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Türkei Säugling aus Trümmern gerettet

Auch drei Tage nach dem schweren Erdbeben in Ercis werden immer noch Verschüttete lebend geborgen. Doch die Hoffnung schwindet. Die Zahl der Toten ist auf mehr als 450 gestiegen. In der Stadt Van im Katastrophengebiet rebellieren die Gefängnisinsassen.

25.10.2011 20:56
Helfer bergen eine zwei Wochen altes Baby aus den Trümmern. Auch Mutter und Großmutter des Säuglings wurden gerettet. Foto: dapd

Bei dem schweren Erdbeben im Südosten der Türkei sind mindestens 459 Menschen gestorben. Rettungsmannschaften konnten noch immer Verschüttete aus den Trümmern retten, darunter ein zwei Wochen altes Baby und seine Mutter. Doch die Hoffnung, noch mehr Überlebende unter den Tonnen von Schutt und Steinen zu finden, schwindet mit jeder Stunde.

Die Retter konzentrierten sich auf die am schlimmsten getroffene Stadt Ercis mit rund 100.000 Einwohnern und die Provinzhauptstadt Van, wo eine Million Menschen leben. Fast 2300 Gebäude stürzten wegen des Bebens ein.

Zu den Geretteten gehörte der 18-jährige Mesut Özan Yilmaz. „Ich habe meinen Kopf auf den Fuß eines toten Mannes gelegt“, schilderte der unverletzt gebliebene Mann im Sender CNN Türk seine 32 Stunden in den Trümmern eines Teehauses. Die mit ihm verschütteten Menschen hätten versucht, sich Platz in der Enge zu schaffen. Die Rettungsmannschaften wühlten sich mit schwerem Gerät wie Presslufthämmern, aber auch Schaufeln und Äxten und bloßen Händen durch die Trümmer aus Stahl und Beton. Immer wieder forderten erschöpfte Helfer zur Ruhe auf, weil sie Rufe Verschütteter gehört haben wollten.

Tausende Menschen mussten die zweite Nacht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Zelten oder um kleine Feuer geschart im Freien verbringen, während ein Nachbeben die Region Van erschütterte. Die Regierung sicherte die Lieferung weiterer Zelte und Decken zu, nachdem die Opfer in der mehrheitlich von der kurdischen Minderheit bewohnten Region zu langsame Hilfen beklagt hatten. Nun hoffen die Türken auf Unterstützung aus dem Ausland. Für die Zeit nach den Rettungsarbeiten seien Zelte, Wohncontainer und Fertighäuser nötig, berichteten türkische Medien am Mittwoch unter Berufung auf Diplomaten. Die türkischen Botschaften sollten nun Gespräche mit den Staaten führen, die Hilfsangebote gemacht hatten.
Die Türkei will auch mit internationalen Organisationen über Hilfen verhandeln.

Schwerstes Beben seit einem Jahrzehnt

Das Beben vom Sonntag mit der Stärke 7,2 war das schwerste in der Türkei seit einem Jahrzehnt. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond bereitete sich darauf vor, Notunterkünfte für 40.000 Menschen bereitzustellen. Eine genaue Zahl der Obdachlosen gab es zunächst nicht.
Am Dienstag kam es in der Stadt Van, die im Katastrophengebiet liegt, zu einer Gefängnisrevolte. Aus dem Gebäude schlugen Flammen, Schüsse waren zu hören. Ein Soldat sagte, die Insassen hätten die Wärter mit Scheren und Messern angegriffen. Einem Mitarbeiter der Stadt zufolge legten sie auch das Feuer. Etwa 200 Insassen sollen das Chaos direkt nach dem Beben am Sonntag zur Flucht genutzt haben. (dpa/rtr)

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