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Weinprobe Ist es jetzt spät genug für Spätburgunder?

Französische Weine gelten gemeinhin als die besten der Welt. Doch so wie vor über 30 Jahren bei einer Weinprobe kalifornische Cabernet Sauvignons französische Bordeaux übertrafen, liefen jüngst deutsche Spätburgunder den geschätzten Pinot Noirs aus dem Nachbarland den Rang ab.

28.01.2012 19:40
Romana Echensperger
Weinexpertin Romana Echensperger lobt deutsche Spätburgunder Foto: Max Grönert

Französische Weine gelten gemeinhin als die besten der Welt. Doch so wie vor über 30 Jahren bei einer Weinprobe kalifornische Cabernet Sauvignons französische Bordeaux übertrafen, liefen jüngst deutsche Spätburgunder den geschätzten Pinot Noirs aus dem Nachbarland den Rang ab.

Es gibt Weinverkostungen, die weltweit für Aufsehen sorgen und das Image ganzer Weinregionen entscheidend verändern können. Ein Beispiel ist die als „Judgement of Paris“ bekannt gewordene Weinprobe von 1976, bei der kalifornische Cabernet Sauvignons französische Bordeaux in den Schatten stellten. Der Hype, der darauf folgte, machte aus belächelten Quereinsteigern anerkannte Winzer und beflügelte den kalifornischen Weinbau.

Eine Verkostung in London im vergangenen Oktober hat nun etwas Ähnliches bewirkt. In einer verdeckten Probe verglichen Weinjournalisten deutsche Spätburgunder – oder Pinot Noir, wie die rote Rebsorte in Frankreich genannt wird – mit anderen internationalen Top-Burgundern. Dabei verblüffte der sonst so verschmähte deutsche Rotwein die Kritiker. Gleich sieben der zehn besten Pinot Noirs kamen aus Deutschland – eine Sensation!

Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg gewesen. Zum einen waren bei uns die Weinberge großflächig mit ertragreichen Spätburgunderzüchtungen bepflanzt. Diese bringen besonders große Beeren hervor, was bei dieser dünnschaligen Rebsorte eine Katastrophe ist. Denn große, dünnschalige Beeren, die dicht beieinandersitzen, sind ziemlich anfällig für Fäulnis. Aromen und Tannin sitzen aber in der Schale, weshalb man mit großen Trauben zwar viel Saftausbeute hat, aber wenig Substanz, um einen anständigen Wein zu erzeugen. So ist es nicht verwunderlich, dass deutscher Rotwein lange nicht ernst genommen wurde.

Deutsche Winzer-Fortbildung im Burgund

Dann gab es einige ehrgeizige Winzer, die Studienreisen ins Burgund unternahmen, dessen Weine weltweit als Stilvorbild gelten und dessen Winzer viel Erfahrung mit dieser Rebsorte haben. Die deutschen Winzer investierten in Neupflanzungen mit kleinbeerigen Qualitätszüchtungen und lernten aus ihren Fehlern im Weinkeller. Zunächst wurde der französische Stil kopiert, mit wachsendem Selbstvertrauen brachten sie aber bald ihre eigene Interpretation des Pinot Noir in die Flasche.

Nicht mehr nur die teuren Topweine überzeugen. Die Qualität des deutschen Spätburgunders ist auf breiter Ebene lobenswert. Es ist diese charakterstarke Vielfalt des deutschen Pinot Noir, die internationale Weinkritiker bei der Probe im Oktober so verblüffte. Ob dieses Tasting als „Judgement of London“ in die Geschichte eingehen wird, bleibt abzuwarten. Verdient hätte es die deutsche Rotweinelite.

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