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Urlaubsguru Für 44 Euro nach New York

Das Online-Portal Urlaubsguru ist der größte unabhängige Vermittler von Billigurlauben in Europa.

A ferry leaves Jersey City, New Jersey as it heads across the Hudson River towards lower Manhattan and New York City as a heavy thunderstorm passes over the area
Düstere Aussichten: Urlaubspreise an denen niemand verdient. A ferry leaves Jersey City, New Jersey as it heads across the Hudson River towards lower Manhattan and New York City as a heavy thunderstorm passes over the area July 15, 2014. According to local reports severe thunderstorm and flash flooding warnings were issued for a second straight day as a powerful series of storms affected much of the northeast U.S. REUTERS/Mike Segar (UNITED STATES - Tags: ENVIRONMENT CITYSCAPE TPX IMAGES OF THE DAY) - RTR3YSQ0 n Foto: © Mike Segar / Reuters (X90033)

Es ist eine dieser Nach-dem-dritten-Bier-Ideen gewesen. An einem Sommerabend vor vier Jahren haben Verlagskaufmann Daniel Krahn und IT-Ingenieur Daniel Marx auf dem Balkon beim Grillen zusammengesessen und darüber geredet, was man so tun könnte und ob man es nicht einfach mal ausprobieren sollte. Ob sich also die Urlaubstipps, die Krahn seit Jahren einem stetig wachsenden Bekanntenkreis zu -teil werden ließ, nicht zu einem professionellen Geschäft ausbauen ließen. „Ich bin immer viel und gern gereist, hab mit der Zeit immer günstigere Angebote ausfindig gemacht und die dann auch an Freunde und Freundesfreunde weitergegeben“, erzählt Krahn. Bald hatte sich der 33-Jährige in seiner Heimatstadt Unna mit Schnäppchentipps einen Ruf erworben: als „Urlaubsguru“.

Diesen Namen trägt bis heute das Online-Portal, das Krahn und Marx im Nachgang der westfälischen Sommernacht gegründet und seither zu einem der größten unabhängigen Vermittler preiswerter Reiseangebote in Europa ausgebaut haben. Im ersten Jahr besuchten 25 000 Personen die Website von Urlaubsguru, 2013 waren es bereits 4,5 Millionen, 2014 zählte man 12,4 Millionen und 2015 rund 19 Millionen Aufrufe. Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen die 25 Millionen-Marke an, allein auf Facebook zählt Urlaubsguru mittlerweile fünf Millionen Fans. Für das rapide Wachstum gibt es einen simplen Grund: Die Reisepreise sind unfassbar günstig.

Derzeit ist zum Beispiel eine viertägige Städtereise nach Porto für 91 Euro zu haben, inklusive Übernachtung im Drei-Sterne-Hotel, Hin- und Rückflug. Zwölf Tage Kreta ab Deutschland sind für 185 Euro im Angebot, Direktflüge nach Johannesburg und zurück kosten ab 325 Euro, nach Los Angeles 428 Euro und nach Hongkong 324 Euro. „Unser absoluter Preisknüller waren drei Tage Budapest mit Flug und Hotel für 6 Euro“, erzählt Marx. Wobei es da noch diesen Hin- und Rückflug nach New York gegeben hat, 44 Euro sollte der Spaß kosten. Allerdings handelte es sich um ein Versehen, eine sogenannte „error fare“, die der Anbieter eigentlich wieder zurückziehen wollte. „Wir hatten aber in kurzer Zeit so viele Anfragen, dass die den Preis einmalig dann doch gewährt haben“, sagt Krahn.

In aller Regel handelt es sich aber um reguläre Preise für ebenso reguläre Leistungen. Wie das geht? Inzwischen 150 Mitarbeiter sind in 13 Ländern damit beschäftigt, das Internet im Schichtbetrieb rund um die Uhr nach günstigen Angeboten zu durchforsten, diese auf Verfügbarkeit zu prüfen und dann auf der Urlaubsguru-Seite zu platzieren. Recherchiert wird bei Touristikkonzernen vom Tui-Format ebenso wie bei regionalen Anbietern einzelner Urlaubsregionen, auf Hotelportalen und bei Fremdenverkehrsverbänden, bei kleinen und großen Reiseveranstaltern, Fluggesellschaften, Flugvermittlern und anderen Suchportalen.

