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Toiletten in Istanbul Das stinkt zum Himmel

Wer in Istanbul zur Toilette muss, bekommt Probleme. Erstens, weil es kaum öffentliche WCs gibt, und zweitens, weil die meisten ständig verschmutzt sind, denn vor allem Touristen wissen nicht, wie man sie richtig benutzt.

Wer in Istanbul zur Toilette muss, bekommt Probleme. Erstens, weil es kaum öffentliche WCs gibt, und zweitens, weil die meisten ständig verschmutzt sind, denn vor allem Touristen wissen nicht, wie man sie richtig benutzt. Foto: FR

Hunderttausende, womöglich Millionen Besucher erwartet Istanbul im übernächsten Jahr. Dann firmiert die türkische Wirtschaftsmetropole zusammen mit Essen und dem ungarischen Pecs als Europäische Kulturhauptstadt. Aber was, wenn einer der ausländischen Gäste mal muss?

Dieser Gedanke treibt Imdat Habip um. Er ist Präsident des türkischen Verbandes der öffentlichen Toiletten. Und um die stehe es nicht gut in Istanbul, jedenfalls nicht gut genug für eine Kulturhauptstadt, meint Habip. Erstens gebe es viel zu wenig Klos. Und zweitens seien jene, die es gibt, oft in einem beklagenswerten Zustand, kritisiert Habip.

Dabei geht es ihm nicht nur um den Anblick der WCs. Verschmutzte Toiletten seien Infektionsherde für Hepatitis B, Cholera und Typhus. Selbst viele öffentliche Toiletten in Moscheen seien verdreckt, bemängelt Habip - dabei sei doch größte Hygiene ein Gebot des Islam. Dass die Moscheen für die Benutzung unsauberer Toiletten auch noch Gebühren kassieren, findet er besonders empörend. Die Abzocke am Abort hält Habip generell für eine Unsitte: "Die Bürger zahlen bereits Steuern, das sollte für die Reinhaltung öffentlicher Toiletten reichen."

Dass türkische Toiletten vielfach verschmutzt sind, liegt allerdings auch an den Touristen: "Sie wissen nicht, wie man eine Hocktoilette benutzt", sagt Habip. Diese in der Türkei weit verbreitete Form des Klos besteht aus einem in den Boden eingelassenen Becken mit einem Loch in der Mitte.

Wie ein Hockklo benutzt wird, sagt der Name. Die Stellung kann indes ermüdend sein. Sie erfordert überdies einige Übung: Beim Herunterlassen der Hose können leicht Gegenstände aus den Taschen (und ins Klo) fallen. Nicht selten kommt es vor, dass Ungeübte das Gleichgewicht verlieren und hinfallen. Und selbst wer sich auf den Beinen halten kann, muss das richtige Zielen erst lernen.

Zum Himmel stinkende Toiletten-Notstände hat Imdat Habip auch in vielen Basaren entdeckt und seine Beanstandungen der Handelskammer vorgetragen - allerdings mit wenig Erfolg: "Die tun so, als sei das die unwichtigste Sache der Welt." Ein weiteres Manko: Behindertentoiletten sind in der Türkei fast unbekannt.

Habip steht in seinem Kampf für moderne, saubere Klos nicht allein. Mit seinem schon seit 14 Jahren bestehenden Verein ist er Mitglied in der World Toilet Organization (WTO). Die 2001 in Singapur gegründete "Uno der Toilette" hat mittlerweile 133 Mitgliedsverbände in 50 Ländern. Sie hat den 19. November zum alljährlich begangenen "Welt-Toiletten-Tag" erklärt.

Einmal im Jahr treffen sich die Delegierten der Mitgliedsverbände zu einem Welt-Toiletten-Gipfel. Das diesjährige Treffen findet Anfang November im chinesischen Macao statt. Die Konferenz 2009 möchte Imdat Habip nach Istanbul holen - um seiner Kampagne für mehr und saubere Bedürfnisanstalten am Bosporus neue Impulse zu geben. Habip räumt ein, es gebe zwar Fortschritte in der türkischen Klo-Kultur. So habe man vor zehn Jahren in den meisten WCs nicht mal Toilettenpapier vorgefunden. Auch verdränge das europäische Sitzklo zumindest in den Touristenzentren mehr und mehr die Hocktoilette. Aber es bleibe noch viel zu tun bis 2010.

Ganz uneigennützig ist Habips Klo-Kampagne übrigens nicht: Der Verbandspräsident beschäftigt sich beruflich mit der Vermietung chemischer Toiletten.

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