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Weihnachten Was Christen in aller Welt essen

Egal wo – die große Frage an Heiligabend ist noch vor der Neugier auf die Geschenke: Was gibt es zu essen? Die FR-Korrespondenten haben Rezepte gesammelt.

22.12.2016 16:59
Gegessen wird überall gerne, zumal zu Weihnachten. Foto: istock

Wir beginnen unsere Reise in Bethlehem. Dort sind gerillte Koteletts angesagt: „Was wir an Weihnachten essen?“ Die Stimme eines palästinensischen Bekannten am Telefon klingt ratlos. Da muss er erstmal die Großmutter fragen als Expertin für arabische Tradition. „Tata“ ruft er ins Wohnzimmer, „kennst du ein typisches Weihnachtsgericht?“ „Na wir grillen wie jedes Jahr“, ertönt es im Hintergrund. Das möchte der Sohn des Hauses nun doch etwas näher erklären. „Bei uns“, sagt er, „ist es nicht so wie bei euch in Deutschland, wo abgezählte Gäste an einer festlich gedeckten Tafel Platz nehmen.“ Seine Familie ist groß. Wer weiß, wie viele Verwandte und Freunde an Heiligabend vorbeischauen. Ein Barbecue ohne feste Sitzordnung sei da genau das Richtige.

Hauptsache es ist genug Fleisch da – viel Lamm, viel Schwein und jede Menge frische Würste vom Metzger aus Beit Dschala, einem christlichen Dorf bei Bethlehem, der für seine unwiderstehliche, nach Thymian duftende und in Naturdarm gestopfte Hackfleischmixtur berühmt ist. Unverzichtbar sind natürlich auch die arabischen Vorspeisen. Schalen voller Hummus, Taboulé (Hirse gemischt mit Petersilie) und Baba Ghanush (Auberginenmus), aus denen sich jeder nach Belieben bedient.

Allzu besinnlich geht es bei palästinensischen Christen an Weihnachten nicht zu. Es ist schließlich ein Freudenfest und in ganz Bethlehem ist an Heiligabend Party-Time angesagt. Ob daheim, auf der Straße oder in Restaurants. Wer die stille Nacht sucht, ist auf dem Hirtenfeld am Rande der Geburtsstadt Christi richtig. Aber anschließend sollte man unbedingt bei Abu Schanab einkehren, dem Meister auf Holzkohle gegrillter Lammkoteletts.

Das Rezept für Baba Ghanush gelingt auch Anfängern: Eine Aubergine samt Schaft kommt eine gute Stunde auf den Rost. Danach wird sie aufgeschlitzt und das Fruchtfleisch mit einem Löffel rausgeholt. Olivenöl, Knoblauch, gehackte Pfefferschote und Petersilie zugeben. Sesampaste mit Zitrone und etwas Wasser glattrühren und mit dem Auberginenbrei vermengen. Schmeckt lauwarm wie kalt. (Inge Günther)

Polen: Immer einen Teller mehr

Sobald der erste Stern am Himmel zu sehen ist, beginnt er, der polnische Heiligabend, Wigilia. Auf den Tisch kommen traditionell zwölf Gerichte. Ohne Fleisch! Es gibt, na klar, Karpfen, es gibt Sauerkraut mit Pilzen, es gibt eingelegte Heringe, Lebkuchen, Mohnküchlein, Kompott aus Trockenfrüchten. Und es gibt die Weihnachtssuppe schlechthin: „Barszcz z uszkami“, eine Rote-Beete-Suppe mit den sogenannten „Öhrchen“, kleinen, mit trockenen Pilzen gefüllten Teigtaschen.

Die Zutaten für den Barszcz: 1 kg Rote Beete, 6 Pimentkörner, 1/2 Bund Suppengrün, 4 EL Zitronensaft, Prise Salz, Prise Zucker, 2 Liter Wasser.

Die Zubereitung: Das Wasser zum Kochen bringen, das Suppengrün unzerkleinert in einen Topf geben, die Rote Beete schälen und in ein Zentimeter dicken Scheiben samt Pimentkörnern ebenfalls in den Topf tun. Das Ganze solange kochen, bis die Rote Beete weich und die Suppe kräftig rot gefärbt ist (etwa 45 Minuten).

