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Wattolümpiade in Schlweswig-Holstein Schlammschlacht im Watt

Mehr als 30 Teams kämpfen bei der „Wattolümpiade“ in Brunsbüttel um die Titel. Wattfußball, Wolliball und Schlickschlittenrennen zählen unter anderem zu den Disziplinen des schrägen Turniers. Der Spaß und der gute Zweck stehen bei der Wattolümpiade im Mittelpunkt.

29.07.2012 19:33
Fröhlich im Schlamm - eine Teilnehmerin der Wattolümpiade. Foto: dpa

Knietief im Schlick und richtig dreckig: Bei der „Wattolümpiade“ im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) an der Elbmündung in die Nordsee waren die Rahmenbedingungen am Sonntag gänzlich anders als bei Olympia in London. Unter dem Motto „schmutziger Sport für eine saubere Sache“ traten mehr als 300 sogenannte Wattleten zum laut Veranstaltern „mit Abstand schmutzigsten Sportspektakel der Republik“ in Küstendisziplinen wie Wattfußball, Watthandball und „Wattwolliball“ an. Neu war ein Schlickschlittenrennen.

Doch bevor der Schlamm spritzte, stand die feierliche Eröffnungszeremonie samt Einlauf der insgesamt 34 Teams auf dem Programm, darunter auch eine Mannschaft aus Brunsbüttels tschechischer Partnergemeinde Horni Pocernice. Von den zahlreichen Zuschauern gefeiert liefen die kostümierten Sportler den Deich hinunter. Denn geehrt werden in Brunsbüttel nicht nur Sieger. Preise gibt es auch für das beste Trikot oder die lustigste Mannschaft.

"Wattleten" mit Perücke und Schminke

Hoffnungen machte sich dabei auch das Team „Sixpack Meldorf“, die schon bei der ersten „Wattolümpiade“ 2004 dabei waren. Sie erschienen in aufwendigen Kostümen als Krake, Qualle, Neptun oder Meerjungfrau am Watt. „Meistens sind wir froh, wenn wir die erste Runde überstehen“, sagt Teammitglied Insa Krups. Verkleidet als Rockband KISS lief das Team „Familie Flodder“ aus Brunsbüttel und Mönchengladbach mit schwarzen Perücken, aufblasbaren Gitarren und den klassischen Schminkgesichtern der Band ein.

Wenig später staksten die ersten Wattleten durch den dunklen Schlick zu ihren Spielfeldern und hechteten dem Ball hinterher. Von Minute zu Minute sehen sie immer grauer aus. Bereits nach kurzer Zeit ist bei vielen auch das Gesicht mit Schlamm bedeckt. Wer in der ersten Runde verliert, für den ist die „Wattolümpiade“ bereits nach sieben Minuten vorbei. So lange dauert eine Partie.

Dreckiger Sport für sauberen Zweck

Ein Neuling war das Hamburger Team „Schlammburger Jungs Olé“, die mit Plastikärschen ins Watt zogen. „Der gute Zweck ist das Wichtigste. Dafür wühle ich gerne im Matsch herum“, sagt Spieler Martin Fechner. Mit dem Eintrittsgeld finanziert der Wattolümpiade-Verein unter anderem Beratungsstellen für Krebsbetroffene an den Westküstenkliniken Brunsbüttel und Heide. Mit seinen Aktionen und Veranstaltungen sammelte der Verein in den vergangenen Jahren mehr als 150.000 Euro für wohltätige Zwecke ein.

„Ein wunderbares Fest“, sagt deshalb Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), der das Feuer entzündete. Auf die Idee, selbst als Sportler in den Schlick zu steigen, würde er jedoch nicht kommen. „Ich fürchte, ich würde im Watt versinken bei meinem Gewicht“, sagte er dapd.
Dort kommt es nicht so sehr auf die Technik an. „Die brauchst Du hier nicht“, sagt Wattkampfleiter Oliver Kumbartzky, hauptberuflich Landtagsabgeordneter der FDP. Notwendig sei vor allem Ausdauer. „Mein persönliches Schicksal ist, dass ich bislang nie selbst mitgemacht habe.“ Dass soll sich aber zur zehnten Ausgabe 2014 ändern, dann will er selbst Wattfußball spielen.

Sportliche Fähigkeiten eher begrenzt

„Wichtig ist es, den Gegner in den Griff zu kriegen, ihn auch mal in eine Schlammschlacht zu zwingen, um ihn aus dem Konzept zu bringen“, rät die erfahrene Wattletin Krups. Denn die sportlichen Fähigkeiten des eigenen Teams seien „eher begrenzt“. Allerdings hat ist ihr Team auch schon Gesamtolympiasieger geworden, der beim traditionellen Aal-Staffellauf ermittelt wird.

Strenge Dopingkontrollen wie bei Olympia gibt es an der Nordsee natürlich nicht. Hier geht es nicht um Gold, Silber und Bronze, sondern vor allem um Spaß. Auf die Frage, ob sie denn nüchtern an den Start gingen, antworten die Lokalmatadoren „Chemie Gladiatoren“ aus Brunsbüttel unisono: „Niemals!“. (dapd)

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