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Vietnam Nicht im Pyjama an den Strand

Vietnam will die Bademode reglementieren. Einige ausländische Badegäste haben sich über Einheimische in Schlafanzügen beschwert.

Derzeit tragen vor allem Touristen Bikinis und Badehose. Foto: REUTERS

Schlafanzug oder Bikini? Das ist die Frage, die derzeit in Vietnam von den Stadtvätern der Hafenstadt Da Nang mit einem Ernst debattiert wird, der William Shakespeares Hamlet mit seinem Satz „Sein oder Nicht sein, das ist hier die Frage“ in nichts nachsteht. Ngo Quang Vinh machte Kraft seines Amtes als Chef der Abteilung Kultur, Sport und Tourismus den Vorschlag, per Kleidervorschrift Strandbesucherinnen das Tragen von Pyjamas zu verbieten und zweiteilige Bikini als Stranduniform vorzuschreiben.

„Wir haben viele Komplimente für unsere sauberen, wunderbaren und billigen Strände erhalten“, klärte der Funktionär die etwas verwunderten Stadtväter der Kommunistischen Partei Vietnams auf, „aber einige ausländische Gäste haben sich beschwert, dass manche Vietnamesen im Schlafanzug statt Bikinis ins Meer gehen.“

Bequem muss es sein

Da Nangs Strände sind längst nicht mehr so wunderbar wie vor dem städtisch verordneten Bauboom entlang der Küste. Aber angesichts der rund vier Millionen Touristen im Jahr 2014 – etwa 800 000 von ihnen Ausländer – sinnt der Verwaltungsbeamte offenbar auf weiteres Wachstum. Vietnams KP wechselte das Wort kommunistisch ohnehin längst gegen kapitalistisch aus.

Aber Hanoi kümmerte sich bislang wenig um die Bademode. Viele Vietnamesen halten es zudem für völlig normal, ab dem späten Nachmittag in weit geschnittenen und luftigen Pyjamahosen und Hemden vor der Tür zu sitzen. Warum also sollten sie am Strand auf die bequemen Klamotten verzichten? Zumal vor allem ältere Vietnamesen auch heute noch am liebsten in Straßenkleidung ins Meer stiefeln. „Pyjamas sind völlig inakzeptabel“, sagt freilich die 25-jährige Ngyen Mai Anh in Da Nang, „sie kleben am Körper, sehen hässlich und schmutzig aus.“ Die Zeitung „Tuoi Tre News“ in der Stadt Nha Tran beschreibt eine Anekdote, bei dem einem badelustigen Vietnamesen die Schlafanzughose abhanden gekommen sein soll. Sie scheut sich aber vor der Behauptung, dem Mann wäre das mit Bikini nicht passiert.

Glücklicherweise half gesunder Menschenverstand zahlreicher Vietnamesinnen Da Nangs unschlüssigem Volksrat aus der Patsche. „Nicht jeder fühlt sich im Bikini gut“, erklärte ihnen etwa Ngyen Ngoc Dung aus Ho Chi Minh Stadt, „ich trage lieber T-Shirts und kurze Hosen, wenn das nicht zu vergammelt aussieht.“ Die 25-jährige Ngyen Mai Anh wiederum erläuterte, dass es bei Bademoden nicht nur knappe zweiteilige Bikinis gebe: „Es gibt viele Sorten von Badeanzügen.“

So wird Da Nang’s Volksrat die knappen Zwei-Teiler wohl eher nicht zum Bestandteil der Kleiderordnung erheben. Dabei verpasst die Stadt mit dem Verzicht eine Chance: Nirgends sonst auf der Welt wird das Tragen von Bikinis am Strand bislang vorgeschrieben.

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