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US-Staat Colorado Drei Tote bei Schießerei in Abtreibungsklinik

In einer Abtreibungsklinik im US-Bundesstaat Colorado kommt es zu einer Schießerei. Nach stundenlanger Belagerung nimmt die Polizei den mutmaßlichen Angreifer schließlich fest. Bei den Schusswechseln kommen mindestens drei Menschen ums Leben.

27.11.2015 22:56
Die Polizei am Einsatzort. Foto: AFP

Bei einem bewaffneten Angriff in einer Abtreibungsklinik im US-Bundesstaat Colorado sind drei Menschen getötet und neun weitere verletzt worden. Zu den drei Todesopfern in Colorado Springs zähle ein Polizeibeamter, sagte Bürgermeister John Suthers. Der mutmaßliche Schütze wurde nach stundenlanger Belagerung festgenommen. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. In den USA gab es allerdings wiederholt Anschläge radikaler Abtreibungsgegner.

Die Stadt südlich von Denver sei durch "eine schreckliche, schreckliche Tragödie" erschüttert worden, sagte Suthers bei einer Pressekonferenz. Dabei seien zwei Zivilisten und "ein sehr mutiger Polizeibeamter" getötet worden. Nach Angaben der Universität der Stadt war der Polizist 44 Jahre alt.

Polizeisprecherin Catherine Buckley sagte, keiner der Verletzten, darunter fünf Polizisten, befinde sich in einem ernsten Zustand. Zunächst war von elf Verletzten die Rede gewesen, darunter fünf Polizisten.

Nach mehr als fünf Stunden Belagerung durch die Polizei wurde der mutmaßliche Schütze festgenommen. Von hinten aufgenommene Bilder zeigen einen korpulenten Mann mit weißem T-Shirt, Militärhose und kurz rasierten Haaren, der in Handschellen von der Polizei abgeführt wird. Die Schießerei hatte sich in einem Gebäude der Familienplanungsorganisation Planned Parenthood ereignet.

Wie Polizeisprecherin Buckley mitteilte, begann der Einsatz, nachdem um 11.38 Uhr (19.38 Uhr MEZ) ein Notruf wegen Schüssen eingegangen sei. Die Polizei habe daraufhin "zahlreiche" Menschen aus dem Gebäude in Sicherheit gebracht. Noch am Abend war das Gebiet weiträumig abgeriegelt worden.

Vor der Festnahme des mutmaßlichen Schützen sagte die Polizeisprecherin, dieser sei mit einem Gewehr bewaffnet und führe "Gegenstände" mit sich, bei denen noch geprüft werden müsse, ob es sich um Bomben handeln könnte. Nach der Festnahme suchte die Polizei das Gebäude nach möglichen Sprengsätzen ab.

Eine Augenzeugin sagte CNN, dass sie mindestens zehn Schüsse gehört und beobachtet habe, wie ein Polizist getroffen worden sei. "Es war furchterregend", sagte Denise Speller, die in einem nahegelegenen Kosmetikstudio arbeitet.

Mehr als 200 Anschläge

Nach Angaben des Weißen Hauses wurde Präsident Barack Obama über den Vorfall unterrichtet. Planned Parenthood bietet neben Vorsorgeuntersuchungen unter anderem Abtreibungen an und wird dafür von erzkonservativen Kreisen in den Vereinigten Staaten angefeindet. "Wir kennen noch nicht alle Umstände und Motive hinter diesem kriminellen Akt, und wir wissen noch nicht, ob Planned Parenthood das Ziel dieser Attacke ist", erklärte die Chefin von Planned Parenthood of the Rocky Mountains, Vicki Cowart, laut CNN. Sie glaube aber nicht, dass die Einrichtung gezielt angegriffen worden sei.

Cowart führte aus, nach den ihr bisher vorliegenden Informationen seien keine Mitarbeiter oder Patienten der Klinik verletzt oder getötet worden. Das Sicherheitssystem der Abtreibungsklinik habe gut funktioniert. So hätten Menschen in einem Sicherheitsraum Zuflucht gefunden.

Der Supreme Court hatte vor 42 Jahren in einer Grundsatzentscheidung den Schwangerschaftsabbruch in den USA legalisiert. Seitdem kämpfen konservative Gruppen, Kirchen und Vertreter der republikanischen Partei dafür, die Entscheidung rückgängig zu machen. Zielscheibe in der heftig geführten Debatte ist immer wieder Planned Parenthood. Die Republikaner im US-Kongress versuchten mehrfach, der gemeinnützigen Organisation die staatlichen Zuschüsse zu streichen. Im Juli veröffentlichten Abtreibungsgegner heimlich aufgenommene Videos, in denen Planned-Parenthood-Mitarbeiter angeblich über den Verkauf von Gewebe abgetriebener Föten zu Forschungszwecken sprachen.

Radikale Abtreibungsgegner griffen in den vergangenen vier Jahrzehnten auch immer wieder zu gewaltsamen Mitteln. Die Nichtregierungsorganisation National Abortion Federation verzeichnete seit Mitte der 70er Jahre mehr als 200 Bomben- und Brandanschläge auf Abtreibungskliniken in den Vereinigten Staaten. Im Mai 2009 war im Bundesstaat Kansas der Abtreibungsarzt George Tiller erschossen worden. (afp)

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