse zeigen, dass dem Faktor Mensch und seinem Wirken im System Eisenbahn verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden muss“. In dem Bericht ist auch von einer „hohen Zahl von überfahrenen Haltesignalen die Rede“. Insgesamt kam es 2016 zu 831 Störungen und Beinahe-Unfällen, in 74 Fällen kam es zur brenzligen Situation, wurde ein „Gefahrenpunkt erreicht“, so die Behörde.

In Bad Aibling waren am 9. Februar 2016 bei einem Zusammenstoß zweier Triebwagen zwölf Menschen getötet und 89 zum Teil schwer verletzt worden. Ein Fahrdienstleiter hatte auf der eingleisigen Strecke einem Zug grünes Licht gegeben, obwohl der andere in Gegenrichtung unterwegs war.

Die Unfallstelle bei Meerbusch wurde im Laufe des Donnerstag geräumt, der Regional-Express mit seinen zwei Zugteilen zum Neusser Güterbahnhof abgeschleppt. Einer der beiden Triebwagen kann wohl repariert werden, der andere ist offenbar schrottreif.

Wann die Strecke zwischen Neuss und Krefeld wieder freigegeben werden kann, ist noch unklar. Nach Angaben der Bahn müssen die Oberleitung, das Gleis und der Unterbau repariert werden.

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