Lade Inhalte...

Wölfe Schützen oder schießen?

Minister wollen das Schicksal der Wölfe in Deutschland regeln.

Wolf
Dieser Wolf lebt in einem Tierpark. Über Wölfe in freier Wildbahn wird derzeit in der Politik diskutiert. Foto: dpa

In den Wäldern des Landes hat er seit einigen Jahren wieder einen Platz gefunden, während Canis lupus schon seit 1980 ein Platz als „streng geschützte Art“ im Bundnaturschutzgesetz gewährt ist: der Wolf. Außer „im Einzelfall“ (§ 45 Abs. 7), etwa aus „zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art“, ist es damit verboten, Wölfen „nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten“.

Dieser Schutzstatus könnte nun aber fallen, wenn es stimmt, was Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Donnerstag dem NDR gesagt hat: „Wir sind uns einig geworden, dass wir das Bundesnaturschutzgesetz ändern werden.“

Wir – das sind die Spitzenvertreter auf Bundes- und Landesebene, die am Donnerstag in Berlin über den künftigen Umgang mit Deutschlands neuen Waldbewohnern beraten haben. Neben Backhaus nahmen an dem Treffen auch dessen sächsischer Kollege Thomas Schmidt (SPD), Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) an dem Treffen teil.

Und was die beiden Damen im Anschluss vermelden ließen, klang keineswegs nach jener Einigkeit, die Backhaus bei dem Treffen wahrgenommen haben will: „Wir sind noch in Gesprächen“, hieß es unisono aus den beiden Ministerien. Noch im vergangenen Jahr drängte Klöckner in einem Brief an Schulze darauf, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern. Sie forderte darin, dass das Bundnaturschutzgesetz so geändert werde, dass eine „,gemäßigte Bestandsregulierung‘ selbst für streng geschützte Arten“ wie den Wolf möglich sei – und zwar nicht nur für einzelne, besonders auffällige Wölfe, wie dies Schulze bereits zuvor zugesagt hatte. Statt den Schutzstatus jedoch auszuhöhlen, will die SPD vorerst einen besseren Schutz von Nutztierherden auf den Weg bringen.

Auf FR-Anfrage ließ Backhaus derweil mitteilen: „Wir brauchen rechtssichere Lösungen zur Tötung von Wölfen, die Mensch oder gut geschützte Nutztiere gefährden.“ Ähnlich wie Klöckner fordert er, dass die Einzelfall-Regelung in Paragraph 45 Absatz 7 des Bundnaturschutzgesetzes „entsprechend angepasst“ werde. Darüber werde nächste Woche Mittwoch erneut sondiert, hieß es.

Die Naturschutzorganisation WWF warnt in diesem Zuge vor einer „pauschalen Bejagung“. Damit sei Tierhaltern, für die sich Klöckner und Backhaus einsetzen wollten, nicht geholfen, erklärte WWF-Naturschutzleiterin Diana Pretzell. „Sie benötigen gute individuelle Beratung, Geld für geeignete Zäune, angemessene Entschädigung für den Arbeitsaufwand, der beim Herdenschutz durch den Wolf anfällt, passend ausgebildete Herdenschutzhunde und unbürokratische Ausgleichszahlung im Fall von Schäden.“

Entsprechend wertet Pretzell die Maßgabe der SPD-Ministerin „als eindeutiges Bekenntnis zum Wolf in Deutschland“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen