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Umstrittene Fortsetzung Galaktische Panikmache

Die "Per Anhalter durch die Galaxis"-Reihe von Kultautor Douglas Adams geht auch nach dessen Tod weiter - viele Fans wittern Blasphemie. Von Thomas Wolff

19.10.2009 20:10
Thomas Wolff
Die Fortsetzung: "Und übrigens noch was" - der sechste Teil der "Doppeltrilogie". Foto: Heyne

Mit den Vogonen ist nicht zu spaßen. Schließlich sind sie Angehörige einer extrem nervigen, destruktiven, auf Bürokratie versessenen Rasse von Außerirdischen. Die kosmischen Miesepeter, die der britische Bestsellerautor Douglas Adams 1979 erfand, jagen schon mal einen randständigen Planeten wie die Erde ins Vakuum, wenn dieser einer interplanetarischen Durchgangsstraße im Wege ist - so viel Ordnung muss sein.

Komisch nur, dass gerade die größten Fans des 2001 verstorbenen Adams sich bei der geplanten Party zum 30. Jahrestag seiner Science-Fiction-Satire "Per Anhalter durch die Galaxis" in diesem Monat wie die Vogonen benehmen. Mit heiligem Ernst verteidigen sie Adams´ Werk, weil ein sechster Teil der Saga angekündigt ist - von fremder Hand: Eoin Colfer, selbst Bestsellerautor, werde "die Sache verderben", versichert man sich auf der zentralen Fansite floor42.com. Alles "vergebliche Liebesmüh"; "schickt Colfer zur Hölle"; "lasst uns selbst Teil 6 schreiben", und so fort. Immerhin: Einige wollten "erst Mal abwarten und das Buch lesen", bevor sie sich mokierten.

Am 22. Oktober kommt nun Colfers blasphemisches Werk auf den deutschen Markt - und vielleicht verschonen die Vogonen ihn doch noch in letzter Sekunde: Sein Roman "Und übrigens noch was" ist ein rasantes Lesevergnügen, und man glaubt dem Iren, wenn er sagt: "Ich hatte beim Schreiben einen Riesenspaß - wie bei einem fünfmonatigen Sprung mit dem Fallschirm, ohne dass er aufgeht."

Dass er eine gute Landung erleben würde, davon war nicht unbedingt auszugehen. Vor gut einem Jahr hatte Colfer die Anfrage von Adams´ Manager bekommen: Ob er sich zur 30-Jahr-Feier, dem verehrten Adams und seiner Witwe Jane Belson zuliebe, nicht vorstellen könne ... - Autor Colfer hielt es bis dahin eher mit Elfen, Trollen, Zwergen und einem zwielichtigen jugendlichen Helden namens Artemis Fowl. Die rabiateren Passagen der Fowl-Saga wurden ihm schon mal von empfindsamen Pädagogen um die Ohren gehauen. Eine Verbindung zu Adams, der für feinsinnig-absurden Humor der Marke Monty Python stand, schien nicht zwingend. Und doch sagte Colfer rasch zu: Die Offerte für die Adams-Sequel empfand er, wie er dem Guardian in einem Interview erzählte, "als ob mir jemand die Superkraft meiner Wahl angeboten hätte". Doch dann traten die Fan-Vogonen auf den Plan und taten ihr zerstörerisches Werk.

Unvorsichtigerweise klickte Colfer, so erzählt er, eines Tages auf eine Facebook-Seite der Leute von floor42. Dort sah er sein eigenes Gesicht, zu einer Teufelsfratze verzerrt. "Stoppt diesen Mann!", forderte die Website, "hindert ihn daran, Teil sechs vom Anhalter zu schreiben!" Und dann, auf gut Vogonisch: "Hier klicken und zustimmen."

Fortan, behauptet er heute, las er nie wieder Fan-Blogs oder kritische Zeitungsbeiträge. Auch seine Freunde sollten ihn mit derartigen Mitteilungen verschonen und ihm den Rest der Welt vom Leib halten. "Manche sagten: Schon klar ..., aber das hier musst du lesen, dieser Typ nennt dich ein komplettes Arschloch!" Colfer kichert beim Rückblick auf die Turbulenzen ein wenig - "aber etwas nervös bin ich schon noch": Wie werden eingefleischte Fans seine literarische Achterbahnfahrt aufnehmen? Wie die Kritiker? Tatsächlich hat er ja nicht nur den sechsten Teil irgendeiner Buchreihe geschrieben. Der "Anhalter" ist längst ein millionenschweres Unternehmen geworden und ein Kult, dessen Riten gut auf einen von Adams erfundenen Planeten gepasst hätten.

Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Adams hat zeitlebens folgende Version verbreitet: Er sei Anfang der 70er durch Europa gereist - per Anhalter eben, mit wenig Geld, aber viel Phantasie. Eines späten Abends in Österreich habe er sich, nach zwei Tagen ohne feste Nahrung, dafür mit mehreren Gösser-Bieren im Kopf, "auf einem Feld bei Innsbruck" wiedergefunden, den Blick auf das blinkende Sternenzelt gerichtet, darüber nachdenkend, wie es wohl wäre... - alles weitere ist Literaturgeschichte.

Besonderen Spaß hat Adams das Aufschreiben dieser Phantasien nicht gemacht, glaubt man seinem Biografen Neil Gaiman. Der zitiert den Meister mit den Worten: "Schreiben ist einfach. Man starrt auf ein weißes Blatt Papier, bis die Stirn zu bluten beginnt." Witzig zu sein, das war Schwerstarbeit für ihn. Doch der Erfolg, beziehungsweise Adams´ Management, wollte noch eine Fortsetzung und noch eine. So quälte er sich nach den ersten beiden Erfolgsbänden zu einem ungeliebten dritten Band, bis 1992 mit "Einmal Rupert und zurück" ("Mostly Harmless") sogar der "fünfte Band der vierteiligen Trilogie" erschien, wie Adams mit dem ihm eigenen Sarkasmus im Untertitel schrieb.

Dieses Ende war freilich auch dem feinfühligen Melancholiker Adams zu düster für eine Story, die er einmal so frohgemut begonnen hatte. Doch das Happy End konnte er nicht mehr selbst schreiben. 2001 waren Adams´ eigene Reisen auf Erden zu Ende, er starb in seinem Haus in Los Angeles.

Colfer soll nun das gute Ende für den Anhalter Arthur Dent und seine Mitreisenden besorgen. An Adams´ Tonfall wollte er nicht anknüpfen, er sagt: "Douglas hatte eine einzigartige Stimme, die sollte man nicht zu kopieren versuchen." So setzte er auf seine eigenen Tugenden - vor allem ein irrwitziges Tempo. "Jungs wollen das so. Sie wollen es nicht simpler, aber rasanter. Seitenlange Schilderungen interessieren sie nicht." Womit die Zielgruppe in etwa umrissen wäre. Zudem verfolgte er seine bewährte Strategie, "so viel lustige Ideen wie möglich aufeinanderstapeln und dann noch etwas Lustiges hinzuzufügen, ohne dass einer Halt brüllen darf."

So ist Colfers Buch ein Wirbelwind irrwitziger Ideen, in dem sich High-Tech-Fantasien umstandslos mit Motiven aus der nordischen Sagenwelt verbinden. Und das ziemlich elegant und schlüssig. Eine Story muss man das nicht nennen - aber die hatten schon Adams´ fünf Bände nicht wirklich. Die Vogonen? Ja - auch die Vogonen kommen vor. Und sie haben wieder mächtig schlechte Laune.

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