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Versicherungen Policen gegen Wasser

Der Hochwasserschutz greift in Deutschland.

Unwetter im Saarland
Weggeschwemmtes Auto in Saarbrücken. Foto: dpa

In Deutschland ist es derzeit nicht nur warm sondern mancherorts auch ziemlich nass. Anzeichen dafür, dass es in Kürze wieder so schlimm kommt wie bei den katastrophalen Hochwassern 2002 und 2013 haben die Wetterfrösche des Münchner Assekuranzriesen Munich Re aber nicht. Hilflos stehen Bevölkerung, Firmen und Assekuranz dem Wettergeschehen aber nicht gegenüber, betont Tobias Ellenrieder. „Der technische Schutz gegen Flusshochwasser hat sich in vielen Gefährdungszonen verbessert“, so der Hochwasserexperte der Munich Re. Ein Anstieg von Schäden wegen Erderwärmung und mehr Unwettern sei nicht zwangsläufig.

Schäden werden geringer

Das ist belegbar. Auch 2002 sind deutsche Flüsse massiv über ihre Ufer getreten, teils die selben wie elf Jahre später. Aber die Schäden waren bei vergleichbaren Pegelständen 2013 deutlich geringer. 2002 summierte sich der volkswirtschaftliche Gesamtschaden in Deutschland und angrenzenden Regionen auf 17 Milliarden Euro. Elf Jahre später waren es noch zehn Milliarden Euro.

Blickt man auf Deutschland war sowohl 2002 wie 2013 Dresden massiv betroffen. Dort lässt sich gut ablesen, was Hochwasserschutz bringt, so der Experte. So haben Wohnungsgesellschaften innerhalb der elf Jahre oft Alarmpläne entwickelt, um Tiefgaragen und Elektrik zu schützen. Gleiches gilt für Unternehmen. So war der Betrieb eines in beiden Jahren in Mitleidenschaft gezogenen Wasserwerks 2002 lange 160 Tage unterbrochen. 2013 war es nur noch 18 Tage außer Betrieb. Auch Hausbesitzer haben schutztechnisch vielfach aufgerüstet. Seit 2013 ist der Hochwasserschutz in Deutschland weiter verbessert worden, lobt Munich Re.

Einher geht das mit einer steigenden Versicherungsdichte. Waren 2002 nur knapp ein Fünftel aller deutschen Hausbesitzer gegen Elementarschäden versichert, waren es 2013 ein Drittel. Heute haben hierzulande gut vier von zehn Immobilienbesitzern eine solche Police. 

Für Ellenrieder besteht dennoch weiter eine Versicherungslücke. Zum einen gibt es große regionale Unterschiede. In Bayern sind prozentual gesehen nur halb so viele Hausbesitzer gegen Elementarschäden wie in weiten Teilen Ostdeutschlands versichert. Zum anderen können mittlerweile mehr Gefährdete eine solche Police abschließen. Es gibt heute Angebote für Hochwasserzonen mit der höchsten Gefährdungsstufe.

Selbstlos sind die Warnhinweise der Munich Re nicht. Der Konzern lebt davon, Policen zu verkaufen. Andererseits steigt die Not, sich zu versichern auch, weil sich der Staat teils zurückzieht. So hat Bayern beschlossen, ab Juli 2019 nach Naturkatastrophen keine Soforthilfe mehr zu bezahlen, falls Betroffene auch eine Versicherung hätten kaufen können. Dazu kommt, dass der Klimawandel Extremwetter wie Starkregen mit folgenden Sturzfluten zunehmend begünstigt. Speziell bei Sturzfluten tappen auch Experten im Gegensatz zu bekannten Hochwasserzonen bislang im Dunkeln. Das ändert sich nun.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft hat derzeit mit dem Deutschen Wetterdienst eine Gefährdungszonierung auch für Sturzfluten in Arbeit. Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass es an einem bestimmten Ort zu katastrophalem Regen kommt, kann der zwar nicht vorhersagen. Er wird aber adressgenau klar machen, welche Schadendimension dort droht, falls es dort länger wie aus Kübeln schüttet. Für Gemeinden und Hausbesitzer eine Orientierungshilfe.

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