Lade Inhalte...

„Tragikomödie“ Eine spanische Tragikomödie

Alonso Guerrero war mal mit Königin Letizia verheiratet. Jetzt hat er einen Roman geschrieben.

Schuhe
Immer perfekt: Der Roman wird an Letizias Ruf nichts ändern. Foto: Imago

Es gibt diese schöne Episode in Woody Allens Film „To Rome with Love“: Da erwacht der römische Büroangestellte Leopoldo Pisanello, gespielt von Roberto Benigni, eines Morgens und stellt fest, dass er eine Berühmtheit ist. Die Paparazzi belagern ihn, hungrig auf jede seiner Bewegungen und jedes seiner Worte. Pisanello ist ratlos: Sein Ruhm ist völlig anlasslos. Er hat nichts getan, was das Interesse der Meute Tür rechtfertigen würde.

Genau so fühlte sich einst Alonso Guerrero. „Aus Gründen, die hier keine Rolle spielen, verlor ich mein Privatleben zwischen neun und zehn Uhr abends am vergangenen 12. November, meinem Geburtstag“, beginnt Guerrero seinen Roman „El Amor de Penny Robinson“, der diese Woche in Spanien erschienen ist. Die Gründe, die im Roman keine Rolle spielen sollen, lagen in Guerreros Vergangenheit. Einst hatte er sich in eine junge Frau verliebt, zehn Jahre waren die beiden ein Paar, davon eines verheiratet, bis sie sich scheiden ließen: eine Alltagsgeschichte, wie sie viele erzählen könnten. Aber dann verliebte sich die Exfrau in einen Prinzen. Und stellte damit, ob sie wollte oder nicht, auch Guerreros Leben auf den Kopf.

Guerrero nennt seinen Roman eine „Tragikomödie“: eine Tragikomödie des ungesuchten Ruhms. Die Frau, die er kennen lernte, als sie 16 Jahre alt und seine Schülerin war, hieß Letizia Ortiz. Sie ist heute spanische Königin, die Frau von Felipe VI. Guerrero ist geblieben, was er war, als er Letizia zum ersten Mal erblickte: Gymnasiallehrer für spanische Sprache und Literatur. Und er ist ein Schriftsteller, der ein paar Bücher veröffentlicht hat, für die sich kaum jemand interessierte. Bis er sich vornahm, auch sein eigenes Leben zum Romanstoff zu machen. Wenn er schon unfreiwillig zur öffentlichen Person geworden ist, so will er wenigstens auch der Herr seiner eigenen Geschichte sein.

Es war der 1. November 2003, als das spanische Königshaus die Verbindung des damaligen Kronprinzen Felipe mit Letizia bekannt gab. Zum ersten Mal wollte ein künftiger spanischer König eine Bürgerliche heiraten. Letizia arbeitet damals als Fernsehjournalistin, weswegen die Spanier ihr Gesicht schon kannten. Jetzt erfuhren sie, dass sie bereits eine erste Ehe hinter sich hatte. Die Regenbogenpresse machte sich auf die Suche nach dem Exmann. Und fand ihn.

„Dein Leben beginnt sich mit Leuten zu füllen, die sich mit dem Vorwand vorstellen, dich kennen lernen zu wollen“, beschreibt Guerrero im Roman den Einbruch des Ruhms in den Alltag seiner Hauptfigur, die Alonso Guerrero heißt wie der Autor. „In Wirklichkeit kommen sie, um Stücke von dir zu entreißen“, schreibt er. „Sie nahmen meine Vergangenheit in Besitz. Sie konnten sie erfinden, beschmutzen oder sie in Abfall verwandeln“, heißt es im Buch. „Mein eigener Vater rief mich an, um mich zu fragen, ob ich gesagt hatte, von dem sie sagten, dass ich es gesagt hätte.“ Und: „Die Nachrichten legten an meinem Posteingang an wie Schiffe voller Ratten.“

Guerrero hat keine Abrechnung mit Letizia geschrieben, wie sich manche ausmalten, als sie von der bevorstehenden Veröffentlichung seines Romans erfuhren. Es ist eine Abrechnung mit Regenbogenpresse und -fernsehen. „Wir leben in einem Land, in dem die eigene Einsamkeit mit dem Leben von Fremden behandelt wird“, sagt Guerrero. Die Angesprochenen haben auf ihre Art Rache an ihrem Kritiker genommen: Keines der Fernsehprogramme, die sich täglich mit Klatsch und Tratsch füllen, hat Guerrero ins Studio geladen, um über sein Buch zu reden. Jetzt, wo er etwas zu sagen hätte, wollen sie nichts von ihm hören.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen