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Wolfsbestand Wölfe „mit der Waffe“ verteidigen?

Gefahr oder Chance für den Tourismus? Die Debatte über die grauen Räuber wird schärfer. Doch wie viele Wölfe derzeit tatsächlich in Deutschland unterwegs sind, ist unklar.

"Wolfsfreie Zonen" im Stadland
„Die Einschläge kommen näher.“: Jäger und Landwirte machen mobil gegen Wölfe. Foto: dpa

Auf einem Feld in Bonstorf in Ostniedersachsen: Im Frühjahr findet ein Bauer einen toten Wolf. Eine junge Wölfin, wie sich nun nach Untersuchungen des Kadavers herausgestellt hat. Erschossen mit Schrotmunition. Die Polizei ermittelt. Schon der zweite illegal geschossene Wolf dieses Jahr in Niedersachsen, teilt das dortige Wolfsbüro mit. Seit 2003 sind es schon sechs.

Vergangenes Wochenende in der Wesermarsch: Mehr als 300 Bauern demonstrieren in Stadland gegen eine ungehinderte Ausbreitung des Wolfes in den nördlichen Weidelandschaften. Wölfe in der Küstenregion seien unvereinbar mit Weidehaltung, sagt ein Redner des Kreislandvolks. Wie sollten Deiche gepflegt und geschützt werden, wenn die dazu nötigen Schafe ständig bedroht seien? Wolfsfreie Zonen müssten her.

Heftige Debatte entbrannt

In Niedersachsen (und nicht nur dort) ist längst eine heftige Debatte darüber entbrannt, wie es weitergehen soll mit den bislang streng geschützten Wölfen, die sich seit rund 15 Jahren wieder ansiedeln zwischen Harz und Ostfriesland. Rund 150 Wölfe streifen nach Schätzung der Landesjägerschaft durchs Land: 2013 gab es 16 Angriffe auf Nutzvieh, vergangenes Jahr 144. Soll man Wölfe abschießen? Muss die Zahl begrenzt werden? Geht von ihnen eine Gefahr aus?

Jäger und Landwirte machen mobil, Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hält Abschüsse für notwendig. In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung sagte sie: „Ich bin gegen die Ausbreitung des Wolfes, weil es die Nutztierhalter einschränkt. Wir können dem Wolf nur eine Grenze zeigen, wenn wir auch mal einen entnehmen.“ Es gebe genügend Wölfe. „In Brandenburg hat jetzt ein Wolf ein 100-Kilogramm-Rind im Stall gerissen. Die Einschläge kommen näher. Wir müssen handeln.“

Umweltminister Olaf Lies (SPD) sieht es anders: „Wir wollen konsequent handeln, wenn der Bedarf da ist, aber nicht präventiv.“ Er ist auch dafür, auffällige Tiere notfalls erschießen zu lassen. Aber man müsse auch sicherstellen, dass es genügend Tiere gebe für eine gesicherte Population.

In Brandenburg hat der Streit um den Wolf noch schärfere Tönen angenommen. Der Bauernbund drohte kürzlich damit, dass Landwirte künftig die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen könnten. „Wir lieben unsere Tiere. Es wird Zeit, dass wir sie mit der Waffe in der Hand verteidigen“, forderte der Chef des Bauernbundes, Reinhard Jung.

In Niedersachsen gibt es aber auch andere Ansichten zu Gefahren und Nutzen. Nachdem Agrarministerin Otte-Kinast beklagt hatte, vor allem in der Lüneburger Heide fühlten sich viele touristische Betriebe wie Hofcafés oder Reiter-Pensionen durch die Ausbreitung des Wolfes eingeschränkt, widersprachen ihr Tourismuspraktiker. Es gebe keinerlei Auswirkungen, so der Tourismusverband „Lüneburger Heide“. Die Übernachtungszahlen stiegen sogar weiter, erklärten mehrere Betreiber von Reiterhöfen im NDR. 

Sieben Wolfsrudel leben jetzt angeblich im Bereich zwischen Elbe, Wendland und Heide. In Gartow im Wendland gibt es einen großen Wolfslehrpfad, laut Gemeindedirektor Christian Järnecke eine „weitere touristische Attraktion“. Kenny Kenner, Hotelier und Wolfsberater in Göhrde, meinte im NDR, es gebe positive Effekte: „Ich mache Wolfstouren für meine Gäste, aber auch öffentliche Touren für Menschen, die hier leben. Die sind immer sehr gut ausgebucht.“

Wie viele Wölfe derzeit tatsächlich in Deutschland unterwegs sind, ist unklar. Die Tiere sind in der Regel extrem scheu, nachts unterwegs und schwer zu zählen. Seit 2000 ist der Wolf wieder heimisch. Das erste Paar mit Jungen wurde auf einem Truppenübungsplatz in Ostsachsen entdeckt. Es stammte aus Polen und war über die Neiße gekommen.

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