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Weihnachten „Nussknackis“ fürs Fest

Der Online-Shop der JVA-Werkstätten in NRW boomt vor Weihnachten.

07.12.2018 13:40
JVA Bielefeld-Brackwede
In der Werkstatt der JVA Bielefeld-Brackwede weihnachtet es – bis hoffentlich alles verkauft ist. Foto: F. Stark/EPD

So manchen spielerischen Ritterkampf soll es überstehen, das Holzschwert „Exknastibur“. Der Name erinnert an das magische Schwert „Excalibur“ aus der Artus-Sage und gibt zugleich einen Hinweis auf die Hersteller des Kinderspielzeugs: Insassen der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede produzieren das Schwert, das für neun Euro auf knastladen.de bestellt werden kann. Der Online-Shop der nordrhein-westfälischen JVAs bietet rund 1500 Artikel aus 30 Gefängnissen an und ist bundesweit der größte seiner Art.

In der Werkstatt in Brackwede geben drei Häftlinge in beigefarbener Arbeitskleidung gerade sternförmigen Teelichthaltern aus Holz den letzten Schliff. Auf dem Tisch daneben stapeln sich die für den Versand bestimmten Spielzeug-Schwerter. Bis zu 16 Männer kommen werktags zur Arbeitstherapie. „Wir möchten sie an regelmäßige Arbeit und einen strukturierten Tagesablauf erst einmal gewöhnen“, erläutert der Leiter der Arbeitstherapie, Kai Wiegner. Gelingt das, können die Häftlinge in einen der Eigenbetriebe der JVA wechseln, etwa in die Tischlerei.

„Es wäre nicht gut, den ganzen Tag in der Zelle zu sitzen“, sagt ein Gefangener in der Holzwerkstatt. Stolz zeigt der Mann Weihnachtsdeko-Artikel, an denen er mitgearbeitet hat. Seit zehn Monaten sei er schon dabei, berichtet der 40-Jährige, der vor allem mit Schleifen und Malen beschäftigt ist.

Welche Produkte über den Knastladen im Netz verkauft werden sollen, schlagen die Anstalten der Zentralstelle für Arbeitsverwaltung im Justizvollzug in Castrop-Rauxel vor. Dort ist Bernhard Janßen verantwortlich für die Verwaltung der Webseite: „Wir bieten Produkte von A wie Adventlicht bis Z wie Zeitungsständer.“ Neben jahreszeitlicher Deko und Holzspielzeug wie dem Auto „Renner“ aus Brackwede seien zum Beispiel Büromöbel, Grillgeräte, Vogelhäuser oder Hundeleinen bei den Kunden beliebt. Manche Anstalten haben sich spezialisiert: So kommt Schmuck aus der JVA Hamm, Schuhe werden in Remscheid genäht, Filztaschen stellen Häftlinge in Düsseldorf her.

Als die gemeinsame Online-Plattform der NRW-Gefängnisse vor zehn Jahren an den Start ging, war sie nicht die erste: Niedersachsen war bereits 2001 mit jva-shop.de online gegangen, Sachsen folgte 2005 mit gitterladen.de. Aus Hamburg kommt das Label „Santa Fu“, aus Hessen der Shop „Haftwerk“, aus Bayern „Haftsache“.

In fast allen Bundesländern sind Häftlinge zur Arbeit verpflichtet, sofern sie gesund und nicht schon im Rentenalter sind. „Und sie wollen auch arbeiten“, sagt der Leiter der Arbeitsverwaltung in Bielefeld-Brackwede, Jürgen Henke-Sommer. Er führt eine Warteliste von Bewerbern, da die Anstalt wegen Raumproblemen derzeit nicht genug Arbeitsplätze bieten kann.

Strafgefangene erhalten in den JVA-Betrieben in Nordrhein-Westfalen pro Tag ein Entgelt zwischen 9,87 und 16,44 Euro, von dem sie etwas über die Hälfte als Startkapital für die Zeit nach der Entlassung ansparen müssen. Die Teilnahme an der Arbeitstherapie ist dagegen freiwillig – der Verdienst liegt bei 75  Prozent der Regelsätze.

Die Homepage knastladen.de wird monatlich bis zu 40.000 Mal besucht, laut Administrator Janßen haben sich aktuell 6000 Menschen als Kunden registriert. Im vergangenen Jahr übersprang der Umsatz mit den Knastprodukten erstmals die Fünf-Millionen-Euro-Grenze. Darunter sind auch Aufträge der nordrhein-westfälischen Justiz, die in den JVAs zum Beispiel Büromöbel fertigen lässt. In diesem Jahr erwartet die Zentralstelle Arbeitsverwaltung einen neuen Rekord: Bis Ende September wurde demnach bereits für mehr als vier Millionen Euro eingekauft. Insgesamt nahm das Land durch die Einkaufs-Plattform seit dem Start fast 19 Millionen Euro ein.

Doch beabsichtige die Justiz nicht, mit der Vermarktung der Knast-Produkte Gewinn zu erzielen, sagt Janßen. Man wolle in erster Linie mit Zerrbildern vom Strafvollzug aufräumen und die Bedeutung der Arbeit für die Resozialisierung der Häftlinge unter Beweis stellen. Viele Bürger fänden dies gut und unterstützten durch Käufe diese Aufgabe.

„Was die Inhaftierten her-stellen, ist sinnvoll, wird öffentlich angeboten und Menschen zahlen dafür“, erklärt Henke-Sommer von der JVA Brackwede. „Eine solche Anerkennung für ihre Arbeit erleben viele hier zum ersten Mal.“

Im Online-Shop sei die Suche nach Geschenken vor dem Fest deutlich zu spüren, sagt Janßen. Er lockt etwa mit einem „Nussknacki“ für 5,90 Euro oder „Glücksschwein Borsti“ aus Buche als Glücksbringer für 2019. Der „Strafzeitberechnungskalender“ fürs neue Jahr zählt die Tage sogar abwärts. (Thomas Krüger, epd)

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