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Verkehrsunfälle Radar im Auto soll Radler retten

Neue Radarsysteme in Autos sollen die Zahl der Fahrradunfälle reduzieren. Doch Verkehrsexperten reicht das nicht.

Verkehr in Deutschland
Die Zahl der Radfahrer in Deutschland wächst und wächst – nicht nur bei der Berliner Sternfahrt. Foto: epd

Erfunden hatte den Radfahrerschutz bereits vor Jahren der Kasseler Verkehrsprofessor Helmut Holzapfel, allerdings etwas anderer Form. Der Ingenieur und Stadtplaner, selbst ein passionierte Radler, befasst sich seit mehr als 30 Jahren intensiv mit Unfällen und deren Folgen. Er ist vor ein paar Jahren durch die Masterarbeit eines seiner Studenten auf das Problem aufmerksam geworden. Der hatte herausgefunden: Im Schnitt sitzt in jedem 50. parkenden Pkw ein Autofahrer oder Beifahrer, um zum Beispiel das Handy zu benutzen, etwas aus der Hand zu essen, Musik zu hören oder auf Mitfahrer zu warten. In der Nähe von Bahnhöfen oder Einkaufszentren ist der Anteil noch höher. Diese „Langsitzer“ seien für vorbeifahrende Radfahrer besonders gefährlich. Beim Öffnen der Türen sind sie oft nicht mehr aufmerksam, denn den Verkehr haben sie inzwischen aus den Augen verloren.

Todesfälle keine Seltenheit

Doch dieser Unfalltyp, wenn ein Radfahrer in eine sich öffnende Autotür knallt, hat sehr häufig schwere Folgen: Schlüsselbeinbruch, andere Brüche, Hautabschürfungen und schlimme Kopfverletzungen, wenn keine Helm getragen wurde. Und auch Todesfälle wie in Berlin sind nicht selten. Wissenschaftler Holzapfel weist zudem auf eine weitere Gefahr hin: „Radler, die einer plötzlich geöffneten Tür ausweichen, drohen vor andere Fahrzeuge zu geraten.“

Holzapfel hofft, dass sich die Autobauer entscheiden, bald alle Modelle mit dem Radfahrschutz auszurüsten, glaubt aber, dass hier auch der Gesetzgeber tätig werden müsste. „Er sollte die Warnsysteme vorschreiben. Sie kosten wenig, doch der Sicherheitsgewinn ist enorm.“ Vor allem die Radwege, die heute in der Regel auf der Straße links von geparkten Autos entlangführen, seien dann sicherer.

Der Mechanismus funktioniert auch für die Beifahrertür, dadurch wären Radfahrer auch auf der rechten Seite geschützt. Nutzbar ist das Holzapfel-System auch, um das Rechtsabbiegen von Autos, bei dem die Radler sich oft im „toten Winkel“ des Wagenlenkers befinden, sicherer zu machen.

„Auch hier gibt es oft Unfälle, bei denen Velofahrer schwer verletzt werden oder sogar sterben“, sagt der Verkehrsforscher. Bei modernen Lkw gibt es entsprechende Abbiege-Assistenzsysteme bereits.

Holzapfel hält es auch für möglich, vorhandene Pkw für relativ wenig Geld mit moderner Radartechnik nachzurüsten. „Ins Rollen käme das ganze sicher, wenn die Auto-Haftpflichtversicherungen den Einbau der Warnsysteme mit einem Bonus bei der Prämie fördern“, meint er.

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