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Zara Modischer Kolonialismus?

Der Textilriese Zara verkauft einen Wickelrock, der Asien-Urlaubern verdächtig bekannt vorkommt.

Rangun
Das Original. Foto: dpa

Was ist nur mit den Modeketten los? Nicht mal einen Monat ist es her, da haben die Schweden mit dem roten Logo den Zorn der Kunden auf sich gezogen. Auf einem Foto von H&M trug ein schwarzes Kindermodel einen Pulli mit dem Aufdruck „Coolest monkey in the jungle“ („Coolster Affe des Dschungels“) und im Internet wurden Rassismus-Vorwürfe laut. Jetzt ziehen die Spanier nach: Der Textilriese Zara verkauft derzeit einen Wickelrock, der Asien-Urlaubern verdächtig bekannt vorkommt.

„Uniform des Thai-Opas“

Der schwarzbraune Rock sieht ziemlich genau so aus, wie der traditionelle Lungi, der in vielen südostasiatischen Ländern vor allem von älteren Männern getragen wird. In Thailand, Kambodscha, Myanmar oder Bangladesch lacht man nun über die verschlungene Kopie. Beziehungsweise über die ahnungslosen jugendlichen Westler, die bereit sind 59,95 Euro dafür zu blechen: Auf asiatischen Märkten zahlt niemand für das als „Uniform des Thai-Opas“ bekannte Teil mehr als ein Zehntel des Preises. Zumal die Zara-Version anders als die naturfaserigen Originale natürlich aus knisterndem Polyester besteht.

Zara stößt mit seinem Rock aber auch eine ernstere Debatte erneut an. Als kulturelle Aneignung oder „Fashion-Kolonialismus“ werden immer häufiger westliche Modekollektionen bezeichnet, die sich ästhetisch anderer Kulturkreise bedienen. 

Die Kritik: Durch das Nutzen von Traditionen, Produkten und Stilen nicht-westlicher Kulturen stilisieren privilegierte Weiße einmal mehr eine Überlegenheit. Die These ist umstritten und in Anbetracht einer globalisierten Welt auch ein bisschen Quatsch. Dass es Zara aber nicht mal schafft, den Lungi auch als Lungi zu verkaufen, sondern nur als „Midirock mit Karos“, ist schade. „Das ist kein karierter Rock, das ist ein LUNGI. Warum nennt Ihr das Ding nicht so, wie es heißt?“, fragt denn auch eine erboste Twitter-Nutzerin.

Auch blöd: Immer wieder stehen die Arbeitsbedingungen in Produktionsstätten westlicher Modeketten in der Kritik, die vorwiegend außerhalb Europas produzieren lassen – in Ländern wie Bangladesch und Myanmar. Da also, wo ein Lungi nicht mehr als sechs Euro kostet und quasi niemand 59,95 Euro für einen „Midirock mit Karos“ übrig hat. Zynismus liegt wohl voll im Trend.

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