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Unwetter in Deutschland Die Zukunft wird nass

Forscher sagen mehr und heftigere Gewitter für Deutschland in den kommenden Jahren voraus. Sie sollen eine Folge des Klimawandels sein. Doch der Trend gilt nicht nur für Deutschland, sondern weltweit.

Unwetter über der Eifel
dpatopbilder - Dunkle Wolken sind am 27.05.2016 in Simmerath in der Eifel über einem Waldgebiet bei Hürtgenwald im Kreis Düren (Nordrhein-Westfalen) zu sehen. In mehreren Bundesländern drohen an diesem Wochenende weitere Unwetter mit Gewitter, Strumböen, Starkregen und Hagel. Foto: Rene Pelzer/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: Rene Pelzer (dpa)

Vollgelaufene Keller, überschwemmte Straßen, umgestürzte Bäume und dicke Hagelkörner – Unwetter mit diesen Folgen gab es schon immer, doch der Eindruck täuscht nicht: Starkniederschläge und Gewitter fallen heute oft heftiger aus als in früheren Jahrzehnten. Für Wetter- und Klimaexperten zeigt sich darin der Klimawandel.

Der Trend ist weltweit nachweisbar. Seit über 30 Jahren gibt es immer neue Rekorde bei extremen Regenfällen. Bis etwa 1980 hätten sich die Schwankungen bei Starkregen-Ereignissen mit natürlichen Faktoren erklären lassen, fanden Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung im vergangenen Jahr in einer Studie heraus. Seither gebe es einen „Aufwärtstrend nie dagewesener Regenfälle“, der nur durch den Einfluss der Erderwärmung zu erklären sei.

Besonders stark betroffen sind feuchte Regionen auf dem Globus. So gab es in den Ländern Südostasiens eine Zunahme von Rekord-Regenfällen um 56 Prozent. In Europa lag das Plus bei 31 Prozent.

Die Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach bestätigen diesen Beobachtung für Deutschland. „Der Trend ist: Die Extremereignisse werden zwar nicht unbedingt häufiger, aber dann doch oft stärker ausfallen“, erläutert DWD-Sprecher Gerhard Lux. Die Unwetter am Wochenende seien zwar kein „Jahrhundertereignis“ gewesen, zum Teil seien örtlich aber außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen gemessen worden. Die Kanalisation sei oft nicht dafür ausgelegt, solche Regenmengen abzuleiten.

Der DWD hat zudem festgestellt, dass in den letzten Jahren eine für Zentraleuropa immer wieder gefährliche Großwetterlage häufiger als früher auftritt – genannt „Tief Mitteleuropa“. Bei der Lage treten vor allem im Sommerhalbjahr immer wieder Unwetter mit Starkniederschlägen und Überschwemmungen auf. Anno 2013 zum Beispiel herrschte diese ansonsten eher seltene Wetterlage ungewöhnlich häufig – mit den entsprechenden Folgen. Noch mehr Tage mit einem Tief Mitteleuropa zählte man im Jahr 2002 – dem Jahr der großen Elbeflut.

Laut einer DWD-Studie gab es um 1950 im Schnitt an acht bis zehn Tagen im Jahr solche Wetterlagen. Heute sind es meist zwischen neun und 15. Bis 2100 rechnet der DWD mit einem Anstieg auf eine Spanne zwischen zehn und 17. „Wir werden uns wohl auf mehr solcher extremen Wetterlagen einstellen müssen“, so die Offenbacher Experten.

Auch bei den Gewittern gibt es einen Trend nach oben. Klimaforscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) stellten vor zwei Jahren in einer Studie fest, dass die Wahrscheinlichkeit für schwere Gewitter in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsen ist. „Das Gewitterpotenzial hat deutlich zugenommen“, kommentierte Meteorologe Michael Kunz, in dessen Arbeitsgruppe die Untersuchung gemacht worden war.

Die Forscher haben für ihre Untersuchungen Radarmessungen, Daten von Versicherungen und Simulationen mit regionalen Klimamodellen kombiniert und ausgewertet. Normale Wettermessstationen sind nämlich nicht in der Lage, Gewitterstürme mit Hagel, Sturmböen oder gar Tornados vollständig zu erfassen.

Betroffen von der Zunahme ist ganz Deutschland außer dem Nordosten. Im Süden, wo die Gewitterneigung mit im Schnitt 7,5 Tagen pro Jahr ohnehin größer ist als im Norden (3,8), betrug die Zunahme meist vier bis acht Tage – also durchaus relevant.

Der Potsdamer Klimaforscher Professor Stefan Rahmstorf hält es „für wahrscheinlich, dass wir auch in Deutschland künftig mit häufigeren heftigen Gewittern rechnen müssen“. Der Grund dafür ist Physik: Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf als eine kältere aufnehmen, entsprechend stärker fallen die Niederschläge aus. In Deutschland ist die mittleren Temperatur seit 1880 um 1,4 Grad angestiegen, und der Trend geht bekanntermaßen weiter nach oben.

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