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Wim Hof, der Iceman Cooler geht´s nicht

Sechs Stunden im Eis sitzen ohne zu frieren: Der holländische "Iceman" Wim Hof gibt Wissenschaftlern Rätsel auf - im Juni wollen Forscher ihn genau unter die Lupe nehmen. Von Helmut Hetzel

02.06.2010 13:06
Helmut Hetzel
Wim Hof friert einfach nicht. Warum das so ist, wollen Wissenschaftler nun herausfinden. Foto: Getty

Er heißt Wim Hof, ist aber in der Welt besser bekannt als der Iceman, der Mann, der stundenlang im Eis sitzen und halbnackt am Nordpol spazieren gehen kann, ohne zu frieren. Wim Hof läuft barfuß und nur mit Boxershorts bekleidet bei minus 25 Grad einen halben Marathon in den Weiten Sibiriens. Er setzt sich in eine Wanne mit Eiswürfeln und bleibt darin sechs Stunden lang sitzen. Er bibbert dabei nicht. Er friert nicht. Er scheint völlig immun gegen die Kälte zu sein. Wie macht der Mann das nur?

Das fragen sich nicht nur Zuschauer, die sich über die eiskalten Kapriolen des Wim Hof wundern. Inzwischen sind auch Wissenschaftler interessiert - denn was der coole Niederländer macht, ist eigentlich physisch gar nicht möglich: Nach dem Kenntnisstand der Medizin müsste der Mann schlicht erfrieren.

Tut er aber nicht. Zwei Ärzte von der Radboud-Universität im niederländischen Nimwegen wollten es jetzt genau wissen. Sie checkten den Iceman gründlich durch und machten mit ihm dann zahlreiche Experimente und Tests. Hof musste dafür unter anderem stundenlang in einem Bottich mit Eiswürfeln sitzen. Die Wissenschaftler waren perplex, als sie regelmäßig die Körpertemperatur von Wim Hof maßen. Sie blieb einfach konstant auf 37 Grad Celsius. Keine Anzeichen von Unterkühlung. Auch sein Herzschlag und Blutdruck blieben völlig normal.

"Unglaubliche" Blutwerte

"Es hat ganz den Anschein, als ob Herr Hof sein Immun- und sein Nervensystem beeinflussen könnte. Auch scheint es, als ob er bewusst seine Blutgefäße öffnen und schließen könnte. Anders ist dieses Phänomen nicht erklärbar", meint die Physiologin Maria Hopman. Ihr Kollege, der Internist Mihai Netea, der dem Iceman Blut abnahm und es sechs Tage lang im Labor untersuchte, stellte fest: ,,Es ist unglaublich, aber die Blutzellen von Wim Hof reagieren auch nach sechs Tagen noch völlig anders als normale Blutzellen."

Was sagt Wim Hof selbst zu seiner Frost-Resistenz? "Ich habe das alles trainiert. Der Mensch kann über seine Willenskraft viel mehr erreichen, als wir denken", erklärte er vor wenigen Tagen in einer Talkshow des holländischen Senders EO.

"Es geht mir nicht darum, seltsame Eiskapriolen zu machen", sagt Hof. Er setzt sich Ziele in an z anderen Regionen: "Ich will der Menschheit helfen und beweisen, dass wir unser Immunsystem beeinflussen können. Dann werden wir in Zukunft alle weniger oft krank."

Sein großes Geheimnis, wie er angeblich seine Blutgefäße und sein Immunsystem beeinflussen kann, will der frostresistente Niederländer vorerst nicht verraten. Er hat aber zugestimmt, dass schon im Juni an der Uniklinik in Nimwegen eine neue Versuchsreihe mit ihm gestartet wird. Dann muss er wahrscheinlich wieder in einem Kühlraum bei tiefen Minustemperaturen ausharren oder wieder stundenlang in einem mit Eiswürfeln gefüllten Bottich sitzen. Am Körper allerlei Messgeräte, die an seinem bis auf eine Unterhose fast nackten Körper Fuß befestigt werden und alles messen sollen, was bei Wim Hof im Körper vor sich geht. Vielleicht kann das Rätsel seiner Widerstandskraft dann entschlüsselt werden.

Des Rätsels Lösung könnte eine psychosomatische Komponente haben. Einerseits besitzt Hofs Körper vielleicht schon von Geburt an eine außergewöhnliche Kälte-Resistenz, ist genetisch anders programmiert als die meisten seiner fröstelnden Mitmenschen. Andererseits ist der 51-jährige, athletische Niederländer einer der wenigen Westeuropäer, der die asiatische Tummo-Meditationstechnik beherrscht. Hof hat sie bei buddhistischen Mönchen in Tibet erlernt. Es wird behauptet, dass man mit Hilfe dieser Technik den Körper aufheizen könne.

In Shorts durch den Himalaya

Wie auch immer er es schafft: Der niederländische Iceman stellte schon zahlreiche Rekorde auf, die ins Guinnessbuch der Rekorde eingetragen wurden. So kletterte er im Jahr 2007 in 7400 Meter Höhe in die eisigen Gebirgshöhen des Mount Everest - bekleidet mit Shorts und Sandalen.

Den Gipfel hat er damals allerdings nicht erreicht. Das gelang dem Iceman dafür in Tansania. Dort bezwang er im gleichen luftigen Outfit im vergangenen Jahr Afrikas höchsten Berg, den 5892 Meter hohen Kilimandscharo. Auf dem Gipfel mit seiner einzigartigen Schneekuppe zeigte das Thermometer damals minus 15 Grad Celsius.

Das Risiko solcher Demonstrationen schätzt aber auch der Rekordmann Hof nicht immer richtig ein. In Lappland ging er bei minus 20 Grad unter dem Polareis schwimmen. Es wurden zwei Löcher mit einem Abstand von 100 Metern für ihn ins Eis geschlagen. Der Iceman sprang in eines der beiden Löcher und wollte unter dem Eis zum anderen Loch schwimmen, um dort wieder herauszuklettern. Das ging fast schief: Er hatte vorher berechnet, dass er für die 100 Meter unter dem Eis exakt 42 Brustschwimmschläge benötigen würde. "Das hat auch geklappt. Aber ich bin schief geschwommen, habe die Orientierung verloren und habe das andere Loch im Eis nicht finden können." Plötzlich spürte er eine Hand an seinem Fuß: "Ein Taucher hat mir damals das Leben gerettet."

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