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Unwetter Italien fällt ins Wasser

Auf die monatelange Dürre folgt in Italien das nächste Wetter-Extrem - nach heftigen Regenfällen sind Livorno und Teile Roms überschwemmt. Mindestens sechs Menschen starben, die Zahl könnte weiter steigen.

Livorno
Ein Auto in den Fluten in Livorno. Foto: rtr

Italien erlebt ein Wetter-Extrem nach dem anderen. Erst regnete es monatelang nicht, zwei Drittel des Landes litten unter Dürre. Am Wochenende nun schüttete es in einigen Gegenden binnen Stunden so viel wie im ganzen bisherigen Jahr. Die toskanische Hafenstadt Livorno, aber auch Teile der Hauptstadt Rom wurden bei Unwettern überschwemmt.

In Livorno schwoll der in der langen Trockenzeit zum Rinnsal geschrumpfte Rio Ardenza in kurzer Zeit zum reißenden und zerstörerischen Strom an. Für eine Familie wurde ihre Wohnung, halb Souterrain, halb Parterre, zur tödlichen Falle. Eltern, Großvater und zwei Kinder schliefen, als am Sonntagmorgen plötzlich Wasser- und Schlammmassen Türen und Fenster eindrückten, sich in die Zimmer ergossen und drei Meter hoch stiegen. Nur seine dreijährige Enkelin konnte der Großvater noch rechtzeitig ins Freie tragen. Beim Versuch, auch ihren vier Jahre alten Bruder zu retten, ertrank er. Der Junge starb ebenso wie die Eltern. Das Unwetter forderte in Livorno sechs Menschenleben, doch die Zahl könnte weiter steigen. Nach zwei Vermissten wurde am Montag noch gesucht.

„Ist das Rom oder Venedig?“

Auch in Rom, wo wegen der Trockenheit bislang Wasserrationierungen drohten, gingen gewaltige Regenmengen nieder. Viele Straßen verwandelten sich in Seen, Autos standen unter Wasser, Metrostationen wurden gesperrt. Touristen wateten am Kolosseum barfuß durch das Wasser. Und einige Römer veröffentlichten auf Facebook und Twitter Fotos mit der ironischen Frage: „Ist das Rom oder Venedig?“. Eine der Ursachen sei, dass 90 Prozent der Gullys und Abflüsse durch Laub und Abfall verstopft sind, berichteten Lokalmedien. Sie erinnerten daran, dass Bürgermeisterin Virginia Raggi und ihre Protestbewegung Fünf Sterne den Vorgänger früher genau wegen solcher Missstände anprangerten. Raggi hatte die Römer am Sonntag aufgerufen, nur in Notfällen aus dem Haus zu gehen und Parks und Grünanlagen zu meiden.

Zu den Überschwemmungen trägt bei, dass die Böden ausgetrocknet und hart sind und Niederschläge nicht versickern. Meteorologen warnen, mit Beginn der Herbstsaison seien weitere schwere Unwetter in Italien zu befürchten. Wegen des ungewöhnlich heißen Sommers ist die Oberfläche des Mittelmeers stärker erwärmt als sonst, mehr Feuchtigkeit steigt auf. Wenn dann im Herbst kalte Luftmassen vom Atlantik heranziehen, kommt es zu Starkregen und Unwettern. Oktober und November sind in Italien die Monate, in denen es alljährlich Überschwemmungen gibt. Häufig sind dabei Todesopfer zu beklagen.

Experten sind sich einig, dass Extremwetterlagen wegen der steigenden Temperaturen weiter zunehmen werden. Italiens Staatsoberhaupt Sergio Mattarella mahnte am Montag die Politiker, sich endlich ernsthafte und vertiefte Gedanken über die Folgen des Klimawandels zu machen und darüber, wie man die Menschen davor schützt.

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