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Zu trocken Kampf ums Wasser in den USA

Eine schlimme Dürre plagt den Süden und Südwesten der USA – und der Wasserbedarf wächst ohnehin. US-Farmern stirbt wegen der Trockenheit das Vieh weg.

Wegen der Trockenheit wissen die Farmer im Südwesten der USA nicht, wie sie ihr Vieh ernähren sollen. Foto: AFP

Lisa Willis laufen die Tränen herunter, während sie zum letzten Mal ihrem Rappen Cisco durch die verfilzte weiße Mähne streicht. Sie liebt dieses Pferd, das sieht man ihr an, doch sie hat keine andere Wahl mehr, als das Tier hier, in einem Asyl in der Nähe des Ortes College Station in Texas abzugeben. Die Rippen scheinen einzeln durch das blass gewordene Fell, Cisco hat kaum mehr die Kraft, aus dem Pferdeanhänger herauszuklettern. Lisa Willis kann ihm seit Monaten nicht mehr genug zu fressen geben.

Die Szene, die in der vergangenen Woche in den Abendnachrichten lief und das Publikum in den ganzen USA anrührte, ist zum Sinnbild der jüngsten Naturkatastrophe des Landes geworden. Es ist eine Katastrophe, die weit weniger spektakulär ist als Fluten, Brände oder Orkane, dafür aber mindestens genauso dramatisch. In 14 Staaten des Südens und Südwestens hat die Regierung den Ausnahmezustand ausgerufen. Der Grund: Durch eine anhaltende Dürre ist die Wasserversorgung bedrohlich knapp geworden und das in der landwirtschaftlich produktivsten Region des Landes.

Dass Farmer wie Lisa Willis deshalb kein Heu mehr haben, um ihre Tiere zu füttern, ist nur eine der sichtbareren Folgen der Dürre für die Menschen in dem betroffenen Gürtel, der sich mittlerweile rund dreieinhalbtausend Kilometer weit von Florida bis nach Arizona zieht. Die Wasserknappheit, die sich schon im Herbst anbahnte und die nun in der extremen Sommerhitze eskaliert, bedroht die Lebensgrundlage von Millionen Menschen in der Gegend.

Wasserversorgung nicht für heutigen Bedarf ausgelegt

In Texas und Arizona, der klassischen Heimat des Cowboys, müssen ganze Viehherden verkauft und notgeschlachtet werden, weil die Rancher sie nicht mehr ernähren können. Der Preis für Rindfleisch wird deshalb in den kommenden Wochen dramatisch sinken, danach jedoch wohl dauerhaft ansteigen.

Texas hat schon jetzt ein Drittel seiner Weizenernte verloren. Den Baumwoll-, Reis- und Maisbauern in Georgia, Florida und Mississippi geht es nicht viel besser. Dabei hat der Sommer gerade erst begonnen. Und vor September erwarten die Meteorologen keine Regenfälle, die echte Erleichterung bringen.

Bislang hat es in der Region in diesem Jahr weniger als ein Drittel des Niederschlags einer durchschnittlichen Saison gegeben. Das Wettersystem „La Niña“, eine anormale Abkühlung im pazifischen Ozean, hat die Regenzufuhr aus dem Süden abgeschnitten. Hinzu kam eine frühe Hitzewelle, die schon im Juni anhaltende Temperaturen von mehr als 40 Grad gebracht hat.

Die Natur ist nicht allein für die prekäre Lage verantwortlich. Die Wasserversorgung in der Gegend ist schlicht und einfach nicht mehr für den heutigen Bedarf ausgelegt. Die Bevölkerung urbaner Zentren wie Austin oder Atlanta ist in den vergangenen 30 Jahren explodiert. Der Wasserbedarf von Austin etwa hat sich seit den 70er Jahren verdreifacht. Die ebenso rasant wachsende Landwirtschaft hat das ihre dazu getan, den Pegel von Stauseen wie dem Lake Buchanan, in den der Colorado River in Zentraltexas fließt, um bis zu fünf Meter absinken zu lassen. Schon vor der Dürre war deshalb zwischen den Städten und den ländlichen Gegenden ein regelrechter Kampf ums Wasser ausgebrochen: Die Gemeinden überbieten einander für die Wasserrechte. Jetzt bricht das ohnehin wackelige System zusammen.

Das Problem, das sich jetzt in den Südstaaten drastisch zeigt, ist indes nicht auf diese Region beschränkt. Experten befürchten schon seit Jahren, dass es im Westen jederzeit zu einer ähnlichen Situation kommen kann. Auch in den Staaten Kalifornien, Nevada, Neu-Mexiko und Utah ist die Bevölkerung zu schnell gewachsen, als dass der andere der beiden Colorado Rivers, der alle diese Staaten versorgt, sie noch dauerhaft bedienen kann. Ein Großteil der USA lebt heute scharf am Rande seiner Wasserkapazität.

Farmer im Süden kämpfen ums Überleben

Für die Betroffenen wird die Lage dadurch verschärft, dass die Dürre mitten in die Wirtschaftskrise fällt. Die US-Regierung hat zwar schon 75 Millionen Dollar an Nothilfe für die Landwirte ausgeschüttet; das reicht bei weitem nicht. Mehr Mittel aber sind kaum zu erwarten in Zeiten, in denen Washington gerade den Haushalt drastisch zusammenstreicht.

Viele befürchten deshalb eine ähnliche Situation wie in den 30er und 40er Jahren, als in derselben Region die gleiche Kombination aus Dürre und Wirtschaftskrise eine Hungersnot auslöste. Bauern flohen zu Hunderttausenden und versuchten sich als Wanderarbeiter auf den kalifornischen Obstplantagen durchzuschlagen. Der berühmte Roman „Grapes of Wrath“ (deutsch: „Früchte des Zorns“) von John Steinbeck kündet vom Elend dieser Leute.

Ihre Lage besserte sich schließlich durch massive Hilfsprogramme aus Washington, die auch zum Wiederaufblühen der Region führten. Beim derzeitigen politischen Klima in Washington ist eine solche Intervention jedoch kaum zu erwarten. Für die Farmer im Süden hat ein gnadenloser Überlebenskampf begonnen.

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