Danach Zitronensaft hinzugeben und die Suppe mit Salz und Zucker abschmecken. Für die Teigtaschen 200 Gramm Mehl mit einem Ei, 75 ml Wasser und einer Prise Salz zu einem glatten Teig verrühren und zugedeckt 30 Minuten ruhen lassen. Dazwischen 200 Gramm Pilze (Champignons und Steinpilze) sowie eine Zwiebel fein würfeln und in einer Pfanne mit Butter andünsten. Abkühlen lassen, mit einem Ei verrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Aus dem Teig fünf Zentimeter große Kreise ausstechen, die Füllung hineintun, Teigtaschen formen und sie zum Schluss in die Suppe geben. Sobald sie oben schwimmen, ist diese fertig. Und nicht vergessen: Immer ein Gedeck mehr auf den Tisch stellen als Gäste da sind. Es könnte schließlich jemand ganz unerwartet vorbeikommen. So denken die Polen und wollen diesem Überraschungsgast ihre Köstlichkeiten natürlich nicht vorenthalten. (Inna Hartwich)

Ägypten: Kopten mögen Fatta

Koptische Christen feiern Weihnachten am 7. Januar. Sie folgen – wie alle orthodoxen Christen – in ihrem Kirchenjahr dem julianischen Kalender. 43 Tage vor Weihnachten wird gefastet. Es werden weder Fleisch noch Fisch gegessen und auch keine Milch getrunken.

Am Vorabend des Weihnachtsfestes gehen die Familien um 22 Uhr gemeinsam zum Mitternachtsgottesdienst, der drei, vier oder sogar bis zu fünf Stunden dauern kann.

In den frühen Morgenstunden gibt es dann die Bescherung für die Kinder und das spezielle Weihnachtsessen, Fatta genannt – ein Brotgericht mit Reis, Fleisch und Knoblauch.

Zutaten (für vier Portionen): 600 g Lamm- oder Rindfleisch in Würfel geschnitten, Knochen zum Auskochen, zwei Tassen Reis, 1 Zwiebel, Gewürznelken oder Zimtstangen, 2-3 Knoblauchzehen, 3 EL Butter, 3 EL Essig, 3 EL Olivenöl, 2-3 Fladenbrote, Salz und Pfeffer.

Zubereitung: Die Knochen und das Fleisch in zwei Liter Wasser zum Kochen bringen, salzen und pfeffern. Für zwei Stunden kochen und dabei immer wieder den Schaum abschöpfen. Danach die Zwiebel schälen, vierteln und mit dem Reis sowie den Gewürznelken oder Zimtstangen kochen. Anschließend die Fladenbrote in Würfel schneiden, anschließend im heißem Olivenöl rösten, bis sie braun und knusprig sind.

Anrichten: In einer Auflaufform abwechselnd eine Schicht Brotwürfel und eine Schicht Reis verteilen. Zwiebel, Gewürznelken sowie Zimtstangen vorher entfernen. Die Knochen und das Fleisch aus der Suppe sieben und die Suppe über das Brot und den Reis gießen. Den Knoblauch in dünne Scheiben schneiden und in heißer Butter kurz anbraten, dann mit dem Essig ablöschen. Diese Mischung ebenfalls über Reis und Brot gießen. Anschließend das Fleisch als oberste Schicht auflegen. (Martin Gehlen)

Japan: Japaner essen rot-weiß

Zu Weihnachten muss in Japan alles rot-weiß sein. Am 24. Dezember jedes Jahres trifft sich Kenji, 33 Jahre alt, Angestellter aus Tokio, mit seinen Freunden zu einer „Kurisumasu“-Party, jeweils bei einem von ihnen zu Hause.
Die ganze Gruppe trägt dann Weihnachtsmannkostüme, isst Hähnchenteile von Kentucky Fried Chicken und verputzt zum Nachtisch bergeweise Sahneerdbeertorte. „Logisch, oder?“, sagt Kenji. Schließlich hat KFC ein rot-weißes Logo, so wie der Nikolaus. Auch die Torte ist nach diesem Farbschema ausgewählt.

Deutlich weniger als ein Prozent der japanischen Bevölkerung bekennen sich zum christlichen Glauben. Die wenigen Christen des Landes feiern oft im Kreis der Familie mit einem ganz normalen japanischen Abendessen – die wichtigere Feier kommt auch für sie einige Tage später zum Jahreswechsel, zu dem es allerlei besondere Gerichte gibt, beispielsweise klebrige Reis-Küchlein in klarer Suppe. Viele Christen machen stattdessen einfach den Spaß mit KFC und Erdbeertorte mit. Asiaten lieben eben die Farbe Rot, wenn es ans Feiern geht.

