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"Tiger Temple" Wildschützer finden 40 tote Tigerbabys

Bis zu 140 Dollar zahlten Touristen, um in einem thailändischen Tempel Tiger zu streicheln. Bei einer Razzia treffen Tierschützer auf rabiate Mönche.

A tiger yawns before the officials start moving them from Thailand's controversial Tiger Temple in Kanchanaburi province
A tiger yawns before the officials start moving them from Thailand's controversial Tiger Temple, a popular tourist destination which has come under fire in recent years over the welfare of its big cats in Kanchanaburi province, west of Bangkok, Thailand, May 30, 2016. REUTERS/Chaiwat Subprasom Foto: CHAIWAT SUBPRASOM (X01707)

Auf der Webseite des buddhistischen Kloster Wat Pha Luang Ta Bu Yannasampanno prangt das offizielle Erlaubnisschreiben von Thailands Behörden zum Betreiben eines Zoos. Die Lockrufe einer Nachtigall verbreiten die passende Stimmung bei der Präsentation der Einkehroase für Mensch und Tier, wie die Mönche ihren Tiger Tempel beschreiben. Durch das gigantische Eingangstor in der Form eines weit aufgerissenen Tigerschlunds 40 Kilometer außerhalb der Stadt Kanchanaburi fahren seit Anfang der Woche aber keine Besucher mehr. Statt dessen rumpeln Lastwagen mit betäubten bengalischen Tiger vorbei.

Jahrelang haben die Mönche hier ein lukratives Geschäft mit jungen und ausgewachsenen Tigern betrieben, einen Streichelzoo für Touristen aus aller Welt. Bis zu 140 US-Dollar zahlten Besucher, um die insgesamt 148 angeketteten Raubkatzen streicheln oder baden zu können. Auf die Kritik von Tierschützern, die Tiere würden nicht artgerecht gehalten, reagierten die Mönche mit wachsendem Widerstand. Kein Wunder: Umgerechnet etwa 2,5 Millionen Euro brachte das Geschäft jährlich ein.

Von der Kette gelassen

Ihr Widerstand gegen die Schließung des Tiger Tempels fiel nun in sich zusammen, nachdem staatliche Wildschützer dort in einem Kühlschrank die eingefrorenen Überreste von 40 neugeborenen Tigern entdeckt und sie werbewirksam vor laufenden Kameras ausgebreitet hatten. Die jungen Tiere hatten offenbar nach der Geburt nur ein bis zwei Tage überlebt.

„Wir haben ihren Tod gemeldet und sie aufbewahrt, um Beweise vorlegen zu können“, behauptete der Geschäftsführer des Tiger Tempels, Supitpong Pakdjarung, ein ehemaliger Polizeioberst, „die Behörden wissen seit langem Bescheid.“ Tigerjunge kämen häufig tot zur Welt und stürben kurz nach der Geburt, hieß es von Seiten des Tempels weiter. In früheren Jahren seien die verendeten Tigerbabys verbrannt worden. Doch seit 2010 würden die Kadaver in Gläsern eingelegt oder tiefgefroren – eine Begründung dafür nannten die Mönche jedoch nicht. Ein Vertreter des thailändischen National Parks Department konterte: „Uns wurde der Tod alter Tiger mitgeteilt, von den Tierjungen war nie die Rede.“ Er leitete ein Strafverfahren wegen des Besitzes und der Misshandlung geschützter Tierarten ein.

Nachdem das Kloster der Behörde zunächst den Zutritt verweigert hatte, erschien diese mit einem offiziellen Durchsuchungsbeschluss und einem Aufgebot von rund 1000 Polizisten, Offizieren der regierenden Streitkräfte, Tierschützern und Helfern. Sie brachten Käfige, Betäubungsgewehre, Tragbahren und Infusionsflaschen für die Tiere mit. Die buddhistischen Mönche, angesichts der Übermacht zuerst keineswegs zum Einlenken bereit, ließen daraufhin sogar vier Tiger von der Kette. Doch die Raubkatzen stürzten sich nicht auf ihre unerwünschten Besucher. Sie machten sich lieber über einige Wildschweine auf dem Gelände her, bevor sie betäubt und abtransportiert werden konnten. Die Tiger werden nun in ein nahegelegenes Schutzgebiet gebracht. Die meisten sind Bengalische Tiger, die nicht in Thailand heimisch waren. Andere Tiere, teilweise aus Inzucht hervorgegangen, sind Kreuzungen unterschiedlicher Rassen.

Die Razzia, die noch bis zum Wochenende andauern soll, förderte nicht nur tote Tigerbabys, Eingeweide und Plastikbehälter mit schwer zu definierendem Inhalt zutage. Die Behördenvertreter entdeckten auch vom Aussterben bedrohte Nashornvögel und einen Löwen, den die Mönche in einer Ecke hinter dickem Stacheldraht versteckt hielten.

Für die Umweltschutzorganisation Environment Investigation Agency (EIA) gehört das Kloster in den malerischen Hügeln im Westen Thailands zu den Tigerfarmen, die in Südostasien den illegalen Handel mit Körperteilen von Wildkatzen beliefern. Weltweit werden mittlerweile rund 7000 Tiger auf Tigerfarmen gehalten. Laut dem World Wildlife Fund (WWF) befinden sich 1200 bis 1300 Raubkatzen in Thailand. Das südostasiatische Königreich liegt damit an zweiter Stelle hinter China und gehört zu den Schwerpunkten des Schwarzmarkthandels.

Neue Tiere versprochen?

Experten schätzen, dass ein zerstückelter Tiger von der Schwanzspitze bis zu den großen Reißzähnen insgesamt 75 000 US-Dollar in die Händlerkassen spülen kann. Auch ältere Tiere würden verkauft, damit sie für die Herstellung chinesischer Medizin getötet werden könnten. Selbst für Tigerbabys gebe es Verwendung: Sie endeten in Flaschen von sogenanntem wildem Wein – dessen Käufer glaubten, dass Tigerkadaver, Schlangen oder Bärenpfoten gemischt mit Alkohol besondere Heilkräfte entfachten.

Seit Jahren kämpfen Tierschützer gegen den 1990 gegründeten Tiger Tempel von Kanchanaburi. Die nette Fassade vom friedlichen Tiger im Streichelzoo diene nur als Tarnung für einen lebhaften Schwarzhandel mit getöteten Raubkatzen. Während der Razzia tauchte der Verdacht auf, Geschäftsführer Supitpong habe ein starkes Motiv für sein Einlenken: Hinter den Kulissen sollen den Mönchen bereits ein paar Dutzend Tiger für einen neuen Streichelzoo versprochen worden sein. Überprüfen lässt sich diese Vermutung bislang allerdings nicht. mit afp

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