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Vivienne Westwood Die Mutter der Punkmode wird 75

Die britische Designerin Vivienne Westwood liebt auch mit 75 Jahren noch die Provokation – und verlagert ihre Protestaktionen auf den Catwalk.

07.04.2016 15:13
40 Jahre Punk, 75 Jahre Vivienne Westwood: Die Modeschöpferin, umarmt von einem ihrer Models, auf der Londoner Fashion Week. Foto: rtr

London zelebriert dieses Jahr die Punkbewegung – 40 Jahre sind seit dem Erscheinen der ersten Sex-Pistols-Single „Anarchy in the UK“ vergangen. Mit Ausstellungen in der renommierten British Library und im Kulturbunker Barbican haben Irokesenfrisuren, Bondage-Klamotten und Sicherheitsnadeln auch die Hochkultur erobert. Kein Wunder, dass sich die Erfinderin der Punkmode schon lange auf andere Provokationen verlegt hat: Die britische Moderebellin Vivienne Westwood demonstriert auf einem weißen Panzer vor David Camerons Haus gegen die umstrittene Fracking-Methode zur Erdgasgewinnung und posiert nackt für Starfotograf Juergen Teller. Am Freitag feiert sie ihren 75. Geburtstag.

Ein bisschen exzentrisch war die Tochter einer Baumwollspinnerin und eines Kolonialwarenhändlers aus der englischen Grafschaft Derbyshire schon immer. Schriftstellerin wollte sie werden, entschloss sich dann aber für eine Ausbildung zur Grundschullehrerin und stimmte sogar für die Tories, die konservative Partei in Großbritannien. Mit 21 Jahren heiratete sie den Flugbegleiter Derek Westwood, der wie sie Rock’n’Roll liebte, und bekam ihr erstes Kind.

Doch drei Jahre später verlor sie ihr Herz an den Kunststudenten Malcolm McLaren, den 2010 verstorbenen Gründer und Manager der Punkband Sex Pistols. Er inspirierte Vivienne Westwood, ihr kleinbürgerliches Hausfrauendasein hinter sich zu lassen und Agitprop-Kleidung zu nähen. Zusammen mit McLaren eröffnete sie 1970 auf der Londoner King’s Road ihre erste Boutique. Schnell entwickelte sich der Laden zum absoluten Trendsetter.

Westwood zog zwei Söhne groß, schuf gleichzeitig Sadomaso-Monturen für die Sex Pistols und inspirierte die Punkmode wie keine Zweite. Auch nach der Trennung von McLaren blieb sie ihrer rebellischen Kreativität treu. Vor allem schräge Schottenkaros und verzerrte Elemente der exaltierten Mode des 18. und 19. Jahrhunderts wurden ihr Markenzeichen – Korsagen, Wespentaillen, Turnüren für voluminöse Hintern.

Anfang der 1990er Jahre legte Westwood auch als Geschäftsfrau richtig los. Schließlich gehörten ihre Catwalks zu den Höhepunkten der London Fashion Week. Die Queen ließ sich zwar nicht modisch von Westwood inspirieren, hielt ihr Werk aber dennoch in Ehren: 1992 wurde sie in den „Order of the British Empire“ aufgenommen. Die Fotografen waren begeistert, als sich dabei während eines ungestümen Windstoßes herausstellte, dass die Modemacherin auf einen Schlüpfer unter ihrem edlen Rock verzichtet hatte. Allzu geschockt kann die Queen nicht gewesen sein – 14 Jahre später machte sie Westwood zur Dame.

Provokationen gehören zwar immer noch zu Vivienne Westwoods Repertoire, doch heute trägt sie ihre Überzeugungen lieber als Parolen auf T-Shirts zur Schau, etwa „I am not a terrorist, please don’t arrest me“ („Ich bin kein Terrorist, bitte verhaften Sie mich nicht“). Ihr Engagement reicht von Protesten gegen Massentourismus auf Kreuzfahrtschiffen bis zum Klimawandel, den sie mit Leidenschaft aufzuhalten versucht. (Uli Hesse, dpa)

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