Wann sich die Sache mit KFC und Erdbeertorte und den japanischen Weihnachtsliebhabern durchgesetzt hat, lässt sich heute kaum noch rekonstruieren. Die Verbindung ist aber so deutlich, dass die Auslagen der Konditoreien sich schon in diesen Tagen mit Erdbeer-Sahne-Produkten füllen.

Und auch KFC bereitet sich auf extreme Nachfrage vor: Zwischen dem 23. und dem 25. Dezember verkauft die Hähnchenkette so viel wie sonst in zwei Wochen. Kenji ist jedoch schlau und vermeidet Warteschlangen: Er hat sein „KFC Brathähnchen-Fass“ schon im November vorbestellt. (Finn Mayer Kuckuk)

Südafrika: Hühnchen mit Tschakalaka-Sauce

Selbst am Fest der Liebe und des Friedens gehen schwarze und weiße Christen in der südafrikanischen Regenbogennation noch immer getrennte Wege. Die bleichen Exemplare verzehren zum Geburtstag ihres Erlösers gerne einen Truthahn im Kreis der Kleinfamilie. Ihre dunkleren Mitbürger bevorzugen hingegen größere Ansammlungen von Menschen.

In den Dörfern war es früher Sitte, dass sich benachbarte Familien gegenseitig besuchten, um abwechselnd zu bewirten oder bewirtet zu werden. Mitglieder der größten südafrikanischen Glaubensgemeinschaft, der „Zions“-Kirche, lieben noch größere Menschenmengen: Sie versammeln sich zu Hunderttausenden auf ihrem heiligen Berg „Moria“, um dort drei Tage lang das Christfest zu feiern.

Zu essen gibt es, was man mitgebracht hat und was sich auf einem kleinen Holzkohlegrill braten lässt: Hühnchenschlegel, Boerewors (Bauernwurst) oder ein Stück Rindfleisch (Schweinefleisch ist bei den „Zionisten“ verboten). Dazu wird der übliche, schon zuvor zubereitete Maisbrei sowie Tschakalaka-Sauce (aus Zwiebeln, Tomaten und Chili) gereicht.

Dass sich bei dunkelhäutigen Südafrikanern kein spezielles Weihnachtsmenü herausgebildet hat, bringen Experten damit in Zusammenhang, dass die in weißen Familien tätigen schwarzen Haushälterinnen über Weihnachten gewöhnlich frei bekamen, und deshalb – zum Glück für die wenigen Truthähne des Landes – die europäischen Bräuche nicht lernten. Deshalb wird unter schwarzen Südafrikanern zu Weihnachten auch gerne das traditionelle afrikanische Sorghum-Bier „Umqombothi“ getrunken: Ein höchst nahrhaftes Gebräu, das selbst den Festtagsbraten überflüssig macht.

Hier das Rezept: 2 Kilo Sorghumhirse mit 2 Kilo Maismehl in einen Eimer geben und etwas warmes Wasser hinzufügen. Warten, bis die Mischung zu fermentieren beginnt. Den Eimer mit 20 Liter Wasser füllen und noch einmal über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag die festen Bestandteile mit einem Tuch ausfiltern, den Eimer mit mehr Wasser füllen und zum Kochen bringen. Abkühlen lassen und ein Pfund braunen Zucker sowie zwei Würfel Hefe beigeben. Wenn man es hat, noch einen Liter Chibuku-Bier aus dem Laden zugeben. Um zu testen, ob das Gebräu fertig ist, zündet man ein Stück Papier an und hält es über den Eimer: Erlischt die Flamme, ist das Umqombothi-Bier fertig. Prost und fröhliche Weihnachten! (Johannes Dieterich)

Thailand: Hauptsache scharf

Für die kleine katholische Gemeinde in Thailands früherer Hauptstadt Ayuthaya steht das große Abendessen an Heiligabend längst fest, weil der Speiseplan 2016 genauso aussehen wird wie in den Jahren zuvor: Som Tum (extra scharfer grüner Papaya-Salat), Kai-yang (gebratenes Huhn) Mu Tod (gebratenes Schweinefleisch) und Lab Moo (Scharf gewürztes Schweinegehacktes).

Der Speiseplan erscheint auf den ersten Blick ziemlich lang. Aber Thailands Küche wird durch viele kleine Portionen verschiedener Gerichte geprägt. Hinzu kommt ein weiterer Charakterzug: Das große Abendessen findet in Thailand nach der Christmette am Heiligen Abend nicht im Familienkreis sondern mit der ganzen katholischen Gemeinde in Ayuthaya statt.

