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Walter Sommerlath Dunkle Vergangenheit

Ein Buch deckt Verstrickungen von Silvias Vater mit den Nazis auf. Hat die schwedische Königin absichtlich unangenehme Details verschwiegen?

Schwedens Königin Silvia. Foto: REUTERS

Sie sei „erleichtert“, sagte Königin Silvia vor einem Jahr in einer auf der Website des schwedischen Königshauses veröffentlichten Videobotschaft. Da schien eine von ihr in Auftrag gegebene Untersuchung ihren Vater vom Vorwurf zu entlasten, sich in Nazi-Deutschland auf Kosten eines verfolgten Juden bereichert zu haben. Sie habe bei Studien in brasilianischen und deutschen Archiven eine „ganz andere Wahrheit“ entdeckt, eine „denkwürdige und komplexe Geschichte“, wie die Wege zweier Menschen einander kreuzten, und wie „lebensentscheidend“ dies für beide gewesen sei.

Hat die Königin etwas verschwiegen?

Doch nun kritisiert ein neues Buch die Version Silvias über die Nazi-Vergangenheit von Walther Sommerlath als Schönfärberei. Ihr selbst wirft der Autor, der Journalist Johan Åsard, vor, wichtiges Wissen verschwiegen zu haben. Die Königin habe stets betont, wie ahnungslos sie über ihre Familiengeschichte gewesen sei, „meine Eltern sprachen nie mit uns über diese Zeit“, behauptete sie.

In dem Buch „Das Geheimnis der Königin“ berichtet Åsard, dass eine jüdische Frau schon Mitte der achtziger Jahre Silvia darüber informierte, dass Sommerlaths Fabrik in Berlin „arisiertes“ Eigentum eines Juden gewesen sei. Die von Reichsarchivar Erik Norberg durchgeführte Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die Übernahme ein „Tauschgeschäft“ gewesen sei und deutet an, dass dies dem Fabrikeigner Efim Wechsler das Leben rettete: Sommerlath, der von 1925 bis 38 in Brasilien lebte, aber schon 1934 der NSDAP beitrat, habe die Fabrik 1939 erworben. Im Gegenzug habe er Wechsler eine Kaffeeplantage und drei Grundstücke überlassen und ihm die Flucht aus Deutschland ermöglicht.

„Er war ein äußerst korrekter und guter Mann, dem es mit Risiko für sein eigenes Leben gelang, Wechsler zu retten“, schrieb die Königin in Frustration über die „Kampagne“ gegen ihren Vater an den brasilianischen Ex-Präsidenten Fernando Henrique Cardoso. Åsard, der als Redakteur der kritischen TV-Sendung „Kalla Fakta“ (Kalte Fakten) der erste war, der Sommerlaths Rolle im Nazi-Reich aufdeckte, widersprecht nun anhand neuer Dokumente dieser Darstellung.

Fabrik zu Spottpreis gekauft

„Norberg übersieht, dass Wechsler nur ein Fünftel des Werts bekam“, denn die Fabrik sei zumindest 50 000 Reichsmark wert gewesen, Sommerlath aber habe nicht 25 000 Mark bezahlt, wie der Archivar behauptete, sondern nur 10 000. Nicht Sommerlath habe Wechsler zur Flucht verholfen.

Schon zwei Monate vor dem Verkauf habe dieser ein Visum nach Brasilien erhalten. Silvias Vater habe die Fabrik zu einem Spottpreis erworben und dabei Wechslers Not ausgenützt, folgert Åsard. „Die Königin trägt natürlich keine Verantwortung dafür, was ihr Vater während des Krieges tat. Aber es wird ernst, wenn sie und das Königshaus sich hinter eine Geschichtsschreibung stellen, die an Fälschung grenzt“, meint der Journalist, der Silvia auch vorwirft, bisher unbekannte Lobbyarbeit betrieben zu haben, um ihren Vater reinzuwaschen.

Sie dankte nicht nur Cardoso, dass er kritische Politiker zurechtgewiesen habe, sie wandte sich auch an Dutzende Wirtschaftsgrößen in Brasilien und Schweden, um ihr Bild der Geschehnisse zu verbreiten. Der „Machtmensch“ Silvia habe die einzigartigen Kontakte des Königshauses und die Hilfsbereitschaft einflussreicher Personen für ihre Zwecke ausgenützt, kritisiert der sonst sehr monarchiefreundliche Historiker Henrik Arnstad.

„Ich habe nur getan, was alle Kinder für ihre Eltern tun würden: für sie einzutreten, wenn sie sich nicht mehr verteidigen können“, sagte Silvia selbst zu Roger Lundgren, dem Autor eines weiteren Buchs, das im Dezember anlässlich ihres 70.Geburtstags erscheinen soll. Das Wühlen in der Vergangenheit ihres Vaters habe die Königin hart getroffen, sagt Lundgren. Der Sendung „Kalla Fakta“ warf sie „Rufmord“ vor. Vom schwedischen Hof gibt es zu Ågards Buch vorerst keine Stellungnahme. „Das Buch ist noch nicht auf dem Markt, und wir müssen es erst lesen, ehe wir es kommentieren können“, sagt Informationschef Bertil Ternert.

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