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Venedig Der Kampf gegen das Wasser

Alle Jahre wieder kämpft Venedig gegen Hochwasser. Ein Schutzdamm-Projekt droht zum Milliardengrab zu werden. Nun soll ein Mini-Dammsystem her - für 30 Millionen Euro.

Venedig Hochwasser
Alle Jahre wieder: Damit die Touristen keine nassen Füße bekommen, baut Venedig seine Passarelle auf. Foto: rtr

In Venedig werden wieder die „Passarelle“ aufgebaut, Holzbänke mit Metallfüßen, zu schmalen Pfaden zusammengesetzt. Auf ihnen können Venezianer und Touristen trockenen Fußes die vom Hochwasser überfluteten „calli“ und „campi“, die Gassen und Plätze durchqueren. Es ist Acqua-Alta-Saison jetzt im Dezember. Die Gegend um den Markusplatz liegt am tiefsten und steht zuerst unter Wasser, wenn zusätzlich zur Gezeiten-Flut ein meteorologisches Tief und der Scirocco-Wind das Adriawasser in die flache Lagune drücken. Im Winter kommt das häufig vor.

Für Touristen, denen Hotels und Pensionen Gummistiefel ausleihen oder die bei fliegenden Händlern quietschgelbe kniehohe Überzieh-Galoschen erwerben können, ist es ein Spaß. Für die Venezianer gehört es zum Alltag, dass ein kleiner Teil ihrer Stadt öfter unter Wasser steht. Sie werden per Sms und Internet auf dem Laufenden gehalten.

Teures Schutzdamm-Projekt in Venedig

Kritisch wird es erst, wenn sich Hochwasser von mehr als 110 Zentimetern über dem Normalpegel ankündigt. Dann gilt „Codice Arancione“, Alarmstufe Orange, und die Acqua-Alta-Sirenen heulen. Geschäftsleute bringen ihre Waren ins Trockene, Häuser und Läden werden mit Barrieren gesichert. Bei solchen Sturmfluten nagt das Salzwasser an vielen jahrhundertealten Häusern, Palästen, Monumenten und Kirchen, ihre maroden Mauern und Fassaden ziehen Nässe. Auch die prächtigen Mosaike und der Marmor des Markusdoms korrodieren durch das Salz.

Jetzt soll ein Mini-Dammsystem mit Pumpen gebaut werden, dass die Piazza San Marco zumindest bei „normalem“ Hochwasser trocken hält. 30 Millionen Euro will sich die Stadt das kosten lassen, zwei Firmen wurden im November mit der Planung beauftragt. Bislang hatte sich alles ausschließlich auf den wohl teuersten Schutzdamm aller Zeiten konzentriert, der Venedig eigentlich vor dem prognostizierten Untergang bewahren soll. Das Megaprojekt Modulo Sperimentale Elettromecanico, abgekürzt „Mose“, soll bei Fluten ab Alarmstufe Orange mit gigantischen beweglichen Stahlbarrieren die drei Eingänge der Lagune zur Adria hin verschließen, damit das Wasser gar nicht bis Venedig kommt. Aber Mose droht, ähnlich wie der Berliner Hauptstadt-Flughafen, zum Milliardengrab zu werden.

Venedig ist auf Millionen von Holzpfählen und mehr als hundert flachen Sandinseln errichtet. Der matschige Untergrund senkt sich unter dem Gewicht der Stadt jährlich mehrere Millimeter ab, der Meeresspiegel steigt wegen des Klimawandels an. Die einzigartige Lagunenstadt, Unesco-Weltkulturerbe, droht zu versinken. Verglichen mit dem Jahr 1897 liegt sie heute 26 Zentimeter tiefer. In vielen Häusern sind die Erdgeschosse schon nicht mehr bewohnbar. Dass die Fahrrinnen für die berüchtigten Kreuzfahrtriesen und für Öltanker, die den Festland-Hafen Marghera anlaufen, immer tiefer ausgebaggert werden, lässt noch mehr Meerwasser in die Lagune drängen.

Alle drei bis vier Jahre Alarmstufe Rot

Die Sirenen schlagen heute doppelt so oft Alarm wie noch in den 70er Jahren, jeden Winter fünf bis sechs Mal. Alle drei bis vier Jahre erlebt Venedig Warnstufe Rot – mehr als 140 Zentimeter Hochwasser. Dann sind fast zwei Drittel der Stadt überflutet, am Markusplatz reicht das Wasser bis zu den Oberschenkeln.

Seit bald 15 Jahren wird am vermeintlich rettenden Mose-Damm gebaut. Den Grundstein legte 2003 mit großem Brimborium der damalige Premier Silvio Berlusconi, 2011 sollte Mose in Betrieb gehen. Der Start verschob sich auf 2014, dann auf Herbst 2017. Schon im Frühjahr war klar, dass der Termin wieder platzt. Jetzt ist von Ende 2021 die Rede. Statt der geplanten 1,6 Milliarden Euro hat der Damm bereits 5,5 Milliarden verschlungen. Korrupte Politiker und Unternehmer sahnten ab, 2014 gab es Verhaftungen, dann Prozesse. Aber auch technische Pannen verzögern die Arbeiten.

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