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Totes Meer Kraulen gegen die Verödung

Schwimmer aus aller Welt durchqueren das Tote Meer, um auf dessen Verschwinden aufmerksam zu machen.

Rund sieben Stunden haben die Frauen und Männer von der jordanischen Küste bis zur israelischen Seite gebraucht. Foto: EcoPeace, Middle East

Meist ist sie spiegelglatt, die Oberfläche des Toten Meeres. Wer darin badet, schaukelt mehr auf diesem schweren Wasser mit 36 Prozent Salzgehalt, als dass er schwimmt. Schon ein versehentlicher Schluck reicht, um sich die Atemwege zu verätzen. Dieser Salzsee hat es in sich und ist tückischer als er aussieht.

Am Dienstag haben erstmals 25 Langstreckenschwimmer aus aller Welt, darunter über Sechzigjährige, etwas fast Unmögliches gewagt: Sie sind von der jordanischen Küste 15 Kilometer quer rüber zur israelischen Seite geschwommen. Rund sieben Stunden lang hat es gedauert, bis sie am Strand von Ein Gedi wieder festen Boden unter den Füßen spürten. Jubelnd wurden sie dort von Umweltaktivisten begrüßt. Der außergewöhnliche Schwimm-Marathon war ja auch viel mehr als eine sportliche Herausforderung. Die riskante Aktion diente in allererster Linie als Weckruf, das Tote Meer zu retten: dieses einzigartige Naturphänomen, mit 400 Metern unter dem Meeresspiegel der tiefst gelegene Ort auf diesem Planeten und dazu der salzigste Wasserspeicher in solcher Dimension.

Aber das Tote Meer schrumpft zusehends, seine Zuflüsse wie der Jordan versiegen, sein Wasserspiegel sinkt inzwischen jährlich um einen Meter. Um auf diese dramatische Lage aufmerksam zu machen, sind am Morgen gegen sieben Uhr in der Früh 25 mutige Schwimmer – sieben Frauen, 18 Männer – ins Tote Meer gewatet, um es mit nichts am Leib als Badezeug, eine am Knöchel angebundene Trinkwasserflasche und eine Spezialmaske auf dem Gesicht, die Augen und Lungen vor dem Eindringen von Salzwasser bewahrt, zu durchqueren.

Ihre einzigen Begleiter: ein paar Schlauchboote mit Trinkwasserreserven und Kraftnahrung an Bord, die im Notfall hätten eingreifen können. „Jetzt, da wir das geschafft haben“, meint ein Schwimmer, der Israeli Oded Rahav, „muss es auch möglich sein, das Tote Meer zu erhalten.“

Bekannt sind die Probleme schon längst. Nicht zuletzt dank EcoPeace, eine grenzübergreifende Umweltorganisation von Israelis, Palästinensern und Jordaniern, die auch die Schwimmaktion organisiert hat. Eigentlich sollte sich das Tote Meer hauptsächlich aus dem Jordan speisen, aber der ist nur noch ein Rinnsal. Sein Flusswasser wird zu 95 Prozent von den Anrainerstaaten Israel, Syrien und Jordanien verbraucht. Um Mineralien aus dem Toten Meer zu gewinnen, lassen wiederum israelische und jordanische Industrieanlagen auf beiden Uferseiten Wasser aus dem Toten Meer in riesigen Becken verdunsten. In gut 30 Jahren hat das Tote Meer auf diese Weise ein Drittel seiner Wasseroberfläche verloren.

Bade- und Kurgäste müssen inzwischen wie etwa in Ein Gedi in eine von Traktoren gezogene Bahn steigen, um an den Strand zu gelangen. In Folge des sich zurückziehenden Meerwassers tun sich zudem gefährliche Senklöcher auf.

„Eines der touristischen Highlights in dieser Region verkommt zu einem Ödland“, klagt Dov Litvinoff, Chef der am Toten Meer gelegenen Tamar-Gemeinden. Dagegen heiße es anschwimmen. Sonst könne man irgendwann den Jordangraben mit dem einzigartigen Salzsee trockenen Fußes überqueren.

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