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US-Präsident schreibt Kindergeschichten Obamas Heldengesänge

Der US-Präsident übt sich jetzt als Autor. Für seine zwei Mädchen hat Barack Obama ein Kinderbuch verfasst. „Of thee I sing“ („Von dir singe ich“) ist aber relativ starker Tobak. Es scheint eher eine Rede ans Volk zu sein.

16.11.2010 21:59
Sebastian Moll
Ostern 2009: Obama liest aus „Wo die wilden Kerle wohnen“. Foto: rtr

Kurz nachdem Barack Obama im Januar 2009 als 44ter Präsident der USA eingeschworen wurde, schrieb er im Parade-Magazine einen offenen Brief an seine beiden Töchter. Darin erklärte er den beiden Mädchen, die damals acht und elf Jahre alt waren, was er als Präsident zu erreichen gedenke: Allen amerikanischen Kindern eine Schulausbildung zu sichern, in der sie ihr ganzes Potenzial entfalten können; oder die Wissenschaft zu fördern, damit sie, Malia und Sasha, auf einer besseren, saubereren Erde leben können. Er erklärte ihnen, dass US-amerikanische Soldaten in fernen Ländern für ihre Freiheit kämpfen und ermahnte sie, diese Freiheit nicht für selbstverständlich zu nehmen. Vielmehr sei das Opfer der Soldaten eine Verpflichtung für sie, eine „Verpflichtung, diesem Land, das Euch und Eurer Familie so viel gegeben hat, etwas zurück zu geben“.

Anleitung zum Gut-Sein

Das war relativ starker Tobak für zwei kleine Mädchen. Aber vielleicht hatte Obama damals mit seiner Ermahnung zur guten Staatsbürgerschaft auch gar nicht so sehr Malia und Sasha gemeint, sondern eher die 74 Millionen Leser des Magazins, das beinahe jeder Sonntagszeitung im Land beiliegt. Der Brief hinterließ ein wenig den Verdacht, dass die Obama-Girls ihrem Papa nur als Mittel zu dem Zweck dienten, seine präsidiale Botschaft an das Wahlvolk zu personalisieren und den Präsidenten dabei gleich noch als liebevollen Vater zu positionieren.

Nun hat Barack Obama einen zweiten offenen Brief an seine Töchter verfasst – in Form eines Kinderbuches. Der Text ist etwa zur selben Zeit entstanden – zwischen dem Beginn von Obamas Wahlkampf 2008 und seiner Inauguration 2009. Und die Botschaft ist der des ersten Briefes ähnlich: Den Mädchen wird erklärt, was sie alles zu sein und zu tun haben, um einmal gute Amerikanerinnen zu werden. Obama beginnt das knapp 40-seitige, hübsch illustrierte Buch „Of thee I sing“ mit einer Liebeserklärung an die beiden. Er erzählt ihnen wie „der Klang ihrer Schritte seinen Tag mit Tanzrhythmen füllt“ und wie ihr „Gelächter den Raum mit Sonne füllt.“ Dann preist er ihre vielen noblen Charaktereigenschaften.

Obama hält seine Kinder für schlau, für kreativ, für mutig, für stark, für gütig und inspirierend, er glaubt, dass sie Durchhaltevermögen haben, dass sie ihre eigene Musik in sich tragen und dass sie die Gabe haben, zu heilen.

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Jeder dieser Eigenschaften ordnet er einen berühmten US-Amerikaner zu, von dem er dann in wenigen Sätzen seinen Girls berichtet. Sasha und Malia sind schlau wie Einstein, kreativ wie die Malerin Georgia O’Keeffe, sie singen wie Billie Holiday, halten durch wie Martin Luther King, inspirieren wie der Bauernführer Cesar Chavez, sind mutig wie der Baseballspieler Jackie Robinson und gütig wie die Sozialreformerin Jane Addams.

Das ist freilich wie schon der erste Brief eine kolossale Überforderung für zwei kleine Mädchen – es auf allen Gebieten, den heraus ragendsten Figuren der Geschichte gleich zu tun. Man versteht zwar die Absicht des Präsidenten, jungen Leserinnen einen politisch korrekten Kanon an bedeutenden Amerikanern näher zu bringen. Leider erfahren die Kinder nicht allzu viel über diese Personen – abgesehen davon, dass sie Tugenden verkörpern, denen sie nachzueifern haben.

Wenn sie das tun, das zeigt die abschließende Doppelseite des Buches, dann wird ein besseres Amerika entstehen, eines, in dem „Menschen aller Rassen, Religionen und Glaubensrichtungen“ ihre besonderen Gaben einbringen um gemeinsam ein besseres Land und eine bessere Welt zu schaffen.

Das ist eine hübsche Botschaft. Trotzdem fragt man sich, ob Zehnjährige mit einem solchen Aufruf zum guten Staatsbürgertum etwas anfangen können. Kann sich eine Fünftklässlerin wirklich etwas darunter vorstellen, dass George Washington „eine Idee in ein Land verwandelt hat, stark und wahrhaftig, ein Land von Prinzipien“.

Papa Obama, so scheint es, hat große Schwierigkeiten, den Politiker nach Feierabend im Oval Office zu lassen und seinen Töchtern etwas zu erzählen, was sie wirklich spannend finden.

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