In dem südostasiatischen Königreich kennen sich fast alle Katholiken untereinander. Es gibt im ganzen Land rund 292 000 von ihnen (0,46 Prozent der Gesamtbevölkerung in insgesamt zehn Diözesen mit 436 Gemeinden und 660 Pfarrern). Weil die Gemeinden so klein sind, werden beim gemeinsamen Weihnachtsessen gerne auch Gäste eingeladen. Meist sind es Ausländer aus dem Westen, die entweder zufällig oder geplant am Heiligabend in die Christmette kommen. „Für die bereiten wir dann ein Barbecue, Pasta und Steaks“, sagt die 47-jährige Thidarat in Ayuthaya, „Farang-Essen (Essen für Ausländer) eben. Denn unsere thailändischen Gerichte sind sehr scharf mit Chili gewürzt.“ Der Vorteil: Angesichts der durch die Gewürze provozierten Schweißausbrüche kommt an Heiligabend keine Schwermut auf.

Som Tum: 1 grüne Papaya, 2 Tomaten, 50g Schlangenbohnen, 2-3 rote Thai-Chilis, 2 Knoblauchzehen, 2 EL Limettensaft, 2 EL ungesalzene Erdnüsse, 2 EL Fischsauce, 2 EL getrocknete Krabben, 1 EL Palmzucker.

Gai Yang: 3 Hähnchenschenkel, 2 Zehen Knoblauch, 1 TL frischer, fein gehackter Ingwer, 1 TL schwarzer Pfeffer, grob gemahlen, 1 kl. Bund Koriander mit Wurzeln, alles fein gehackt, 1 EL Zucker, 2 EL dunkle Sojasauce, 2 EL Pflanzenöl.

Moo Tod: etwa 200 g Schweinehack, 1 kleines Büschel Koriander, jeweils eine Prise Salz und Pfeffer, Milch, Hackfleischröllchen, 1 Ei, Semmelbrösel, etwas Mehl.

Laab Moo: 500 g Schweinehackfleisch, 10 EL Limettensaft, 3 Thai-Schalotten, 3 Thai-Frühlingszwiebeln, 5 Stängel frische Minze, 2 Stängel Koriandergrün, 3 EL Reisgrieß, 3 EL Fischsauce, 1 EL helle Sojasauce, 3 frische rote thailändische Chilischoten, 1 Prise Palmzucker oder brauner Zucker. (Willi Germund)

Mexiko: Eintopf in Mexiko

Wenn die Azteken schon Weihnachten gefeiert hätten, dann hätte es bei Ihnen Romeritos gegeben. Zumindest geht die Legende, dass dieser typisch mexikanische Weihnachtseintopf der bevorzugte Schmaus der Ureinwohner Mexikos zu dieser Jahreszeit war. Er ist zum einen einfach zuzubereiten, und zum anderen sind die Zutaten leicht zu bekommen. Man isst die Romeritos vor allem in der Hauptstadt Mexiko-Stadt besonders gerne.

Romeritos sind ein grünes langes Gemüse, das dem Rosmarin ähnelt, aber nicht so stark im Geschmack ist. Das ist die Basis für diesen Eintopf. Man kocht die Romeritos fünf Minuten in heißem Wasser.

Parallel erhitzt man eine Hühnerbrühe zusammen mit der typisch mexikanischen Mole-Paste (bestehend aus Schokolade und Kräutern). Dann hebt man die Romeritos unter die Brühe/Paste und gibt darüber frische Shrimps und kleingeschnittenes Nopal. Das ist die Frucht von der Kaktuspflanze. Ist nicht jedermanns Geschmack, aber es ist sehr typisch – und die Mexikaner lieben ihre Nopales. Nach Lust und Laune kommen noch Kartoffeln dazu. Und zur Geschmacksabrundung Mandeln und Sesam. Zu dem Eintopf werden dann oft Tortillas aus Mais gereicht.

Die Romeritos sind sehr beliebt, weil sie anders als der „Pavo“, der Truthahn schnell zuzubereiten sind. Und der Eintopf wärmt in diesen kalten Dezembertagen, in denen im Hochland das Thermometer schon mal nachts bis an den Gefrierpunkt sinken kann. Zudem sind die Romeritos sehr nahrhaft, die Azteken sagten ihnen sogar heilende Wirkung nach. (Klaus Ehringfeld)

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