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USA Glutenfreie Hostien für Allergiker

Eingeschweißt und abgepackt: In den USA bekommen Kirchgänger die Kommunion jetzt im Set.

Hostie
Hostie in einem katholischen Gottesdienst. Foto: rtr

Über Kommunion und Abendmahl und die Frage, wer daran teilnehmen darf, ist zuletzt viel gestritten worden, vor allem in der katholischen Kirche. Dass der Protestant (und Kirchensteuerzahler) Eckart von Hirschhausen dem Katholiken Rainer Woelki zu verstehen gab, er wolle in der Messe auch die Oblate haben oder sein Geld zurück – das hat den Kölner Kardinal ganz und gar nicht erfreut. So dürfe man doch nicht vom Allerheiligsten sprechen.

Aber empfiehlt es sich nicht, gerade die hoch komplizierten Themen auch einmal ganz simpel zu betrachten? Und sage keiner, mit dem Abendmahl sei das doch etwas anderes! Im Gegenteil: Speziell hier verlangen einige Fragen höchst pragmatische Antworten. Wie kann man das eucharistische Brot sinnvoll aufbewahren? Da bot sich das in der katholischen Kirche traditionell verwendete, quasi unverderbliche „Esspapier“ an, Hirschhausens Oblate eben. Den Messwein sollte der Küster – gerade bei den momentanen Temperaturen – dringend in den Kühlschrank stellen und gelegentlich auch probieren, damit der Priester am Altar keinen Essig konsekriert.

Traubensaft statt Wein für Alkoholiker

Kirchenhistoriker Anselm Schubert geht in seinem neuen Buch „Gott essen“ solchen kulinarischen Aspekten der Abendmahlsfeier nach. Glutenfreie Hostien für Allergiker, Traubensaft statt Wein für Alkoholiker… Woran man nicht alles denken sollte! Ganz wichtig auch: Hygiene. Die biblische Vorstellung, dass alle Jünger Jesu beim Abendmahl „aus dem einen Kelch“ trinken, geht schlecht zusammen mit der Vermeidung diverser ansteckender Krankheiten. Und viele Zeitgenossen scheuen sich generell, mit anderen dasselbe Gefäß zu teilen, auch ohne Angst vor Infektionen.

Wie für so vieles, haben die US-Amerikaner bereits eine praktische Lösung parat: das „Communion Set“. Ersonnen von einem Pastor aus Oregon, besteht es – wie der Deutschlandfunk jüngst berichtete – aus einem kleinen Plastikbecher mit Traubensaft nach Art eines Kaffeesahne-Töpfchens samt eingeschweißter Hostie im Deckel.

Erhältlich ist die Kombipackung im Internet im 500er-Gebinde für umgerechnet 14 Euro-Cent pro Stück. Damit lassen sich in den evangelikalen Mega-Churches dann bis zu 40.000 Gottesdienstteilnehmer bedienen – ohne langes Anstehen und komplett keimfrei. „Es ist sehr erfolgreich, weil es einfach sehr, sehr praktisch ist“, sagt der Theologe Schubert. Aber natürlich, räumt er ein, „aus einer alteuropäischen Perspektive schwierig“.

Das ist noch dezent formuliert. „Ein Unding“, sagt die evangelische Theologin Anne Käfer aus Münster. „Mit den Einwegpäckchen geht der Sinn des Abendmahls verloren. Leib und Blut Christi werden uns gegeben, nicht von uns ausgepackt und reingezogen.“ Und irgendwie hat es doch auch etwas Freudloses, wenn jeder für sich die Hostie aus dem Blister zuppelt und sein Traubensaftpinnchen kippt. Vom Müllproblem ganz zu schweigen.

Kardinal Woelki würde es bestimmt die Sprache verschlagen: das Allerheiligste, in Alufolie und Plastik eingeschweißt… Aber auch Eckart von Hirschhausen wäre wahrscheinlich nicht ganz so glücklich, bekäme er die Oblate to go gereicht – unbedenklich zwar aus ärztlicher Sicht, aber unbefriedigend für jeden, der beim Abendmahl tatsächlich an so etwas wie Tischgemeinschaft und eine festliche Tafel denkt.

Ob stattdessen ein Weinbrunnen die Lösung wäre, an dem die Gläubigen sich laben können? Die Bibel mit ihrem Jubel über „Wein in Fülle“ gäbe das her. Und bei der Hitze kommt man halt auf die tollsten Ideen.

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