Wie die Super-Schnäppchen überhaupt zustande kommen, interessiert die Urlaubsgurus wenig. Sie sehen sich als reine Vermittler. Bei einem Reisepreis von sechs Euro ist aber klar, dass daran niemand mehr Geld verdient. Denkbar ist, dass sie aus Marketinggründen angeboten werden oder weil die Veranstalter an anderer Stelle verdienen. Bei anderen Angeboten könnte sein, dass sie gemacht werden, weil die Anbieter freie Kapazitäten auslasten wollen, für die ohnehin Kosten anfallen würden.

Gezielte Anfragen sind möglich

Urlaubsguru unterscheidet sich von anderen Suchportalen in zweifacher Hinsicht. Erstens veranstaltet und verkauft das Unternehmen Reisen nicht selbst, sondern arbeitet ausschließlich als Vermittler. Der Vorteil ist Neutralität: „Uns geht es um das beste Preis-Leistungs-Verhältnis und das können wir nur glaubhaft vermitteln, wenn wir keinem Anbieter verpflichtet sind oder einzelnen Vorteile einräumen“, sagt Krahn. Zweiter Unterschied: Andere Suchportale sind auf Hotels, Mietwagen oder Flüge spezialisiert, Urlaubsguru hingegen vermittelt Angebote aus allen Bereichen der Branche. Dabei sind die Offerten nicht auf kurzfristig buchbare Superschnäppchen beschränkt. Die Kundschaft kann auch gezielt Anfragen für gewünschte Regionen und Reisezeiten starten.

Mit dem Geschäftsmodell sind freilich auch einige Nachteile verbunden: So sind supergünstige Angebote oft binnen kurzer Zeit ausgebucht. Außerdem haftet Urlaubsguru als reiner Vermittler nicht für Leistungen und Zusagen der Anbieter. Daher nimmt das Unternehmen auch keine Beschwerden über tropfende Duschen, überbuchte Flüge oder Baustellenlärm am Feriendomizil entgegen. Für etwaige Schadenersatzansprüche müssen sich die Nutzer ebenfalls an den Reiseveranstalter wenden.

Einnahmen erzielt das Unternehmen ausschließlich über Vermittlungsprovisionen, die die Anbieter zahlen: Bei Flügen bleiben meist 1,25 Prozent vom Endpreis hängen, bei Pauschalreisen können es bis zu acht Prozent sein, mitunter liegt der Gewinn aber auch bei Null. Denn für absolute Tiefstpreisangebote gibt es keine Provision. Marx und Krahn stellen sie dennoch auf die Seite, um alte Nutzer zu halten und neue zu gewinnen. Ein weiteres Marketinginstrument besonderer Art ist das „Praktikum des Lebens“: Urlaubsguru suchte 2014 eine junge kommunikative Person und fand Studentin Mara, 21, die mit einem Budget von 25 000 Euro ein Jahr lang um die Welt fahren durfte und währenddessen Reiseeindrücke, Erlebnisse und Bilder postete. „Wir hatten 5000 Bewerber, das war ein Casting wie bei DSDS“, sagt Krahn. Eine Wiederholung mit neuen Kandidaten ist bereits geplant, aber noch nicht terminiert.

Inzwischen, nach weiteren Grillabenden auf Krahns Balkon, haben die beiden Daniels neue Ideen entwickelt und in die Tat umgesetzt. Für Nutzer in Frankreich, Spanien, Großbritannien, Italien und acht weiteren Ländern sucht mittlerweile der „Holidayguru“ günstige touristische Angebote. Welchem Segment „Captain Kreuzfahrt“ sich widmet, erklärt sich von selbst. „Schnäppchenfee.de“ richtet sich an junge Frauen, zwei weitere Seiten firmieren unter „Mein Haustier“ und „Prinz Sportlich“. Das Grundprinzip ist stets das gleiche: Das Internet wird abgefischt, hängen bleiben die Schnäppchen.

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