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USA Rekord-Dürre in Kalifornien

Weil es zu wenig regnet, reichen die Wasser-Reserven in Kalifornien nur noch für ein Jahr, warnen Experten der Nasa. Seit 2011 sind die Reserven um 14 Milliarden Kubikmeter jährlich geschwunden. Eine angemessene politische Reaktion darauf gibt es noch nicht.

17.03.2015 17:20
Sebastian Moll
Discarded shopping carts lie in the dry Tule river bed in Porterville, California
Das Jahr 2014 war das wärmste aller Zeiten. Die Wasserreservoire sind bedenklich geschrumpft. Foto: REUTERS

James Famiglietti gab sich Mühe, sein Anliegen so drastisch zu formulieren, wie er es nur irgendwie konnte. Für den Wasser-Experten der US-Raumfahrtbehörde Nasa ist die Zeit der Zurückhaltung und der Höflichkeiten vorbei. „Kalifornien hat noch einen Wasservorrat für ein Jahr“, schrieb der Wissenschaftler in der vergangenen Woche in einem Leitartikel in der Los Angeles Times. „Und unsere Behörden haben keinen Notfallplan.“

Natürlich werden die Wasserhähne in Los Angeles und San Francisco nicht im Frühjahr 2016 austrocknen. Famigletti sprach von dem gespeicherten Wasser in Stauseen. Doch die Tatsache, dass Kalifornien nur ein Jahr davon entfernt ist, seine ohnehin schwinden Grundwasser-Reserven anzugehen ist alarmierend genug. Der Sonnenstaat befindet sich im vierten Jahr einer Rekord-Dürre. Seit dem Jahr 2011 sind die Wasser-Reserven um 14 Milliarden Kubikmeter jährlich geschwunden. Die Reservoire in den Ebenen des Sacramento- und des San Joaquin-Flusses sind um 29 Milliarden Kubikmeter geschrumpft.

Im Central Valley, der fruchtbarsten Agrar-Region der gesamten USA herrscht Notstand – die Bauern können in einigen Gegenden nicht einmal mehr sich selbst ernähren. Alleine im vergangenen Jahr sind 17 000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft verloren gegangen. An manchen Stellen bricht der Boden bereits ein, weil das Grundwasser darunter schwindet. Jegliche Hoffnung, die man auf die Niederschlags-Saison des vergangenen Winters gehabt haben mag, ist enttäuscht worden. Wie in den vergangenen Jahren, blieben die Schnee- und Regenmengen minimal. Die Schneedecke in der Sierra Nevada, die für einen Großteil der Wasser-Versorgung der urbanen Zentren benötigt wird, ist so niedrig wie noch nie seitdem gemessen wird. Gleichzeitig steigen die Temperaturen unaufhaltsam. In Los Angeles waren es in den vergangenen Wochen konstant mehr als 30 Grad. Der Januar war der heißeste in der Geschichte des Staates. Im März war es sieben Grad wärmer als im historischen Durchschnitt. Das Jahr 2014 war das wärmste Jahr aller Zeiten in Kalifornien.

Der bevölkerungsreichste US Staat ist dabei, zu ersticken. Grund dafür ist ein extrem hartnäckiges Hochdruck-Gebiet, das über dem amerikanischen Westen hängt und das keinen Niederschlag durchlässt. Ursache des Wettersystems ist die Erwärmung des Pazifiks. Das Schlimmste an alle dem ist laut Famiglietti und anderen Kritikern, dass es bislang keine angemessene politische Reaktion auf die drohende Katastrophe gibt. „Im Prinzip beten wir und warten auf Regen“, sagt Famiglietti.

Um das Schlimmste abzuwenden fordert Famiglietti sofortige drastische Maßnahmen. Es müsse ohne Verzug Wasser rationiert werden, Gemeinden und Landkreise müssten Pläne für eine nachhaltige Nutzung ihrer Grundwasser-Reserven vorlegen. Und der Staat brauche dringend einen langfristigen Wassernutzungsplan. „Ansonsten“, so Famiglietti, „sind wir bald nicht mehr nur ein ruderloses Boot, sondern der Fluss, auf dem das Boot fährt ,ist weg,“

Am politischen Willen für drastische Maßnahmen fehlt es jedoch. Gouverneur Jerry Brown hatte zwar bereits im vergangenen Jahr den Notstand ausgerufen und verordnet, dass der Wasserverbrauch um 20 Prozent gesenkt werden muss. Die zum Teil harten Strafen für Verschwender wurden jedoch kaum durch gesetzt. Das Ziel der Wasserersparnis wurde nur einen Monat lang erreicht.

Auf noch stärkeren Widerstand stoßen die Warner wie Famglietti derweil in Washington. In der vergangenen Woche zitierte der Republikaner Ted Cruz, der neue Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Forschung, Nasa-Vertreter auf den Capitol Hill, um sie in die Schuhe zu stellen.

Die Nasa solle sich gefälligst auf den Weltraum konzentrieren und damit aufhören, sich um das irdische Klima zu kümmern, so Cruz. Doch die Nasa-Wissenschaftler zeigten sich stur. Die Umgebung unseres Planeten gehöre zur Kernkompetenz der Nasa, erwiderten sie. Die Steuergelder für die Klimaforschung seien allerbestens angewendet.

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