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Valentinstag Ganz Paris träumt von der Liebe?

Das mag sein, aber wer es ernst meint mit den Liebesschwüren, der reist am 14. Februar nach Dublin, der wahren Stadt der Liebe. Dort ruht der Heilige Valentin und arbeitet sich durch sein prall gefülltes Auftragsbuch.

Dublin
Heute würde der Mönch und Prediger John Spratt vermutlich ein Millionenpublikum begeistern. Damals durfte er Reliquien des Heiligen Valentin nach Dublin holen. Foto: Quint

Die Chance, sie zu finden, erhöht sich jedoch an einem Ort, an dem man sie nie vermutet hätte – in der Whitefriar Street Church. In der kleinen Karmeliter-Kirche wimmelt es von Menschen. Lippen bewegen sich zu leisem Gebet, in den düsteren Nischen der Seitenaltäre flackern Kerzen und Münzen fallen klimpernd in den Opferstock. In dieser guten Stube des irischen Glaubens hat die Liebe ihre letzte Ruhestätte gefunden – der heilige Valentin persönlich.

Dass der Schutzpatron aller Liebenden und Blumenhändler ausgerechnet in Irland geendet ist, soll allerdings nicht den großen Gefühlen, sondern geschickter Rhetorik zu verdanken sein. Der Karmelitermönch John Spratt kümmerte sich einst nicht allein um Dublins Notleidende und Kranke, sondern konnte auch das Wort Gottes verkündigen wie kein Zweiter. Heute würde der Mann auf Massenveranstaltungen vermutlich ein Millionenpublikum begeistern. Damals reichte sein Ruf als genialer Prediger immerhin schon bis nach Rom. Um Spratt während eines Italienbesuchs im Jahr 1835 hören zu können, versammelte sich die ganze römische Elite in der berühmten Kirche Il Gesù.

Für seinen effektvollen Auftritt dort belohnte Papst Gregor XVI. Spratt mit einem Geschenk, das unter katholischen Klerikern damals hoch im Kurs stand: mit den Körperteilen eines Heiligen, einer Reliquie erster Klasse also. Für Spratt durfte es ein bisschen Blut und die Asche des heiligen Valentins sein, wozu man sogar eigens dessen Grab noch einmal öffnete. Der so in seiner Totenruhe Gestörte verdankte seinen Ruhm der Legende, dass er sich zu Lebzeiten einem Verbot von Kaiser Claudius II. widersetzt haben soll. Der nämlich hatte Eheschließungen untersagt, weil ihm tapfere Soldaten für seine Armee wichtiger als treue Ehemänner waren. Doch Valentin traute Liebespaare trotzdem weiterhin nach christlichem Ritus. Zur Strafe dafür soll er am 14. Februar 269 gesteinigt und enthauptet worden sein.

Knapp 1600 Jahre nach seiner Hinrichtung traf Valentins heilige Asche als Geschenk des Papstes dann also in Dublin ein. Groß kann die Freude darüber allerdings nicht gewesen sein, denn die Reliquie landete im Lager der Whitefriar Street Church und geriet nach John Spratts Tod 1871 vollends in Vergessenheit. Erst als die Kirche in den 1950er Jahren renoviert wurde, entdeckte man sie wieder, baute ihr in einem Seitenaltar einen marmornen Schrein und versteckte sie nach russischer Art der ineinander schachtelbaren Matrjoschka-Puppen: So steckt die Reliquie in einer kleinen Holzkiste, die mit Wachs versiegelt und mit einem roten Seidenband dekoriert ist. Das Kistchen wiederum befindet sich in einem Sarg mit dem päpstlichen Wappen Gregors XVI., und den Sarg schützt schließlich eine Glasvitrine in einer Marmornische, auf der eine lebensgroße Statue von Valentin postiert wurde. Dort wacht sie mit sanftem Blick über ein schlichtes Ringbuch, das aufgeschlagen ausliegt. „Danke, dass er zurückgekommen ist“, lautet der letzte Eintrag, hinter dem ein großer Smiley grinst. Förmlicher bleibt der vorherige Schreiber, der allerdings auch noch keinen Grund zur Freude hat: „Lieber Valentin, mach, dass meine Frau wieder fröhlich wird.“

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